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22.09.2019

17:24

Dieselskandal

VW-Vorstände ohne Schuld?

Von: Stefan Menzel, Martin Murphy

Die Rollen, die Herbert Diess, Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch im Dieselskandal spielten, sind noch nicht geklärt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den ehemaligen VW-Vorstandschef. dpa

Martin Winterkorn

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den ehemaligen VW-Vorstandschef.

Frankfurt Für Herbert Diess ist der Fall recht einfach: „Ich bin der Meinung, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe unbegründet sind“, hatte der VW-Vorstandschef kürzlich gesagt.

Er antwortete damit auf die Frage, ob er bei den manipulierten Abgaswerten von Dieselautos in irgendeiner Form Schuld auf sich geladen haben könnte. Dabei geht es auch darum, dass er die Aktionäre zu spät über die finanziellen Folgen informiert haben könnte.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen ihn, seinen Vorgänger Martin Winterkorn und den früheren Finanzvorstand und jetzigen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

Auf den ersten Blick ist die Position von Diess nachvollziehbar. Der 60-Jährige war erst im Juni 2015 von BMW in den Vorstand von VW gewechselt.

Der Betrug bei den Dieselautos hatte mindestens schon zehn Jahre zuvor seinen Anfang genommen, bevor ihn dann US-Umweltbehörden am 18. September 2015 öffentlich machten.

Erst durch diese Veröffentlichung habe das Topmanagement umfassend von den Verfehlungen erfahren, hatten die VW-Anwälte in einer Klageerwiderung geschrieben.

So sei der Vorstand erst dann darüber informiert worden, dass es auf Fachebene schon länger als ein Jahr Gespräche mit den Behörden über erhöhte Emissionen der Dieselfahrzeuge gegeben habe.

Auch die finanzielle Dimension sei erst nach der Veröffentlichung erkennbar gewesen. Denn nach den dann gestarteten eigenen Ermittlungen habe sich bei Volkswagen sehr schnell abgezeichnet, dass nicht nur 500.000 Fahrzeuge in den USA von den Manipulationen betroffen waren.

Nach wenigen Tagen sei den Verantwortlichen in der Konzernzentrale klar gewesen, dass weltweit fast elf Millionen Autos mit den manipulierten Motoren ausgestattet worden waren.

Als diese Fakten allesamt festgestanden hätten, habe der Konzern schnell reagiert und die Anleger an der Börse über eine Pflichtmitteilung über den drohenden Schaden informiert.

Von einem Fehlverhalten sprechen die Hausjuristen Diess, Pötsch und auch Winterkorn frei. Die Manipulationen gingen aus ihrer Sicht ursächlich „auf das Handeln bestimmter Personen unterhalb der Vorstandsebene“ zurück.

Die Topmanager hingegen seien zuvor über die Dieselprobleme in den USA nur punktuell, knapp und in undramatischer Form aus der Fachabteilung informiert worden. Deshalb hätten sie die tatsächliche Dimension des Schadens in seinem gesamten Umfang niemals abschätzen können.

Die Staatsanwälte haben gehörig Zweifel an dieser Darstellung. Bei einem internen Treffen am 27. Juli 2015 hätten alle nötigen Informationen für den Vorstand vorgelegen. An diesem Treffen nahmen Winterkorn und Diess teil.

Dort soll auch über ebenjene hohen Strafen gesprochen worden sein, die sich im Milliardenbereich bewegt hätten.

Obwohl bereits Monate zuvor an das Topmanagement eine Warnung vor Bußgeldern in zweitstelliger Milliardenhöhe übermittelt wurde, ließ der Vorstand seine Investoren unwissend, so der Vorwurf. Aufklärung könnte das Verfahren vor dem Landgericht Braunschweig bringen, auf das die Staatsanwaltschaft hinarbeitet.

Mehr: Fast 79 Millionen Euro zahlt VW, um die Diesel-Verfahren in Australien beizulegen. Der Vergleich ist laut Volkswagen aber kein Schuldeingeständniss.

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