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21.02.2020

17:09

Elektroauto

Audi legt Produktion des E-Tron vorübergehend still

Von: Markus Fasse, Stefan Menzel

Der Autobauer muss die Montage im Werk in Brüssel zunächst unterbrechen. Grund für die Probleme sind Lieferschwierigkeiten bei Batteriezellen.

Audi bezieht seine Batteriezellen vom koreanischen Anbieter LG Chem. Reuters

E-Tron auf der Automesse Brüssel im Januar

Audi bezieht seine Batteriezellen vom koreanischen Anbieter LG Chem.

München, Wolfsburg Audi muss die Produktion seines Hoffnungsträgers E-Tron stoppen. Die Montage des Elektroautos im Werk in Brüssel sei bis Mittwoch unterbrochen, erklärte der Autohersteller am Freitag. Als Grund nennt der Konzern Anlaufschwierigkeiten beim Hochfahren der Produktion.

„Naturgemäß bringt dies verschiedene Herausforderungen mit sich, die wir gemeinsam mit unseren Entwicklungspartnern und Lieferanten meistern“ erklärte der Konzern. Audi produziert das Elektro-SUV seit einem halben Jahr in Brüssel, im vergangenen Jahr wurden rund 25.000 Stück gebaut. Doch seit Produktionsbeginn gibt es Probleme mit der Versorgung mit Batteriezellen.

Audi bezieht wie Porsche und Mercedes seine Zellen vom koreanischen Anbieter LG Chem, der dafür ein Werk in Polen gebaut hat. Die Produktionsunterbrechung in Brüssel sei nun ebenfalls auf das Fehlen von Batteriezellen zurückzuführen, hieß es in Konzernkreisen.

Audi wolle in diesem Jahr 80.000 E-Tron bauen, LG könne aber bislang nur für 40.000 Stück Batteriezellen zusagen. LG ist bislang der einzige Zellenlieferant für Audi. Die VW-Tochter hofft nun auf Samsung – der koreanische LG-Konkurrent baut derzeit seine Kapazitäten in Ungarn aus.

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    Der vorübergehende Produktionsstopp ist für Audi mehrfach ärgerlich: Bereits jetzt müssen Audi-E-Tron-Kunden ein halbes Jahr auf ihr Auto warten. Bekommt Audi das Problem nicht in den Griff, könnte die Lieferzeit weiter anwachsen. Die Ingolstädter sind mit dem E-Tron früher als die Konkurrenten Mercedes und BMW auf dem Markt.

    Die vom Dieselskandal schwer erschütterte VW-Tochter will bis 2025 dreißig Elektro- oder Hybridmodelle auf die Straße bringen, mehr als die Konkurrenten in Stuttgart und München planen. Zudem sind die Elektroautos für die Klimabilanz des VW-Konzerns wichtig. Gelingt es nicht, ausreichend Stromer zu verkaufen, muss der Konzern Strafzahlungen an die EU-Kommission leisten.

    Der Mangel an Zellen trifft die gesamte Automobilindustrie

    Die Audi-Mutter Volkswagen ist davon nicht betroffen. „Bei uns läuft die Zellversorgung nach Plan“, sagte am Freitag ein VW-Sprecher in Wolfsburg. Volkswagen hilft der Umstand, dass der Verkauf seiner neuen Generation von Elektrofahrzeugen noch gar nicht begonnen hat. Erst im Spätsommer sollen die ersten Exemplare des neuen ID.3 an die Kunden ausgeliefert werden.

    VW hat also im Unterschied zu Mercedes oder Audi noch etwas mehr Zeit. Gleichwohl beobachtet Volkswagen die Lage auf dem Markt für Batteriezellen sehr genau. Denn der Mangel an Zellen trifft die gesamte Automobilindustrie – und damit auch den Wolfsburger Fahrzeughersteller. Im VW-Werk in Zwickau wird der neue ID.3 zur Vorbereitung des Verkaufsstarts derzeit in vergleichsweise kleinen Stückzahlen produziert.

    Die Batterien müssen dabei sofort eingebaut werden, nachträglich ist das technisch nicht mehr möglich. In den kommenden Monaten will Volkswagen die Fertigung des neuen Elektroautos deutlich steigern. Dann braucht der Wolfsburger Autohersteller auch mehr Batteriezellen. „Wir hoffen natürlich darauf, dass dann eine ausreichende Versorgung sichergestellt ist“, hieß es dazu ergänzend aus Unternehmenskreisen.

    Bei älteren Modellen mit Elektroantrieb ist die knappe Versorgung mit Batteriezellen schon jetzt spürbar. Beim VW-Mini E-Up kann es bis zu sieben Monate dauern, bis ein Kunde seinen bestellten Elektro-Neuwagen bekommt. Volkswagen muss sich das knappe Zellkontingent mit den Schwestermarken Seat und Skoda teilen, die fast baugleiche Kleinwagen mit Elektroantrieb anbieten.

    Ingenieure von Volkswagen und Audi sind bereits mehrfach nach Osteuropa gereist, um in den neuen Werken beim Start der Zellfertigung zu helfen. VW-Entwickler haben sich inzwischen auch das nötige Batterie-Know-how angeeignet. Außerdem beherrschen sie die Großserienfertigung von Autos.

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