Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

25.09.2019

14:12

Elektroautos

Chinesischer Tesla-Herausforderer Nio in Schwierigkeiten – Aktie bricht ein

Die großen Wachstumspläne enden mit Ernüchterung. Der chinesische Elektroauto-Hersteller Nio türmt hohe Verluste auf. Analysten fürchten das Schlimmste.

Das elektrische Start-up Nio enttäuscht die Anleger. AFP

Chinese in Finanzschwierigkeiten

Das elektrische Start-up Nio enttäuscht die Anleger.

Düsseldorf/Schanghai Den chinesischen Elektroauto-Herstellern geht die Puste aus. Mit den jüngsten Quartalszahlen schockierte das Start-up Nio die Anleger. Die enttäuschenden Finanz- und Absatzergebnisse ließen die Aktie um 20 Prozent einbrechen. Im größten Elektroautomarkt der Welt platzt die Hoffnung, dass mit dem Elektroauto auch der schnelle Durchbruch der heimischen Marken gelingt.

Viele Marktbeobachter hatten Nio zugetraut, zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die Weltmarktriesen zu werden, die in China immer noch den Markt dominieren. Mit der Rückendeckung des Apple-Zulieferers Tencent hatte die Marke um Gründer William Li auf der Autoshow in Shanghai im Jahr 2017 einen sehr selbstbewussten Auftritt hingelegt und neben einem elektrischen Supersportwagen auch das Serien-SUV ES8 präsentiert. Perspektivisch schielte man auf den internationalen Markt. Mittlerweile geht es für die Chinesen stattdessen um die Existenz.

„Anleger fragen sich, ob das Unternehmen überleben wird“, sagt Jason Chen, ein Analyst der Blue Lotus Capital Advisors. Bernstein-Analyst Robin Zhu schlägt in die gleiche Kerbe. Seinen Report zu Nio hat er mit dem Titel „Tick Tock, Tick Tock“ überschrieben. Die Botschaft ist klar: Die Uhr tickt für das Elektro-Start-up. Die aktuellen Geldmittel von 458 Millionen Dollar reichen nach Ansicht der Analysten nur noch für wenige Wochen.

Nio habe die Kosten für den Markthochlauf, Rückrufe und die Entwicklung neuer Elektroautos völlig unterschätzt, so die einhellige Meinung der Analysten. Dazu kommt ein Problem beim Absatz: Nachdem die chinesische Regierung die Förderung von Elektroautos zurückgefahren hat, entwickelt sich der Absatz längst nicht mehr so rasant wie in der Vergangenheit.

Der Absatz von Elektroautos sank im August den zweiten Monat in Folge. Auch Nio blieb hinter den Erwartungen zurück und ist nun zum Sparen gezwungen.

Pläne für ein Werk in Shanghai hat man auf Eis gelegt, nachdem die lokale Regierung dem Elektropionier Tesla Unterstützung zugesagt hatte. Bislang verzichtet man auf eine eigene Produktion und lässt alle Fahrzeuge im Auftrag bauen. Weltweit soll die Zahl der Nio-Angestellten von 9900 auf 7800 sinken. Darüber hinaus sollen Bereiche ausgegliedert werden, die nicht zum Kerngeschäft gehören.

Mehr Verlust als Umsatz

Im zweiten Quartal war das Defizit um 83 Prozent auf 3,29 Milliarden Yuan (420 Millionen Euro) gewachsen – und fiel damit nicht deutlich höher aus als von den Analysten erwartet, sondern überstieg sogar den Umsatz von 200 Millionen Euro. Innerhalb weniger Jahre hat Nio damit Verluste von rund 5,5 Milliarden Euro angehäuft.

Im Juni hatte Nio 5000 ausgelieferte Fahrzeuge wegen Brandrisiken zurückgerufen – fast ein Drittel aller bisher verkauften Fahrzeuge. Darüber hinaus ist der Absatz im Vergleich zum ersten Quartal um elf Prozent gesunken. Das neue Modell ES6 kann den Einbruch beim Spitzenmodell ES8 bislang nicht auffangen. Man gehe von einer Erholung im dritten Quartal aus, teilten die Chinesen mit. Doch die Aussichten sind schlecht.

„Die jüngsten Absatzzahlen und Preisentwicklungen lassen uns an einer erwarteten Erholung im September zweifeln“, schreiben die JP-Morgan-Analysten Ryan Brinkman und Rebecca Wen. Das vierte Quartal könnte für die Hersteller deutlich schwächer ausfallen als bislang vorhergesagt.

Nicht nur die Weltmarktriesen, auch die ambitionierten chinesischen Elektro-Start-ups geraten deswegen unter Druck. Viele fürchten, dass die chinesische Elektroblase platzen könnte. Die desaströsen Zahlen belasteten daher auch Aktien anderer Hersteller. Die Papiere von BAIC verloren 3,3 Prozent, die von Elektroautohersteller BYD rund 1,4 Prozent.

Mehr: Die Batterien für ihre E-Fahrzeuge beziehen die Automobilkonzerne größtenteils von Produzenten aus China, Korea und Japan. Damit steigt deren ohnehin schon marktbeherrschende Macht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×