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13.11.2019

11:38

Chemiekonzern

Lanxess will bis 2040 klimaneutral sein

Von: Bert Fröndhoff

Der Konzern trifft nahezu die Erwartungen der Börse. Nun investiert er in neue Technologien – und koppelt die Vergütung der Führungskräfte an seine Klimaziele.

Der Spezialchemiekonzern hat sich im dritten Quartal gut geschlagen. dpa

Lanxess

Der Spezialchemiekonzern hat sich im dritten Quartal gut geschlagen.

Düsseldorf Der Kölner Spezialchemiekonzern will bis zum Jahr 2040 klimaneutral wirtschaften. Schon bis zum Jahr 2030 soll der Ausstoß von Treibhausgasen um die Hälfte auf 1,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gesenkt werden. Bis 2040 soll dieser Wert auf null reduziert werden. „Wir werden unserer Verantwortung als globaler Spezialchemiekonzern gerecht“, sagte der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert auf einer Pressekonferenz in Köln.

Lanxess will dazu kräftig in neue Prozesstechnologien und Anlagen investieren. Zachert verspricht sich davon nicht nur den gewünschten Klimaeffekt, sondern langfristig auch geringere Kosten. „Klimaschutz ist ein Business Case“, sagte er und ergänzte: „Wir entkoppeln Wachstum und Emissionen.“ Das heißt: Jedes weitere Wachstum soll bei Lanxess mit sinkenden Emissionen einhergehen.

Der Kölner Konzern setzt sich mit dem kompletten Abbau im Vergleich zur Chemie-Konkurrenz ambitionierte Ziele. So plant BASF bisher, dass das Wachstum bis 2030 nicht mit steigendem CO2-Ausstoß verbunden sein soll. Allerdings hat Lanxess als Spezialchemiehersteller einen weniger starken CO2-Fußabdruck als der Ludwigshafener Konzern, der viel petrochemische Produkte auf Basis von Öl und Gas im Portfolio hat.

Den angestrebten Abbau von Emissionen misst Lanxess in CO2-Äqivalenten. Darin ist nicht nur Kohlendioxid enthalten, sondern auch der Ausstoß von Lachgas, der bei den Kölnern eine größere Rolle spielt. Das Gas hat einen 300-fach höhere Effekt aufs Klima als CO2. Der Konzern baut nun in Antwerpen eine neue Anlage zur Zersetzung von Lachgas, die bis 2023 rund 300.000 Tonnen weniger Ausstoß bringen soll.

Insgesamt plant Lanxess bis 2025 Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro in Klimaschutzprojekte. Dazu gehört auch, dass etwa die Standorte in Indien komplett auf eine Energieversorgung mit Biomasse und Solarenergie umgestellt werden. Mit neuer Prozesstechnologie soll in allen Betrieben ein höherer Verbund geschaffen werden. Das heißt, dass etwa der Wärmeaustausch verbessert wird.

Der Konzern richtet auch seine Geschäftspolitik auf Klimawirkung aus: So werden Investitionen und Übernahmen künftig anhand ihres Einflusses auf die CO2-Bilanz bewertet. Die Bonus-Zahlungen an Vorstände und Führungskräfte werden an die Reduktion von Treibhausgasen gekoppelt.

Zur Strategie gehört auch, dass der Konzern möglicherweise Geschäfte abgibt. Der Verkauf des erdölbasierten Kautschukgeschäfts vor einigen Jahren hatte bereits einen großen Effekt auf die CO2-Bilanz von Lanxess. Am Mittwoch kündigte der Konzern den Verkauf des Geschäfts mit zinnbasierten Organometallen am Standort Bergkamen an. „Wir werden uns von schmutziger Chemie trennen“, sagte Zachert dazu.

Der CEO betonte, dass die Chemieindustrie ein wichtiger Teil der Lösung der Klimafrage ist, etwa durch Kunststoffe für den Leichtbau von E-Autos, durch Wärmedämmung von Gebäuden und Materialien für Windkraftanlagen. Er forderte deswegen die Politik auf, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken.

Im funktionierenden europäischen Emissionshandel müsse eine Doppelbelastung der Industrie durch nationale Systeme vermieden werden. Dieses sei derzeit noch im aktuellen Gesetzentwurf über ein nationales Emissionshandelssystem für Brennstoff-Emissionen enthalten.

Zudem seien große Mengen an preiswerter regenerativer Energie nötig, damit in der Industrie die Klimaziele erreicht werden können. „Die chemische Industrie muss in Europa gehalten werden“, sagte Zachert. „Wandert sie in andere Regionen der Welt, werden dieselben Produkte mit viel mehr Emissionen hergestellt.“

Lanxess hat am Mittwoch auch Zahlen fürs dritte Quartal vorgelegt. Die Kölner erlebten keinen starken Einbruch wie zuletzt BASF und Covestro, deren Gewinn zwischen 30 und 50 Prozent gesunken war. Bei Lanxess ging der bereinigte Gewinn (Ebitda) nur um 3,6 Prozent auf 267 Millionen Euro zurück, der Umsatz stagnierte bei 1,78 Milliarden Euro.

Beide Werte entsprechen nahezu exakt den Erwartungen der Analysten. Der nur leichte Rückgang des Gewinns ist aber auch auf positive Wechselkurseffekte zurückzuführen, besonders beim Dollar. Zachert erwartet einen leicht steigenden Gewinn im vierten Quartal und bestätigte die im Frühjahr ausgegebene Prognose für 2019.

Danach wird Lanxess auf einen bereinigten Gewinn zwischen 1,00 Mrd. und 1,05 Milliarden Euro kommen – also in etwa auf Vorjahreshöhe.

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