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16.08.2018

09:12

Daimler, Deutsche Post, Thyssen-Krupp

Immer mehr deutsche Unternehmen korrigieren ihre Erwartungen nach unten

Von: Ulf Sommer

Schlechte Nachrichten für Aktionäre: Seit Jahren waren deutsche Firmen nicht mehr so pessimistisch. Schuld sind auch die weltweiten Handelskonflikte.

Daimler, Continental, Post: Gewinnwarnungen auf Rekordniveau Reuters

Daimler-Chef Dieter Zetsche

Der Autobauer musste wegen der internationalen Handelsstreitigkeiten zuletzt die Gewinnprognose stutzen.

DüsseldorfWenn das kein Alarmsignal für die deutsche Wirtschaft und vor allem Börse ist: Trotz der guten Konjunkturentwicklung mussten im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich mehr börsennotierte Unternehmen in Deutschland ihre Prognosen nach unten korrigieren als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Umsatz- oder Gewinnwarnungen stieg von 29 auf 42 – und damit auf den höchsten Stand in einem ersten Halbjahr seit 2011, dem Beginn entsprechender Analysen.

Im Dax strichen unter anderem der Autobauer Daimler, der Zulieferer Continental, die Deutsche Post und zuletzt der Mischkonzern Thyssen-Krupp ihre Jahresprognosen zusammen. Nach drei guten Jahren, in denen jeweils deutlich mehr positive als negative Prognosekorrekturen gezählt wurden, hielten sich im ersten Halbjahr erstmals seit 2014 wieder positive und negative Prognoseänderungen die Waage.

Das deutet auf eine Trendwende hin. Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank warnt deshalb: „Das zunehmende Risiko eines Handelskriegs spricht dafür, dass die eingetrübte Stimmung bei den Unternehmen nicht nur eine kurze Wachstumsdelle signalisiert.“ Jedes achte Unternehmen gab eine Warnung raus. Gleichzeitig hat sich die Zahl der positiven Korrekturen, bei denen die Unternehmen das Übertreffen ihrer bisherigen Prognosen ankündigen, von 106 auf 42 mehr als halbiert.

Im gesamten Prime-Standard – das sind insgesamt 307 Unternehmen, unter anderem aus dem Dax, MDax, TecDax und SDax – haben nach Ermittlungen der Prüfungsgesellschaft EY im ersten Halbjahr 24 Prozent der Unternehmen mindestens einmal ihre eigene Prognose kassiert. Noch in der zweiten Hälfte des Vorjahres hatte sich die weltweite Konjunktur überraschend stark gezeigt.

Deshalb hatten viele Unternehmen ihre Prognosen angesichts steigender Nachfrage nach ihren Produkten nach oben angepasst, sodass die Zahl der Aufwärtskorrekturen auf ein Rekordniveau stieg. Jetzt schwingt das Pendel zurück, die Zahl der Umsatz- und Gewinnwarnungen nimmt deutlich zu. „Wir bewegen uns schon seit einiger Zeit am oberen Rand des Konjunkturzyklus – und es mehren sich die Anzeichen, dass eine Abkühlung bevorsteht“, beobachtet Marc Förstemann, Partner bei EY in der operativen Restrukturierungsberatung.

Vor allem in der Autoindustrie – den Autobauern und den vielen Zulieferern zeigt der Trend nach unten. Jedes vierte Unternehmen überraschte seine Aktionäre im ersten Halbjahr mit einer Umsatz- oder aber Gewinnwarnung. Hingegen gab es nicht eine Korrektur nach oben.

Die prominenteste Gewinnwarnung veröffentlichte Daimler. Die höheren chinesischen Zölle für die in den USA hergestellten Autos könnten nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden, teilte der Stuttgarter Konzern mit. Daimler rechnet damit, wegen der Abgaben in China künftig wohl weniger Geländewagen zu verkaufen als bislang erwartet.

China zählt zu den wichtigsten Absatzmärkten für die deutschen Hersteller. Als weitere Gründe nannte der Autobauer neue Standards für Abgastests, den Rückruf von Dieselautos und eine schwächere Nachfrage nach Bussen in Lateinamerika.

Umgekehrt überwogen bei Software-Unternehmen, Immobilienkonzernen und Telekommunikationsunternehmen die positiven Korrekturen. Im Dax hoben Europas größter Softwarehersteller SAP und die Deutsche Telekom ihre Prognosen an – die Telekom allerdings in homöopathischen Dosen. Anstelle eines Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), also fast allen Kosten, in Höhe von 23,3 Milliarden Euro rechnet die Telekom nun mit 23,4 Milliarden Euro – also 100 Millionen Euro mehr.

Das sind die größten deutschen Arbeitgeber

Platz 12

Thyssen-Krupp AG - 156.487 Beschäftigte weltweit.

Platz 11

Metro - 196.540 Beschäftigte weltweit

Platz 10

Continental - 220.137 Beschäftigte weltweit

Platz 9

Deutsche Telekom - 221.000 Beschäftigte weltweit

Platz 8

Fresenius - 232.873 Beschäftigte weltweit

Platz 7

Daimler - 282.488 Beschäftigte weltweit

Platz 6

Deutsche Bahn - 306.368 Beschäftigte weltweit

Platz 5

Siemens - 351.000 Beschäftigte weltweit

Platz 4

Edeka Zentrale - 351.500 Beschäftigte weltweit

Platz 3

Robert Bosch - 389.281 Beschäftigte weltweit

Platz 2

Deutsche Post - 459.262 Beschäftigte weltweit

Platz 1

Volkswagen - 626.715 Beschäftigte weltweit

(Zahlen für 2016/2017. Quelle: Fortune)

Den stärksten Zuwachs an negativen Prognosekorrekturen gab es im Dax: Sechs Konzerne mussten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ihren Ausblick nach unten anpassen. Ursache ist der Handelskonflikt zwischen den USA und China und die daraus wachsenden Unsicherheiten für exportstarke Unternehmen.

Besonders stark waren die Kursausschläge zuletzt bei Unternehmen, die ihren Ausblick nach unten korrigieren mussten: Im Durchschnitt sanken die Kurse am Tag der Gewinnwarnung um sieben Prozent und konnten sich auch in der Folgewoche nicht wieder erholen – im Gegenteil: Eine Woche nach Bekanntgabe der Gewinnwarnung lag der Aktienkurs im Durchschnitt um neun Prozent niedriger als vor der Ad-hoc-Meldung.

Wenn hingegen Unternehmen ein Übertreffen ihrer Gewinnprognosen ankündigten, führte das im Schnitt zu einem Anstieg des Aktienkurses um nur zwei Prozent – sowohl am Tag der Bekanntmachung als auch noch eine Woche später. Das heißt: Positive Korrekturen werden an der Börse kaum honoriert, Gewinnwarnungen aber führen zu deutlichen Einbußen führen.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

16.08.2018, 18:54 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

die Fakten sind sicher so wie von Ihnen beschrieben. Aber vielleicht sollten Sie bei der Bewertung dieser Fakten etwas relativieren. Dass die Gewinne der DAX-Firmen einmal ein Jahr lang auf einem vorher nie erreichten Rekordhoch und einsamem Hochgebirgsgipfel verharren, ist alles andere als ein nationales Unglück.

Und beim Thema Handelskrieg erscheint mir etwas Spekulation erlaubt und notwendig. Bei uns endet jeder Zeitungsartikel mit der Feststellung, dass bei einem Handelskrieg beide Seiten nur verlieren können. Das wissen bei uns schon die dreijährigen Kindergartenschüler.

Da darf man doch wohl annehmen, dass auch der amerikanische Präsident sowie seine Minister und Berater sehr wohl wissen, dass durch Zollmauern geschützte Industrien ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer gesehen verlieren und von Jahr zu Jahr bedeutungsloser werden. Deshalb dürfen wir wohl die Hoffnung hegen, dass Trump nach den amerikanischen Kongreßwahlen am 6. November das Thema Einfuhrzölle zu den Akten legt.

Und wenn nicht? Sie wissen sicher, dass unsere Firmen bei allen Kostenschüben 1001 Möglichkeiten haben, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ich will die vielen Möglichkeiten der Kostensenkung, die natürlich auch einen unterschiedlichen Zeithorizont haben, nicht weiter erläutern. Aber nehmen Sie einfach einmal das Beispiel der Firma Daimler Benz AG. Die deutsche Firma produziert in den USA auch SUVs für den chinesischen Markt. Wenn die für China bestimmten SUVs künftig im Reich der Mitte produzieren würden, würden die chinesischen Einfuhrzölle völlig eingespart und bei den Lohnkosten wahrscheinlich noch ein paar Milliarden dazu.

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