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26.08.2019

23:41

Ehemaliger VW-Chef

Ferdinand Piëch ist tot

Von: Martin Murphy

„Autos bauen“ war sein größtes Hobby. Und das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW. Nun ist Piëch im Alter von 82 Jahren gestorben.

Ferdinand Piëch wurde 82 Jahre alt.

Ferdinand Piëch

Ferdinand Piëch wurde 82 Jahre alt.

Der ehemalige VW-Chef Ferdinand Piëch ist tot. Das erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld der Familie. Piëch wurde 82 Jahre alt.

Er soll nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung am Sonntag in einem Restaurant in Rosenheim (Bayern) vor den Augen seiner Frau kollabiert sein. Anschließend wurde Piëch ins Krankenhaus eingeliefert, wo er verstarb.

Der Enkel des legendären Erfinders Ferdinand Porsche wurde im Jahr 1937 in Wien geboren, als Kind des Anwalts Anton Piëch und dessen Frau Louise, Tochter von Ferdinand Porsche. Nach dem Besuch eines Schweizer Internats studierte er Maschinenbau, seine Diplomarbeit schrieb er über die Entwicklung eines Formel-1-Motors.

Dem Thema blieb er treu: 1963 begann seine Karriere bei Porsche, er wechselte später zur jetzigen VW-Tochter Audi. Dort wurde er 1988 Vorstandschef und legte damit den Grundstein für den Aufstieg von Audi zum Oberklasse-Anbieter, der mit Daimler und BMW konkurrieren kann. Er schob den Fünf-Zylinder-Ottomotor und neue Leichtbauverfahren an.

Der Ingenieur galt als leidenschaftlicher Automobilist, für den „Autos bauen“ nach eigenem Bekunden das größtes Hobby war. Die Technik hat ihn mehr begeistert als die Bilanzen eines Unternehmens. Aber er wusste auch mit dem schnöden Zahlenwerk umzugehen.

Bewiesen hat er dies ab dem Jahr 1993, als er Vorstandschef von Volkswagen wurde. Das Unternehmen steckte damals mitten in einer schweren Krise. Massenentlassungen drohten. Diese wendete der von Piëch eingestellte Personalvorstand Peter Hartz zusammen mit Betriebsrat und Gewerkschaft ab – unter anderem durch die Einführung der Vier-Tage-Woche, die erst Ende 2006 wieder gekippt wurde.

VW erlebte unter der Führung von Piëch einen beispiellosen Aufstieg. Aus dem Krisenfall wurde letztlich der weltgrößte Autobauer, der zwölf Marken zu seinem Reich zählt.

Nach neun Jahren wechselte er vom Chefsessel an die Spitze des Aufsichtsrates. Er übte sein Amt sehr aktiv aus, mischte sich immer wieder in das operative Geschäft ein. Oft hatte er die besseren Argumente auf seiner Seite, wie Beteiligte aus der damaligen Zeit berichten. „Durchsetzungsstark war er – und das hat beim Aufstieg von VW geholfen.“

Im Jahr 2015 kam es dann aber zum Bruch. Auslöser war eine Aussage Piëchs im „Spiegel“: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ – dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn, seinem Ziehsohn.

Über die Motive wird bis heute gerätselt. Eine Erklärung: Piëch wollte seine 19 Jahre jüngere Ehefrau Ursula als Nachfolgerin an der Spitze des Aufsichtsrats durchsetzen, Winterkorn aber wollte damals selbst diesen zentralen Posten.

Er hatte sich von seinem Ziehvater entfernt, Winterkorn meinte, er selbst könnte die Hoheit über den Konzern mit seinen 600.000 Beschäftigten übernehmen.

Es halten sich aber auch Gerüchte, Piëch sei höchst unzufrieden mit der Entwicklung von VW in den USA gewesen – auch vor dem Hintergrund der später bekannt gewordenen Dieselprobleme.

Es folgte ein beispielloser Machtkampf. Eine Allianz aus dem Land Niedersachsen, Betriebsrat und überraschend auch Piëchs Cousin Wolfgang Porsche stützte Winterkorn. Am 25. April 2015 legte Piëch sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats sowie all seine Aufsichtsratsmandate innerhalb des Volkswagen-Konzerns nieder.

Martin Winterkorn (l) war Piëchs „Ziehsohn“ – dann kam es zum Zerwürfnis. dpa

Mai 2014

Martin Winterkorn (l) war Piëchs „Ziehsohn“ – dann kam es zum Zerwürfnis.

Es war der Bruch mit der VW-Welt. Er wendete sich ab. Piëch zeigte dann, dass er Entscheidungen mit aller Konsequenz fällte. Für einen ungenannten Betrag verkaufte er sein Aktienpaket an der Porsche SE. Über die Holding halten die Familien Porsche und Piëch die Mehrheit an dem Autohersteller. Die Ära Ferdinand Piëch und VW endete damit.

Um Ferdinand Piëch wurde es in der Folgezeit still, auch wenn er regelmäßig auf den Automessen in Genf und Frankfurt gesichtet wurde. Für Aufsehen sorgte er dann erst wieder im vergangenen Frühjahr: Für einen Betrag von elf Millionen Euro kaufte er den Bugatti „La Voiture Noire“. Das Fahrzeug aus der Fertigung der VW-Tochter Bugatti ist der teuerster Neuwagen weltweit.

Der Preis dürfte Ferdinand Piëch nicht sonderlich interessiert haben. Ihn begeisterte die Technik. Und vielleicht auch die Überraschung, die der Kauf in den Reihen des VW-Managements ausgelöst haben dürfte.

Das Aufsichtsratsmitglied der Porsche SE, Ferdinand Piëch, auf der Hauptversammlung. dpa

Mai 2017

Das Aufsichtsratsmitglied der Porsche SE, Ferdinand Piëch, auf der Hauptversammlung.

Ferdinand Piëch steigt aus einem VW Ein-Liter-Auto XL1. dpa

April 2013

Ferdinand Piëch steigt aus einem VW Ein-Liter-Auto XL1.

Ferdinand Piëch, seine Frau, die Co-Aufseherin Ursula Piëch, Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh und der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn (l-r) mit dem Golf 7. dpa

September 2012

Ferdinand Piëch, seine Frau, die Co-Aufseherin Ursula Piëch, Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh und der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn (l-r) mit dem Golf 7.

Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula besuchen die Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge in Hannover. dpa

September 2012

Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula besuchen die Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge in Hannover.

Als Audi-Vorstandsmitglied für Technische Entwicklung steht Ferdinand Piëch neben einem Audi. dpa

1982

Als Audi-Vorstandsmitglied für Technische Entwicklung steht Ferdinand Piëch neben einem Audi.

Mehr: Ferdinand Piëch – der große Visionär von Volkswagen. Lesen Sie hier den Nachruf auf den Familienpatriarchen.

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