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27.07.2022

10:52

Chemiekonzern

BASF hebt Jahresziele an – und vertraut bei der Gasversorgung auf die eigene Systemrelevanz

Von: Bert Fröndhoff

Der Chemiekonzern profitiert von Preiserhöhungen und dem starken Dollar. Sollte es zu einem Gas-Ausfall kommen, sieht sich BASF gut positioniert. 

BASF dpa

BASF

Industrieanlage auf dem Werksgelände in Ludwigshafen.

Düsseldorf Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat am Mittwoch überraschend seine Prognose für 2022 nach oben geschraubt. Zwar rechnet der Konzern im zweiten Halbjahr mit einer allmählichen Abkühlung der wirtschaftlichen Entwicklung, die sich in Europa stärker als in anderen Regionen der Welt zeigen werde. In China werde sich die wirtschaftliche Lage aber deutlich verbessern, sagte BASF-Chef Martin Brudermüller am Mittwoch.

„Wir gehen davon aus, dass die chinesische Regierung die Wirtschaft mit gezielten Schritten stimulieren wird. Zudem erwarten wir eine differenziertere Strategie zur Eindämmung des Coronavirus“, erläuterte Brudermüller. BASF setzt also darauf, dass sich die harten Lockdowns nicht wiederholen, die in China zuletzt ganze Regionen wirtschaftlich lahmlegten. In den USA sei der Chemiemarkt weiter robust.

Der Chemiekonzern hat die Probleme in China und die Belastung durch teure Rohstoffe und hohe Energiekosten bisher gut weggesteckt. Letztere Lasten konnten durch Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben werden. Brudermüller machte klar, dass der Konzern weitere Preiserhöhungen vornehmen werde. Das ist ein deutliches Signal dafür, dass der Konzern aktuell von einer weiterhin guten Nachfrage nach Chemikalien und Kunststoffen ausgeht.

Nach dem starken zweiten Quartal gibt sich BASF nun überzeugt, im Gesamtjahr die bisherigen Erwartungen übertreffen zu können. Für 2022 erwartet der Chemiekonzern jetzt einen Umsatz zwischen 86 und 89 Milliarden Euro. Das sind bestenfalls 15 Prozent mehr als bisher eingeplant. Der Gewinn vor Sondereinflüssen werde zwischen 6,8 und 7,2 Milliarden Euro liegen, teilte der Konzern mit – und damit leicht höher als bisher prognostiziert.

Wie BASF den Gasverbrauch senkt

Die Prognose steht allerdings unter zahlreichen Vorbehalten. Allen voran nennt BASF einen möglichen Mangel bei der Versorgung mit Erdgas, das der Konzern als Energieträger und Rohstoff einsetzt. Dies könne zu Produktionsunterbrechungen an den großen europäischen Standorten führen, vor allem an dem zentralen Verbundstandort in Ludwigshafen. Dort gilt die Maßgabe: Sinkt die Gasversorgung dauerhaft auf weniger als die Hälfte des Bedarfs, müsste der weltweit größte Standort komplett heruntergefahren werden.

BASF-Chef Brudermüller gibt sich überzeugt, dass es dazu nicht kommen wird. Das Management gehe davon aus, dass selbst bei Ausrufen der dritten Stufe des staatlichen Notfallplans ausreichend Gas zu einem – wenn auch reduzierten – Weiterbetrieb des Verbundstandorts geliefert würde. In dem Fall würden die Behörden Gas an die Industrie je nach Bedeutung der Firmen verteilen. „Wir erwarten, dass der überwiegende Teil der Chemieindustrie als systemrelevant eingestuft wird“, sagte Brudermüller.

Grafik

BASF dürfte dazugehören, denn der Konzern hat große Bedeutung für die funktionierenden Produktionsketten in zahlreichen Kundenindustrien wie etwa dem Autobau. Brudermüller unterstrich aber zugleich, dass der Konzern selbst alle möglichen Wege zum Einsparen von Gas nutze. Die von der EU-Kommission am Dienstag geforderte Einsparquote von 15 Prozent sei ein guter Richtwert auch für das eigene Unternehmen.

BASF will Gas an Standorten mit Öl ersetzen

Wo dies möglich ist, will BASF Gas als Energieträger durch Öl ersetzen. Das geht in kleinerem Maße bei der Befeuerung der Chemieanlagen, in größerem Stil aber bei den firmeneigenen Kraftwerken. Im ostdeutschen Schwarzeide, dem zweitgrößten BASF-Standort in Deutschland, will der Konzern 100 Prozent des Strom- und Dampfbedarfs mit Heizöl erzeugen.

Neben der technischen Optimierung bieten sich für die BASF große Einsparpotenziale bei Produkten, die Gas zugleich als Rohstoff und Energielieferant brauchen. Rund 40 Prozent des gesamten Erdgasbedarfs von BASF entfallen auf den Rohstoffeinsatz. Zu den Produkten gehört etwa Ammoniak, der Stoff ist Grundlage für viele veredelte Chemikalien und für die Fertigung von Dünger. Ein Herunterfahren der Ammoniakproduktion in Ludwigshafen wäre für BASF machbar. Denn der Stoff ist ähnlich wie Öl weltweit verfügbar, kann extern eingekauft und über Schiffe geliefert werden.

Keine Folgen für Standorte von BASF außerhalb Europas

Für die BASF-Produktionsstandorte außerhalb Europas erwarte der Konzern im Falle einer europäischen Gasverknappung kaum Auswirkungen. Der Ausfall europäischer Kapazitäten könnte somit zumindest teilweise durch höhere Anlagenauslastung an außereuropäischen Standorten ausgeglichen werden, hieß es.

Brudermüller zeigte sich zuversichtlich für die weitere Versorgung mit Gas in Deutschland insgesamt: „Wenn wir die Sparappelle ernst nehmen und alle marktwirtschaftlichen Wege nutzen, können wir über diese schwierige Situation hinwegkommen.“

Rein operativ hat BASF aktuell noch wenig Probleme. Die grundlegenden Zahlen für das zweite Quartal hatte der Konzern bereits vor zwei Wochen veröffentlicht, weil diese deutlich über den Analystenschätzungen lagen. Danach stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 16 Prozent auf 23 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn lag mit 2,3 Milliarden Euro auf dem Niveau des starken Vorjahresquartals.

BASF hat dabei zum einen von Preissteigerungen profitiert, die der Konzern nun vor allem in den Spezialchemiegeschäften durchsetzen konnte. Zum anderen halfen BASF positive Währungseffekte durch den starken Dollar.

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