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13.10.2022

16:40

Elektroautos

Software-Partner soll VW in China wieder konkurrenzfähig machen

Von: Stefan Menzel, Roman Tyborski

Elektroautos von Volkswagen fahren auf dem weltgrößten Absatzmarkt der Konkurrenz hinterher: Sie bieten zu wenig digitale Ausstattung. Eine Milliardeninvestition soll helfen.

Ein ID.6 X in einem Volkswagen-Shop in Peking: Die Software-Kooperation mit Horizon Robotics soll die in Deutschland entwickelten E-Autos für Chinesen interessanter machen. AP

Volkswagen braucht in China bessere Elektroautos

Ein ID.6 X in einem Volkswagen-Shop in Peking: Die Software-Kooperation mit Horizon Robotics soll die in Deutschland entwickelten E-Autos für Chinesen interessanter machen.

Düsseldorf Elektroautos von Volkswagen sind auf dem chinesischen Markt vielen Konkurrenzprodukten unterlegen. Die in Deutschland entwickelten Fahrzeuge bieten den Kunden in China zu wenig digitale Features und lassen auch beim autonomen Fahren zu wünschen übrig. Um in diesen Bereichen aufzuholen, gründet der Autohersteller ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Software- und Chipspezialisten Horizon Robotics. Der VW-Aufsichtsrat hat das Milliardeninvestment am Donnerstag freigegeben.

Das Joint Venture mit Horizon Robotics soll dabei helfen, in Sachen Software und Digitalisierung schnell wieder konkurrenzfähig zu werden. Der Konzern will mit seinem neuen chinesischen Partner auch in die gemeinsame Chipentwicklung einsteigen. Die Halbleiter sollen dann vor allem beim autonomen Fahren eingesetzt werden.

„Aus unserer Sicht ist Horizon Robotics einer der weltweit führenden Anbieter beim autonomen Fahren“, begründete VW-China-Vorstand Ralf Brandstätter die Wahl des Partnerunternehmens. Insgesamt will der VW-Konzern 2,4 Milliarden Euro in seine zusätzlichen Digitalisierungsanstrengungen in China investieren. Volkswagen verkauft etwa 40 Prozent seiner Jahresproduktion allein auf dem dortigen Automarkt.

Milliardeninvestment für Horizon

Rund 1,3 Milliarden Euro des Gesamtbetrags in Höhe von 2,4 Milliarden Euro steckt Volkswagen in das neue Joint Venture, das seine Geschäftstätigkeit voraussichtlich im nächsten Jahr aufnehmen wird. Der VW-Konzern will 60 Prozent der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen zeichnen. Mit dem restlichen Betrag beteiligt sich der Wolfsburger Autohersteller unmittelbar an Horizon Robotics.

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    Im vergangenen Jahr ist die Marke Volkswagen bei den Elektroautos aus der ID-Reihe deutlich hinter den eigenen Verkaufserwartungen zurückgeblieben. Gerade einmal 70.000 Stück wurden 2021 verkauft, angekündigt waren 100.000 verkaufte Fahrzeuge. Im September 2022 hat Volkswagen gerade einmal 16.000 Elektroautos absetzen können.

    Tesla läuft dem deutschen Wettbewerber in China den Rang ab: Im September hat der US-Hersteller in der Volksrepublik 83.000 E-Autos verkauft. Der immer stärker werdende chinesische Konkurrent BYD hat es im vergangenen Monat sogar auf rund 200.000 NEV („New Energy Vehicle“) gebracht. Tesla und die neuen chinesischen E-Auto-Hersteller sind in Sachen Digitalisierung deutlich weiter als der deutsche Konkurrent.

    Grafik

    Die Zusammenarbeit mit Horizon Robotics übernimmt die Cariad, die vor zwei Jahren gegründete Software-Einheit des VW-Konzerns. Der Wolfsburger Hersteller hatte schon vor einigen Monaten angekündigt, dass Cariad in der Volksrepublik von 600 auf mehr als 1200 Mitarbeiter aufgestockt werden soll. Der VW-Konzern hofft, dass allein schon mit diesem Schritt die speziellen Software-Wünsche chinesischer Kunden besser erfüllt werden können. Zusätzlich hatte die Cariad auch eine eigene chinesische Tochter gegründet.

    „Über die Cariad stehen wir in dem Joint Venture selbst auf dem Platz. Wir verstehen das Design von Halbleitern dadurch besser und können die eigene Wertschöpfung stärken“, ergänzte VW-Konzernvorstand Brandstätter. China sei schon heute einer der wichtigsten Märkte bei der Entwicklung intelligenter digitalisierter Fahrzeuge.

    Eigene Chipentwicklung

    Im Joint Venture will Volkswagen Chips nach eigenen Bedürfnissen entwickeln. Die Halbleiter sind dabei als mehr oder minder unmittelbare Hilfe gedacht. Sie werden in Autos der MEB-Plattform mit der Software der Ausbaustufe 1.1 eingesetzt, also in die ID-Reihe von Volkswagen. Genau diese ist in China alles andere als wettbewerbsfähig. Mit Horizon Robotics will VW seine ID-Fahrzeuge auf Augenhöhe zu chinesischen Konkurrenten wie BYD, Nio und Great Wall Motor bringen, die den Wolfsburgern in Sachen Auto-Software enteilt sind.

    Aktuell gibt es keine Pläne des Konzerns, dass die künftig gemeinsam mit Horizon Robotics entwickelten digitalen Lösungen auch außerhalb der Volksrepublik verwendet werden. „Wir konzentrieren uns auf Lösungen aus China für China“, betonte Brandstätter. Die zusätzlichen Entwicklungskosten nimmt Volkswagen bewusst in Kauf.

    Denn mit eigenen technologischen Lösungen für China kommt der Konzern dort nicht nur den Kunden entgegen. Volkswagen stellt sich damit auch auf regulatorische Unterschiede zwischen China und den westlichen Ländern ein. VW- und Porsche-Vorstandschef Oliver Blume hatte schon in der vergangenen Woche im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt, dass sich das Unternehmen auf eine geteilte Welt vorbereite.

    „Bei den Infotainment-Systemen gestalten wir eigene westliche und chinesische Ökosysteme aus, jeweils mit Softwarepartnern aus den Regionen. Im Westen sind das beispielsweise Apple und Google, in China die großen chinesischen Techplayer“, so der Konzernchef.

    Blume will anders als Vorgänger Diess bei der Software-Entwicklung mehr auf Partner setzen. Das Joint Venture mit Horizon Robotics allerdings ist kein Teil dieser Strategie. Volkswagen hatte in dem Fall keine andere Wahl, als ein Joint Venture mit einem heimischen Technologieunternehmen zu schließen. Chinas restriktive Datenpolitik verlangt eine national verortete Entwicklung. So dürfen Kameradaten für die Entwicklung von Algorithmen für das automatisierte Fahren das Land nicht verlassen.

    Volkswagen sichert sich ab

    Mit eigenen, praktisch autarken chinesischen Lösungen stellt sich Volkswagen auch darauf ein, dass sich das politische Klima zwischen dem Westen und China weiter verschlechtert und die Regionen deshalb unterschiedliche Wege gehen. „Die Investition in Horizon ist jetzt vor allem aus technologischen Gründen getroffen worden. Aber natürlich könnte es zukünftig auch auf anderen Ebenen hilfreich sein, dass man auf lokale Lösungen zurückgreift“, deutete Brandstätter an.

    Unter Investoren stößt die neue chinesische Beteiligung von Volkswagen auf Zustimmung. „Es ist positiv, dass der Konzern verstärkt auf Partnerschaften setzt und nicht alles komplett allein machen will“, meinte UBS-Autoanalyst Patrick Hummel. Mit einem Partner wie Horizon komme VW schneller und kostengünstiger voran. Die VW-Aktie gehörte am Donnerstag zu den Gewinnern und legte bis zum frühen Nachmittag um fast zwei Prozent zu.

    Volkswagen hatte in China nicht nur mit Horizon, sondern auch mit anderen möglichen Partnern aus der Software-Branche gesprochen. Im Februar waren Verhandlungen des VW-Konzerns mit Huawei bekannt geworden. Im Sommer hatte die chinesische Volkswagen-Landesgesellschaft den Chefstrategen von Huawei abgeworben.

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