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30.06.2022

15:13

Corona

Neuauftrag für Impfstoffe: US-Regierung vereinbart Milliardendeal mit Biontech und Pfizer

Von: Siegfried Hofmann

Vor allem um die Versorgung mit Omikron-Impfstoffen zu sichern, bestellt die US-Regierung weitere Vakzine. Kommt bald die nächste Impfung?

Biontech und Pfizer Reuters

Biontech und Pfizer-Kooperation

Die für 2022 erwarteten Covid-Impfstoff-Erlöse von Pfizer dürften mit dem neuen Deal etwa 35 Milliarden Dollar erreichen.

Frankfurt Die Mainzer Biontech SE und ihr US-Partner Pfizer haben jetzt den Abschluss eines neuen Impfstoff-Liefervertrages über 3,2 Milliarden Dollar mit der US-Regierung bekannt gegeben. Die beiden Firmen werden danach in der zweiten Jahreshälfte weitere 105 Millionen Dosen ihres Covid-Impfstoffs an die amerikanische Regierung liefern. Darüber hinaus verfügt die US-Regierung über die Option, weitere 195 Millionen Dosen zu erwerben.

Der Vertrag umfasst dabei nach Angaben von Biontech und Pfizer sowohl Impfstoff in der Standarddosierung von 30 Mikrogramm für Erwachsene als auch die zehn und drei Mikrogramm-Dosierungen für Jugendliche und Kleinkinder. Er bezieht sich zudem auch auf Omikron-spezifische Impfstoffe, sofern diese wie erwartet eine Zulassung durch die Arzneimittelbehörde FDA erhalten.

Der Deal ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen handelt es sich um den mit Abstand größten Neuvertrag für Impfstoffe, der in diesem Jahr abgeschlossen wurde. Er ist insofern auch der erste deutliche Indikator dafür, dass die Covid-Impfstoff-Nachfrage doch weiter reichen könnte als bisher erwartet und dass unter dem Eindruck der Omikron-Welle offenbar die Neigung wieder wächst, zusätzliche Impfstoffmengen auf Vorrat zu ordern. Viele Analysten waren bisher davon ausgegangen, dass die Nachfrage nach Auslieferung der bestehenden Verträge aus den beiden Vorjahren sehr stark abflaut.

Zum anderen deutet die Vereinbarung darauf hin, dass die Hersteller steigende Preise für Covid-Impfstoffe durchsetzen können. Aus den Gesamtkosten und Liefermengen des neuen Vertrags errechnet sich ein Durchschnittspreis von rund 30,50 Dollar je Dosis gegenüber 19,50 Dollar je Dosis bei den bisherigen Verträgen mit der US-Regierung.

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    Die für 2022 erwarteten Covid-Impfstoff-Erlöse von Pfizer dürften mit dem neuen Deal etwa 35 Milliarden Dollar erreichen. Bisher hatte der Konzern Umsätze von 32 Milliarden Dollar auf Basis bereits bestehender Lieferverträge in Aussicht gestellt. Die meisten dieser Deals wurden dabei bereits 2020 und 2021 vereinbart, darunter ein riesiger Vertrag mit der EU über die Lieferung von 900 Millionen Dosen.

    Umsätze von 13 bis 17 Milliarden Euro

    Biontech prognostiziert bisher Umsätze von 13 bis 17 Milliarden Euro, wobei der Löwenanteil der Biontech-Erlöse aus Ertragsanteilen besteht, die das Mainzer Unternehmen aus der Partnerschaft mit Pfizer erhält. Die beiden Firmen teilen sich den Rohertrag, wobei Pfizer den größten Teil der weltweiten Umsätze verbucht.

    Grafik

    Aus Sicht der US-Regierung dürfte der neue Liefervertrag mit Pfizer/Biontech vor allem auf eine Impfkampagne mit Omikron-spezifischen Impfstoffen ausgerichtet sein. Ein unabhängiges Expertengremium der FDA hatte sich am Dienstag mit klarer Mehrheit für die Zulassung entsprechender Vakzine ausgesprochen. Eine Entscheidung darüber wird für die nächsten ein bis zwei Wochen erwartet. Allerdings ist bisher noch nicht klar, welches Impfstoff-Format im Detail von den Behörden bevorzugt wird.

    Pfizer und Biontech hatten in den vergangenen Wochen Studiendaten sowohl für einen bivalenten Impfstoff, der Code des Originalvirus als auch der Omikron-Variante enthält, als auch für einen reinen Omikron-Impfstoff vorgelegt. Der reinrassige Omikron-Impfstoff zeigte dabei etwas stärkere Ergebnisse als das bivalente Vakzin.

    Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass der getestete und auf die ursprüngliche Omikron-Subvariante BA.1 ausgelegte Impfstoff eine etwa dreifach geringere Immunitätswirkung gegenüber den inzwischen zirkulierenden Subvarianten BA.4 und BA.5 generiert. Einige Vertreter des FDA-Beratergremiums sprachen sich daher dafür aus, im Herbst eher mit einem an diese Subvarianten angepassten Impfstoff ins Rennen zu gehen. Allerdings könnte ein solcher Impfstoff nicht mehr gesondert klinisch getestet werden, wenn er im Herbst bereitstehen soll.

    Sowohl Pfizer/Biontech als auch der Konkurrent Moderna haben jedoch signalisiert, dass sie für beide Varianten größere Mengen an Impfstoff produzieren könnten. Unabhängig davon, ob es um eine BA.1-Variante oder um BA.4 oder 5 gehe, sei man in der Lage, alle Lieferverpflichtungen zu erfüllen, betonte die Leiterin der Pfizer-Impfstoffforschung Kathrin Jansen.

    „Wir haben bereits erhebliche Mengen eines BA.1-spezifischen Omikron-Vakzins produziert und sind auch dabei, erhebliche Mengen eines BA.4/5-spezifischen Impfstoffs herzustellen“, so Jansen.

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