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05.09.2018

22:06 Uhr

Daimler

Mercedes greift mit neuem Sprinter-Werk in den USA an

VonKatharina Kort

Daimler hat in South Carolina sein neues Sprinter-Werk eröffnet. Amazon bestellt gleich 20.000 Exemplare des Kleintransporters. Die Deutschen erwägen auch eine Elektro-Variante.

Das Premierenfahrzeug geht an Amazon. Mercedes-Benz

Erster im neuen US-Werk produzierter Mercedes Sprinter

Das Premierenfahrzeug geht an Amazon.

CharlestonRiesige gelbe Kraken-Arme bewegen sich hinter den Gittern und platzieren Metallschrauben auf einer Aluminium-Platte. Funken sprühen. An der Decke schweben weiße Sprintergehäuse über den blauen Schutzhelmen der Arbeiter entlang.
Im tiefen Süden der USA, in Charleston in South Carolina, hat das neue Sprinter-Werk am Mittwoch seinen Betrieb aufgenommen. Der erste Van, der hier vom Band gelaufen ist, geht an Amazon. Mit einer großen Ola heißen die Mitarbeiter in ihren Mercedes-Shirts auf der Tribüne den Sprinter auf der Bühne willkommen.

„Wir wollten eigentlich nur 5.000 Sprinters bestellen. Aber jetzt wollen wir doch lieber 20.000“, erklärt Dave Clark und erntet Jubel im Publikum. Clark ist Senior Vice President für das internationale Geschäft von Amazon. Mit den 20.000 bestellten Vans wird Amazon damit zum größten Sprinter-Kunden weltweit. Die Sprinter gehen an das neue „Delivery Service Partner Programm“ von Amazon. Kleinunternehmer erhalten hier maßgeschneiderte Vans und spezielle Leasingverträge, um ihre Start-Up Kosten niedrig zu halten. Deshalb ist ein Team von Amazon auch direkt in die Entwicklung eingebunden.

Das neue Werk in Charleston ist nicht nur wichtig, um den Großauftrag des Online-Riesens und die hohe US-Nachfrage zu erfüllen. An den Sprinter-Standorten in Düsseldorf und Ludwigsfelde werden durch die US-Produktion keine Arbeitsplätze abgebaut, wie man bei Mercedes betont. Mit Investitionen von 500 Millionen Dollar und bald 1.300 Jobs in Charleston kann Mercedes auch im Weißen Haus punkten.

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Das Sprinter-Werk ist zwar schon seit drei Jahren geplant. Aber die Eröffnung des neuen Mercedes-Werks fällt in eine Zeit, in der der US-Präsident den ausländischen Autoherstellern mit Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent gedroht hat.
Außerdem hat Donald Trump sich in seinen jüngsten Verhandlungen mit Mexiko über ein neues Nafta darauf geeinigt, dass demnächst 40 bis 45 Prozent der in den USA verkauften Autos zu Löhnen von mindestens 16 Dollar pro Stunde gefertigt sein müssen. Darüber hinaus soll wohl der nordamerikanische Wertschöpfungsanteil im Automobilbau von derzeit 62,5 auf 75 Prozent steigen. Gerade für die deutschen Hersteller wäre das eine schwierige Vorgabe.

Bei dem neuen Nafta-Modell „ist noch nichts ausgestanden“ meint Joern Buss, Berater von Oliver Wyman in Detroit, und rät, abzuwarten. Aber auch er ist überzeugt, dass sich auch in einem endgültigen Abkommen zumindest in Grundzügen einiges von dem wiederfinden wird, auf das sich USA und Mexiko bereits geeinigt haben. Das gelte vor allem für den höheren innernordamerikanischen Anteil.

„Die deutschen Autobauer sind hierbei im Vergleich zu allen anderen klar hinten dran, insbesondere da keine größeren Motorenwerke in Nordamerika bestehen und viele Bauteile aus Europa und Asien kommen“ stellt der Berater fest.
Bei Sprinter will man sich zu Trump und dessen Handelspolitik nicht äußern. Man betont nur, dass man für freien Handel ist und glaubt, dass er beiden Seiten zugutekommt. Den Motor will man bei Sprinter bisher nicht in den USA bauen, schließt das aber nicht grundsätzlich aus.

Tatsächlich zeigt die Geschichte des Sprinter Werks in South Carolina, welche Auswüchse Zölle haben können: Als Van fallen die Sprinter unter die so genannte „Chicken Tax“. Das ist ein Strafzoll von 25 Prozent, der noch auf die 60er Jahre zurückgeht und eine Vergeltungsmaßnahme gegen die europäischen Zölle auf amerikanische Hühner war.

Um diese Strafzölle zu vermeiden hat Mercedes bisher die in Deutschland gefertigten Kleinlaster in zwei Teile auseinandergebaut und getrennt voneinander in die USA verschifft, um sie dort wieder zusammenzubauen. Seit dieser Woche werden sie nicht mehr nur zusammengebaut, sondern laufen direkt in den USA vom Band. Dafür hat Mercedes die Größe des Werks verdreifacht. Charleston hat eine Gesamtfläche von mehr als 900.000 Quadratmetern.

Kleinunternehmer erhalten maßgeschneiderte Vans

„Die USA sind schon heute der zweitgrößte Markt für unseren Sprinter“ sagte Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans, bei der Eröffnung. „Mit dem neuen, hochmodernen Produktionsstandort direkt vor Ort können wir unsere Kunden in Nordamerika künftig noch schneller und flexibler beliefern und so das dynamische Marktpotential besser ausschöpfen“, erklärte er.

Zu den Sprinter-Kunden gehören nicht nur die boomenden Lieferdienste wie Amazon, die die letzte Meile bis zur Haustür abdecken. Dazu gehören auch Handwerker, Bauunternehmer und die New Yorker Polizei. Bei den amerikanischen Outdoor-Fans werden die Sprinter zudem als Klein-Wohnmobile immer beliebter. Bisher liegt der Marktanteil von Sprinter in den USA bei zehn Prozent. Das will Mercedes mit dem neuen Werk deutlich ausbauen.

In Europa gibt es ab dem kommenden Jahr auch ein Elektro-Modell des Sprinters. Mittelfristig könnte Mercedes das auch für die USA erwägen. „Wir müssen uns das genau anschauen, wo sich das lohnen würde“, sagte der Leiter Mercedes-Benz Vans Mornhinweg auf Nachfrage des Handelsblatts. „Vor allem innerhalb von Städten bei der letzten Meile könnte das Sinn machen“, meint er.

Auch der Amazon-Manager Clark zeigt sich offen: „Wir sind begeistert in Hinblick auf die Perspektive eines Elektro-Vans“, sagt er. Bisher laufen die Sprinter in Charleston jedoch mit Diesel- oder Benzinmotor vom Band.

Kommentare (1)

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Herr Andre Peter

05.09.2018, 18:23 Uhr

Schön!
Da zeigt sich, dass Unternehmen erfolgreich sein können, schönes Autos und Lieferwagen bauen und trotzdem Gewinn machen.
Heute hat Daimler das erste Fahrzeug EQ - rein elektrisch vorgestellt. Ein tolles Auto, eine tolle Firma.
Herzlichen Glückwunsch!

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