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10.04.2019

17:43

Drohende Überkapazitäten

Opel-Betriebsrat sieht Tausende Jobs in Deutschland gefährdet

Von: Franz Hubik

Ohne hohe Investitionen könnte der Autohersteller Opel auf einen enormen Personalüberhang zusteuern, warnt der Betriebsrat. Der Konzern widerspricht deutlich.

Die Produktionskapazität im Stammwerk Rüsselsheim soll um ein Drittel schrumpfen. Opel

Fahrzeugtest bei Opel

Die Produktionskapazität im Stammwerk Rüsselsheim soll um ein Drittel schrumpfen.

MünchenIn Werkshalle K48 versammelten sich am Dienstagmorgen Tausende Opelaner zur Betriebsversammlung. Die Stimmung am Stammwerk des Rüsselsheimer Traditionskonzerns ist schon seit Wochen angespannt. Und was die obersten Arbeitnehmervertreter den Beschäftigten zu sagen hatten, war nicht dazu angetan, bessere Laune zu verbreiten. Im Gegenteil.

Nach Informationen des Handelsblatts soll Wolfgang Schäfer-Klug, Betriebsratschef des Standorts Rüsselsheim, bei der Veranstaltung vor enormen Überkapazitäten gewarnt haben, auf die der Fahrzeughersteller zusteuern könnte.

Konkret sieht der Mitarbeitervertreter offenbar bis zu 5000 Arbeitsplätze bei Opel in Deutschland bedroht, sofern in den nächsten Monaten und Jahren dringend nötige Investitionen in erheblichem Umfang ausbleiben sollten. Das bestätigten mehrere bei der Betriebsversammlung anwesende Personen dem Handelsblatt unabhängig voneinander.

Opel beschäftigt an seinen drei heimischen Produktionsstandorten in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach derzeit noch rund 16.000 Mitarbeiter. Von einem drohenden Personalüberhang von mehreren Tausend Mitarbeitern will die Opel-Geschäftsführung nichts wissen: Die vom Betriebsrat genannte Zahl „entbehrt jeder Grundlage“, erklärte ein Konzernsprecher. Man habe „umfassende Investitionen“ in die deutschen Standorte zugesagt und halte „alle rechtlichen Vereinbarungen“ mit den Sozialpartnern ein.

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Hintergrund der Auseinandersetzung ist der sogenannte Zukunftstarifvertrag. Im Sommer 2018 hatte sich das Opel-Management nach langem Ringen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall auf ein Abkommen geeinigt, das unter anderem einen Kündigungsschutz für die Beschäftigten bis 2023 vorsieht.

Darüber hinaus hat sich Opel unter Führung seines französischen Mutterkonzerns PSA (Peugeot, Citroën, DS) dazu verpflichtet, in den Bestandserhalt der deutschen Standorte zu investieren. Es geht dabei um Ausgaben in Milliardenhöhe. Doch bis dato ist kaum Geld geflossen. Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter ein unhaltbarer Zustand.

Für Mittwochnachmittag wurde daher ein „wichtiges Tarifgespräch“ zwischen Geschäftsführung und IG Metall anberaumt, heißt es in einem Newsletter an die Opel-Beschäftigten, der dem Handelsblatt vorliegt: „Konkret geht es dabei um die ausstehenden Investitionen für die Werksbereiche Werkzeug- und Anlagenbau, Teilebau und Engineering zur Schließung der sich abzeichnenden Beschäftigungslücke.“

An dem Treffen nahmen nach Informationen des Handelsblatts Opel-Chef Michael Lohscheller und Arbeitsdirektor Ralph Wangemann teil, die IG Metall wurde unter anderem durch Jörg Köhlinger vertreten, dem Leiter des Bezirks Mitte. Etwaige Ergebnisse im Zuge der Zusammenkunft drangen zunächst nicht nach außen. Die Konfliktlinien sind aber offenkundig.

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Was die Arbeitnehmer erzürnt: Opel ist zwar durchaus gewillt, Investitionen freizugeben, knüpft diese aber an Bedingungen. Wie das Handelsblatt bereits vergangene Woche berichtete, soll in Rüsselsheim ab Ende 2021 neben dem Flaggschiff Insignia wieder der Kompaktwagen Astra gebaut werden, der bis 2015 schon einmal in Hessen vom Band liefe. Im Gegenzug schwebt dem Management aber vor, die Produktionskapazität im Stammwerk um ein Drittel zu kappen, von 60 auf 40 Autos pro Stunde.

Selbst wenn Gelder fließen, zeichnet sich ergo ein weiterer Personalüberhang etwa in Rüsselsheim ab. Zudem ist die Fabrik in Hessen schon jetzt häufig unterausgelastet. In diesem Jahr pausierte die Produktion montags und freitags schon mehrfach, heißt es in Konzernkreisen. Ein Konzernsprecher erklärte dazu: „Generell gilt, dass Opel kontinuierlich die Produktion an die Volumenplanung anpasst.“

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