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15.11.2021

16:22

E-Autos

Vom Start-up zum zweitwertvollsten Autobauer der USA – Die Erfolgsformel von Rivian-Gründer RJ Scaringe

Von: Astrid Dörner

Der Gründer von Rivian ist mit dem Börsengang des Elektroauto-Start-ups Milliardär geworden. Und zum nächsten Tesla-Konkurrenten. Die größten Probleme liegen aber noch vor ihm.

Rivian-Chef RJ Scaringe – Im Windschatten von Elon Musk Reuters

Rivian-Chef RJ Scaringe

Der 38-jährige Ingenieur hat mit dem Handelsstart an der Nasdaq knapp zwölf Milliarden US-Dollar bei Investoren eingesammelt.

New York
Auf die Reise nach New York verzichtete RJ Scaringe vergangene Woche. Zum Börsengang seines Elektrofahrzeugherstellers Rivian wollte der Gründer und CEO lieber bei seinen Mitarbeitern im Werk in Normal, Illinois, sein und dann möglichst schnell zurück an die Arbeit gehen.

Denn Scaringe muss liefern. Der Ingenieur, 38 Jahre alt, hat mit dem Handelsstart an der Nasdaq knapp zwölf Milliarden US-Dollar bei Investoren eingesammelt und zuvor bereits 10,5 Milliarden US-Dollar. Zu den prominentesten Geldgebern gehören der Onlinehändler Amazon, der rund 20 Prozent an Rivian hält, sowie der Autobauer Ford mit zwölf Prozent.

Und Rivian hat gerade erst angefangen, die ersten Fahrzeuge auszuliefern.

Scaringe, der am renommierten Massachusetts Institute of Technology promoviert hat, entschied sich für eine zweigleisige Strategie. Rivian wird elektrische Vans für Amazon produzieren, die die beiden Unternehmen gemeinsam entwickeln. Amazon hat bereits 100.000 Fahrzeuge bestellt, die bis zum Jahr 2030 ausgeliefert werden sollen. Weitere könnten folgen. Gleichzeitig stellt das Start-up mit Hauptsitz im kalifornischen Irvine den Pick-up-Truck R1T und das SUV R1S für den Massenmarkt her.

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    Bei den Investoren kommt diese Strategie gut an. Das Papier legte seit dem Börsengang 25 Prozent zu, was Rivian auf eine Marktkapitalisierung von 111 Milliarden US-Dollar katapultiert hat. Damit ist Scaringes Unternehmen der zweitwertvollste amerikanische Autobauer hinter Elon Musks Tesla. Zum Vergleich: General Motors kommt auf einen Marktwert von 92 Milliarden US-Dollar.

    Möglichst schnell auf Massenproduktion umstellen

    Scaringe, der mit Rivian selbst zum Milliardär geworden ist, kann die Mittel gut gebrauchen. „Es gibt rund eine Milliarde Fahrzeuge auf der Welt, die alle in den nächsten zehn bis 15 Jahren elektrifiziert werden müssen“, stellte er vergangene Woche im US-Börsensender „Bloomberg TV“ klar. Rivian wolle seinen Teil dazu beitragen und müsse daher möglichst schnell auf Massenproduktion umschalten.

    Der Gründer gilt als ein Gegenpol zu Elon Musk. Scaringe wirkt bedacht, spricht mit ruhiger Stimme, lässt sich nicht aus der Reserve locken. Anders als der Tesla-Chef engagiert er sich vergleichsweise zurückhaltend auf Twitter, hält sich bei politischen Themen zurück.

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    Dennoch muss Scaringe viele der Probleme lösen, mit denen auch Musk zu kämpfen hatte. „Rivian muss jetzt vom Start-up-Modus in die Massenproduktion umschalten und dabei auf gleichbleibende Fertigungsqualität achten“, gibt Christian König zu bedenken, der Hersteller und Zulieferer in Sachen Elektromobilität berät. Musk hatte den Prozess einst als „Production Hell“ bezeichnet.

    Der Tesla-Chef, der via Twitter eine Rivalität zu Amazon-Gründer Jeff Bezos kultiviert, zettelte nach dem Börsengang auch eine Diskussion um die Erfolgschancen von Rivian an. „Es gab Hunderte von Auto-Start-ups, sowohl mit Elektro- als auch mit Verbrennungsmotoren, aber Tesla ist der einzige US-Hersteller, der in den letzten 100 Jahren ein hohes Produktionsvolumen und positiven Cashflow erzielen konnte“, betonte Musk. Ob auch Rivian das gelingen werde, sei „der wahre Test“.

    Musk und Scaringe streiten sich auch vor Gericht. Tesla verklagte Rivian im vergangenen Sommer. Musk wirft dem Konkurrenten vor, Mitarbeiter gezielt abgeworben zu haben, die dann auch Geschäftsgeheimnisse mit zu Rivian bringen. Scaringe bestreitet die Vorwürfe. Eine ehemalige Rivian-Managerin reichte eine Diskriminierungsklage gegen ihren früheren Arbeitgeber ein, dem sie eine „toxische“, von Männern dominierte Firmenkultur vorwirft.

    Auch das bestritt Scaringe und betonte: „Ich verbringe viel Zeit damit, die Kultur in unserem Unternehmen aufzubauen. Das ist das Wichtigste überhaupt.“ Scaringe schaut nun nach geeigneten Standorten für neue Werke. Eines in Texas sei in der Diskussion, auch in Europa lotet er Medienberichten zufolge Möglichkeiten aus. Ob es ihn, wie Musk, nach Deutschland zieht, ließ er vorerst offen.

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