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17.08.2018

19:00

Dieselskandal

VW kündigt im Dieselskandal hochrangigen Mitarbeitern

Von: René Bender, Stefan Menzel

VW will eine Reihe von in den Dieselskandal verwickelten Ingenieuren loswerden. Das dürfte alles andere als einfach werden. Eine weitere Frage: Was wusste Konzernchef Diess?

Der Wolfsburger Autobauer kündigt zahlreichen hochrangingen Mitarbeitern. dpa

Volkswagen-Manager

Der Wolfsburger Autobauer kündigt zahlreichen hochrangingen Mitarbeitern.

DüsseldorfDer Fragenkatalog der Kanzlei Freshfields ist mehr als fünf Seiten lang, gerichtet an teils sehr hochrangige Mitarbeiter von Volkswagen. Alle Empfänger haben eines gemeinsam: die Verwicklung in den Dieselskandal.

Seit öffentlich wurde, wie Volkswagen seine Motoren manipulierte, fielen die Ingenieure und Motorenentwickler in Ungnade. Zur Arbeit durften sie nicht mehr erscheinen, ihr Gehalt lief nur auf Vorbehalt weiter.

Nun ändert sich das. Am heutigen Freitag begann der Konzern nach Informationen des Handelsblatts damit, freigestellten Mitarbeitern erste Kündigungen zuzustellen. VW will dies auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren.

Auf den ersten Blick schöpften die VW-Manager gar keinen Verdacht. Zwar war das Schreiben als Fragenkatalog tituliert, enthielt im Wesentlichen aber gar keine Fragen. Vielmehr beschrieb Volkwagen den Adressaten seine aktuelle Sicht auf den Skandal. Warum? Die Manager fragten bei ihren Anwälten nach und die schlugen Alarm. Volkswagen bereite eine arbeitsrechtliche Anhörung vor. Mutmaßliches Ziel: die Kündigung, so schnell wie möglich.

Volkswagen teilte dazu auf Nachfrage mit, dass man am 19. Juli Einsicht in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Braunschweig erhalten habe und den Inhalt der Akten aktuell bewerte. In Abstimmung mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen werde geprüft, „ob wir hieraus arbeitsrechtliche Maßnahmen ableiten müssen“.

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Immer drängender stellt sich dabei eine weitere Frage: Wie will der Konzern arbeitsrechtlich mit der obersten Führungsriege umgehen? Die Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig befeuern den Verdacht, dass auch der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn und der heutige VW-Chef Herbert Diess frühzeitig über die Details des Betrugs informiert waren.

Die Aussagen von vier beschuldigten Technikern und ehemaligen Managers belasten Diess und Winterkorn stark. Demnach hätten Mitarbeiter bereits im Juli 2015 bei einem Treffen von den Problemen der Umschaltsoftware berichtet, die in der Folge als illegal und betrügerisch eingestuft worden war.

Sowohl Winterkorn als auch damalige VW-Vorstand Diess sollen daran teilgenommen haben. Auch sei das tatsächliche Ausmaß auf Folien präsentiert worden sein, heißt es. Die Behörden in den USA wurden im Anschluss jedoch lange hingehalten, das tatsächliche Ausmaß verschleiert.

Kein Kommentar

Wie groß der Kreis derer genau ist, die letztlich die offenbar geplanten Kündigungen betreffen, über die zuerst die „Bild am Sonntag“ berichtet hatte, ist nicht bekannt. Dazu gehören soll unter anderem der ehemalige Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer.

Unter denen, die zur Anhörung geladen waren, war nach Informationen des Handelsblatts unter anderem der frühere Werkleiter Falko Rudolph. Die Anwälte der Betroffenen wollten auf Anfrage keine Stellung nehmen, beziehungsweise waren nicht erreichbar, ebenso wie die geladenen Mitarbeiter selbst.

Sie alle gehören zum Kreis der 49 Personen, die die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Dieselskandal als Beschuldigte führt. Und sie haben gegenüber der Behörde teils sehr umfangreich ausgesagt. Interessant: Mindestens einer, der als Kronzeuge gilt, soll keinen Fragenkatalog von Volkswagen erhalten haben.

Warum bereitet Volkswagen ausgerechnet jetzt Kündigungen vor? Dass die Beschuldigten ausgesagt haben ist seit Monaten öffentlich bekannt, teils auch der Inhalt dieser Aussagen. Möglicher Initiator der arbeitsrechtlichen Schritte ist der US-Anwalt Larry Thompson, den die US-Behörden als Aufseher bei Volkswagen einsetzen. Ihn wundert seit langem, wie fürsorglich Volkswagen mit Managern umgeht, denen Straftaten vorgeworfen werden. Manche erhielten neben Gehältern auch noch Bonuszahlungen.

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Ein weiterer Faktor ist die Zeit. Fristlose Kündigungen können nur innerhalb von zwei Wochen nach Kenntnis eines Kündigungsgrundes ausgesprochen werden. Wenn Volkswagen den Erhalt der staatsanwaltlichen Akten als Auslöser dieser Frist nehmen möchte, muss sich der Konzern beeilen. Gegen diese Herangehensweise spricht, dass Volkswagen selbst schon 2016 weite Teile der Vergehen zugegeben hat.

Eines scheint aber sicher: Sollten den nun angeschriebenen Mitarbeitern in den kommenden Tagen die Kündigungen zugehen, werden sie sich mit allen juristischen Mitteln wehren. „Dann wird es für VW spaßig“ sagt einer, der es wissen muss. „Dann wird in dem arbeitsrechtlichen Verfahren sehr schnell noch viel mehr öffentlich.“

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