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03.03.2016

11:47 Uhr

Chemiekonzern Evonik

Das fette Jahr ist vorbei

VonBert Fröndhoff

Evonik hat ein Rekordjahr hinter sich, setzt weiterhin auf seine konjunkturrobusten Produkte und will die Dividende erhöhen. Doch die Anleger sind wegen des schwachen Ausblicks für 2016 schockiert. Die Aktie bricht ein.

Der Chemiekonzern Evonik setzt auf das robuste Geschäft mit Futtermittelzusätzen. dpa

Legehenne

Der Chemiekonzern Evonik setzt auf das robuste Geschäft mit Futtermittelzusätzen.

EssenAuch Hühner müssen sich ausgewogen ernähren. Nur Weizen, das ist zu wenig, da fehlen lebenswichtige Stoffe wie Methionin und Lysin. Die muss der Landwirt dem Futter beimischen – ein einträgliches Geschäft für die Hersteller von Aminosäuren.

Allen voran Evonik: Futtermittelzusätze sind für den Essener Konzern seit vielen Jahren eines der lukrativsten und wachstumsstärksten Produkte, dessen Preise kräftig stiegen. Doch die Rekordfahrt wird sich in diesem Jahr nicht wiederholen. Evonik rechnet bei den Futtermittelzusätzen mit einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“, wie Konzernchef Klaus Engel auf der Bilanzpressekonferenz in Essen sagte.

Bayer, BASF, Evonik: Gekippte Stimmung in der Chemiebranche

Bayer, BASF, Evonik

Gekippte Stimmung in der Chemiebranche

Umsatz und Produktion der Chemieindustrie wachsen, allerdings nicht mehr so stark wie erwartet. Deshalb kappt die Branche einen Teil ihrer Prognosen. Hoffnungen setzen die Konzerne nun auf andere Industriezweige.

Das ist ein Grund, warum Evonik am Donnerstag eine sehr vorsichtige Prognose für 2016 abgab. Was die Essener noch mehr trifft ist der Preisverfall bei vielen Produkten. Das ist Folge des niedrigen Preises für Öl, dem wichtigsten Rohstoff der Branche. Die meisten Chemieunternehmen profitieren davon nicht, sondern müssen mit etwas Zeitverzug die Preissenkungen an ihre Kunden weitergeben.

Evonik erwartet dabei in diesem Jahr keine Erleichterung. Der Umsatz werde leicht zurückgehen, nachdem er im vergangenen Jahr noch um fünf Prozent auf 13,5 Milliarden Euro hochgeschnellt war. Noch kritischer ist die Gewinnerwartung: 2015 ist der bereinigte operative Gewinn um 31 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro gestiegen. Für dieses Jahr erwartet Evonik einen Rückgang auf 2 bis 2,2 Milliarden Euro.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Der Finanzmarkt reagierte geschockt auf den Ausblick: Die Evonik-Aktie brach am Vormittag um 13 Prozent ein – der größte Tagesverlust seit dem Börsengang im Frühjahr 2013. „Evonik ist bei seinen Prognosen in der Regel konservativ, aber der Ausblick für das laufende Jahr liegt stark unter den Erwartungen“, sagte ein Händler. DZ-Bank-Analyst Peter Spengler bezeichnete die Prognose für 2016 als enttäuschend. „Unsere Gewinnschätzungen müssen signifikant nach unten angepasst werden“, schrieb er in einem Kommentar.

Die Prognose von Evonik traf die Anleger offensichtlich unvorbereitet. Anfang Januar hatte der Konzern noch für gute Stimmung gesorgt, als er mit Blick auf das Erreichen der Ziele für 2015 die Erhöhung Dividende von 1 Euro auf 1,15 Euro angekündigt hatte.

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