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20.10.2022

08:00

Elektroauto-Batterien

Mercedes bekommt von Rock Tech Lithium 10.000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr – ab 2026

Von: Claudia Scholz

Die deutsch-kanadische Firma hat eine milliardenschwere Liefervereinbarung mit dem Autokonzern unterzeichnet. Ein Teil des Lithiums soll aus Kanada stammen.

Mercedes-Vorstand Markus Schäfer und Rock Tech Lithium-CEO Markus Brügmann haben einen Deal über Lithium-Lieferungen geschlossen. Rock Tech Lithium  C) Gottfried Stoppel

Markus Schäfer, Markus Brügmann

Mercedes-Vorstand Markus Schäfer und Rock Tech Lithium-CEO Markus Brügmann haben einen Deal über Lithium-Lieferungen geschlossen.

Toronto Der deutsche Autobauer Mercedes-Benz und das deutsch-kanadische Unternehmen Rock Tech Lithium mit Sitz in Vancouver haben am Donnerstag eine Vereinbarung über die künftige Lieferung von Lithiumhydroxid unterzeichnet, dem wichtigsten Vormaterial für Autobatterien.

Rock Tech verpflichtet sich die Batteriezulieferer von Mercedes ab 2026 jährlich mit 10.000 Tonnen des Materials zu versorgen. Die jährliche Liefermenge könnte laut Unternehmensangabe ausreichen, um etwa 150.000 Elektrofahrzeuge mit Hochleistungsbatterien zu versorgen.

Das Lithiumhydroxid von Rock Tech spiele eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der Lithiumversorgung für die Batterieproduktion von Mercedes in Europa, sagte Markus Schäfer, Entwicklungs-Vorstand bei Mercedes-Benz.

Mercedes plant, bis zum Ende des Jahrzehnts vollelektrisch zu werden. Ab 2025 will der Hersteller alle technischen Antriebe ausschließlich für batterieelektrische Fahrzeuge anbieten.

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    Die strategische Partnerschaft ist für mindestens fünf Jahre geplant. Rock Tech Lithium schätzt das Umsatzvolumen des Abnahmevertrags auf fast zwei Milliarden kanadische Dollar bzw.1,5 Milliarden Euro. Damit kalkuliert die Firma laut eigener Aussage auf der Grundlage moderater Marktprognosen und -einschätzungen ohne konkrete Lithiumpreise zu nennen. Derzeit kostet eine Tonne Lithiumhydroxid am Spotmarkt in China etwa 75.000 Dollar.

    Die beiden Unternehmen hatten ihr Vorhaben bereits während des Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz und einer deutschen Wirtschaftsdelegation in Toronto im August angekündigt.

    Lithium: Rock Tech fehlen bisher die Baugenehmigungen

    Rock Tech entwickelt derzeit im ostdeutschen Ort Guben seinen ersten Konverter, der Lithiumhydroxid aus dem Lithium-Erz Spodumen gewinnen soll. Bislang gibt es in Europa keine Raffinerie dieser Art. Konverter befinden sich nur in China und Australien.

    Ab Ende 2024 soll der Konverter laufen und insgesamt rund 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr produzieren. Rock Tech hat laut eigenen Aussagen zudem drei weitere Fabrikplätze für Lithium-Raffinerien in Europa reserviert.

    Ein Großteil des Spodumens für den Konverter soll aus einer Mine in der kanadischen Provinz Ontario kommen, die Rock Tech 2010 erworben hat. Realistischer Beginn des Betriebs sei 2025, parallel zum Hochfahren des Konverters.

    Doch bisher liegen weder für den Konverter in Ostdeutschland noch für die Mine in Kanada Baugenehmigungen vor. Zudem muss Rock Tech noch Investoren für die kostspieligen Bauprojekte finden. Allein die Entwicklung der Raffinerie wird mindestens 470 Millionen Euro kosten. Der Aufbau der Mine wird vermutlich ebenfalls im dreistelligen Millionenbereich liegen. Die Firma sei stetig auf der Suche nach Partnern und Investoren, sagte Rock-Tech-CEO Markus Brügmann im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir sammeln Geld ein wie ein Start-up.“

    Rock Tech entwickelt im ostdeutschen Ort Guben seinen ersten Konverter, der Lithiumhydroxid aus dem Lithium-Erz Spodumen gewinnen soll. Rock Tech Lithium

    Geplante Lithium-Raffinerie

    Rock Tech entwickelt im ostdeutschen Ort Guben seinen ersten Konverter, der Lithiumhydroxid aus dem Lithium-Erz Spodumen gewinnen soll.

    Brügmann erklärt auch, warum das Lithiumerz aus Kanada in Europa verwertet werden soll: „Der Markt in Nordamerika für Batteriefahrzeuge ist rund drei Jahre hinter dem in Europa. Das ist auch der Grund, warum wir noch keinen Konverter in Kanada bauen. Es macht mehr Sinn, die Anlage dort zu bauen, wo das Lithiumhydroxid direkt zu Batterien verarbeitet wird.“ Denn das weiße, salzartige Pulver hat nur eine gewisse Lebensdauer und muss relativ zügig zu Batteriefabriken weitertransportiert werden.

    Doch mit der Mine in Ontario allein ist es nicht getan: „Zur vollen Auslastung des Konverters benötigen wir weiteres Material aus anderen Quellen“, sagt Brügmann. Alternativquellen will Rock Tech in Australien und womöglich auch in Kanada finden. „Hier gibt es schon weiterentwickelte Lithiumminen, von denen wir das Konzentrat kaufen könnten.“

    >>> Lesen Sie auch: VW will sich an Rohstoff-Minen in Kanada beteiligen

    Derzeit stehe die Firma mit Minenbetreibern aus Australien in Kontakt, etwa Pilbara, Mineral Resources und Tianqi. Um sich genug Lithium zu sichern, hat sich Rock Tech auch mit den Rohstoffhändlern Transamine aus der Schweiz und Thyssen-Krupp Materials zusammengeschlossen.

    Gegenüber Mercedes-Benz will sich Rock Tech verpflichten, Rohstoffe nur aus Minen zu beziehen, die besondere humanitäre und ökologische Ansprüche erfüllen. Die Mine des Unternehmens in Kanada soll nach den Kriterien der „Initiative for Responsible Mining Assurances“ (IRMA) zertifiziert werden. IRMA ist ein Gemeinschaftsprojekt aus über 30 Unternehmen, Non-Profit-Organisationen, Gewerkschaften und Bergbaubetrieben aus aller Welt.

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