MenüZurück
Wird geladen.

CO2-Ausstoß

Seite 2 von 2

Druck übt der Emissionshandel in der Europäischen Union aus - auch wenn die Branche einen Aufschub erhalten hat: Aus Furcht vor Produktionsverlagerungen bekommen die Unternehmen bis 2020 CO2-Zertifikate geschenkt. Von einer Schonfrist könne jedoch nicht die Rede sein, sagt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. "Die Unternehmen bekommen ihre Zertifikate nur im Umfang eines Benchmarks kostenfrei zugeteilt, der deutlich unter den tatsächlichen Emissionen liegen könnte. Der Industrie dürfen nicht Mittel entzogen werden, die für weitere Innovationen dann nicht zur Verfügung stehen."

Die Modernisierung der Fabriken stößt zudem an ihre Grenzen. Die physikalischen Möglichkeiten, bei der Produktion CO2 einzusparen, sind begrenzt. Um Eisenerz in Stahl umzuwandeln, müssen die Hersteller den im Erz gebundenen Sauerstoff vom Eisen trennen. Dazu nutzen sie Kohlenstoff, also Koks. Im Hochofen verbindet sich das mit Sauerstoff zu Kohlenmonoxid und schließlich zu Kohlendioxid. "Wir liegen schon dicht am theoretischen Minimum", sagt Gunnar Still, Abteilungsdirektor Umweltschutz bei Thyssen-Krupp. "Bei heutigen Anlagen sind kaum Senkungen des CO2-Ausstoßes mehr zu erwarten."

Daher setzen die Unternehmen ihre Hoffnung darauf, das entstandene Treibhausgas einzufangen und in unterirdischen Gesteinsschichten zu lagern - statt es in die Atmosphäre zu blasen. Dieses Verfahren ist unter dem Begriff Carbon Capture and Storage (CSS) bekannt. Auch bei der in Eisenhüttenstadt vorgesehenen Technik ist das letztlich das Ziel. Jedoch ist CSS umstritten - noch sind nicht alle technischen Fragen geklärt.

Ausgereift hingegen ist die Wiederverwertung von Stahl - die Recyclingquote beträgt fast 100 Prozent. 2008 setzte die Branche weltweit 520 Mio. Tonnen Stahlschrott ein. Das spart im Vergleich zur Produktion aus Eisenerz 520 Mio. Tonnen CO2, 780 Mio. Tonnen Eisenerz und 340 Mio. Tonnen Kohle. Auf Stahlschrott beruht in der EU schon 56 Prozent der Rohstahlerzeugung. "Schrotthändler sind heute moderne Industriebetriebe, die einen großen Beitrag zum Umweltschutz leisten", sagt Jürgen Karle, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen.

Auch von neuen Stahlsorten profitiert der Klimaschutz. Jährlich werden rund zehn Prozent der 2 460 Stahlsorten verbessert oder neu entwickelt. Gerade im Automobilleichtbau tragen sie zu CO2-Einsparungen bei. So erreicht das "New-Steel-Body"-Konzept von Thyssen-Krupp bei Rohkarosserien eine Gewichtseinsparung von bis zu 24 Prozent - das senkt den Spritverbrauch. Auf Stahl können die Autohersteller auch künftig nicht verzichten. Trotz des steigenden Einsatzes von Kunststoffen und Aluminium liegt der Stahlanteil bei Neuwagen immer noch bei 53 Prozent. Bei der Karosserie ist der Werkstoff unverzichtbar - hier beträgt der Anteil über 95 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×