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17.11.2022

14:41

Cyberangriff

„Nehmen jegliche Schwachstelle sehr ernst“: Autobauer sind nach Conti-Datenklau in Alarmstimmung

Von: Franz Hubik, Stefan Menzel, Roman Tyborski, Michael Verfürden

Der Cyberangriff auf den Dax-Konzern alarmiert die Branche: BMW, Mercedes und VW bangen um ihre Daten und stehen im Austausch mit Conti.

Autohersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes stehen nach dem Cyberangriff auf Continental im engen Austausch mit dem Autozulieferer. Elektrobit

Continental-Daten

Autohersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes stehen nach dem Cyberangriff auf Continental im engen Austausch mit dem Autozulieferer.

Düsseldorf Nach dem Cyberangriff auf Continental fürchten auch Geschäftspartner des Zulieferers mögliche Folgen für ihr Unternehmen. Ein Volkswagen-Sprecher teilte dem Handelsblatt auf Anfrage mit: „Wir prüfen aktuell mit Hochdruck etwaige Auswirkungen für unseren Geschäftsbetrieb, unsere Geschäftspartner und Kunden.“

Continental hatte in der vergangenen Woche Informationen des Handelsblatts bestätigt, nach denen Hacker im Sommer große Mengen Daten des Konzerns erbeuten konnten. Inzwischen haben sie im Darknet eine Liste ihrer Beute veröffentlicht. Aus ihr geht hervor, dass auch Dateien betroffen sind, die im Zusammenhang mit wichtigen Conti-Kunden wie VW, Mercedes oder BMW stehen.

So finden sich dort etwa mutmaßliche Display-Angebote für eine VW-Baureihe, die noch gar nicht auf dem Markt ist. Auch Geheimhaltungsverträge mit und technische Konzeptzeichnungen für Volkswagens Softwareeinheit Cariad sind offenbar enthalten. Eine andere aktuelle Datei in der Liste trägt den Titel „Cybersicherheit_Grundanforderungen_VW“.

Der Volkswagen-Sprecher teilte mit, dass der Autobauer nun im Austausch mit „den zuständigen Stellen im Hause Continental“ stehe. Derzeit gehe es vor allem darum, „die Relevanz der infolge der Hackerattacke abgeflossenen Daten, die einen Bezug zur Volkswagen AG sowie unseren Tochtergesellschaften haben könnten“, zu analysieren.

Der Sprecher betonte, dass die Sicherheit der Fahrzeuge und Produkte „oberste Priorität“ für Volkswagen habe. Das beinhalte auch die Verteidigung gegen potenzielle digitale Angriffe von außen. Der Autobauer nehme daher „jegliche Schwachstellen auch in etwaig betroffenen IT-Systembereichen von Partnern und Zulieferern sehr ernst“.

Grafik

Handelsblatt-Informationen zufolge arbeiten derzeit auch andere Autobauer daran, die Liste im Darknet auf für sie relevante Daten zu scannen. Aus Industriekreisen heißt es zudem, dass Kunden von Continental Präventivmaßnahmen ergriffen hätten. So seien im großen Stil Passwörter neu aufgesetzt und Sicherheitsupdates aufgespielt worden.

Ob die Autobauer wegen des Datenlecks auch Ansprüche gegenüber Conti prüfen, beantworten nicht alle. VW wollte sich dazu nicht äußern. BMW betonte, dass der Autobauer „in engem Austausch hinsichtlich des Hackerangriffs“ stehe, die Inhalte dieser Gespräche aber vertraulich seien. Auch Mercedes tauscht sich mit Conti aus, machte darüber hinaus aber keine Angaben.

Autobauer senden Fragenkataloge an Conti

Continental hatte den Angriff im August selbst publik gemacht. Damals hieß es, der Angriff sei abgewendet worden. Conti-Konzernkreisen zufolge hatten diverse Hersteller und Zulieferer kurz darauf Fragenkataloge an den Zulieferer geschickt. Sie verlangten von dem Unternehmen eine Einschätzung des Risikos, dass vertrauliche Daten in die Hände der Cyberkriminellen gelangt sein könnten.

Continental hatte in der Pressemitteilung von August mitgeteilt, dass es sich „seiner datenschutzrechtlichen Verpflichtungen bewusst“ sei und in Absprache mit Datenschutzbehörden „die notwendigen Schritte zu deren vollständiger Erfüllung ergreife“. Dass eine derart gewaltige Menge Daten gestohlen wurde, scheint dem Unternehmen damals aber offenbar nicht bewusst gewesen zu sein.

Konzernkreisen zufolge geht es insgesamt um 40 Terabyte an Daten. Es ist das erste Mal, dass ein solch massiver Datenklau bei einem Dax-Konzern bekannt wurde. Continental wollte sich bislang nicht zu der veröffentlichten Liste äußern.

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