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21.10.2021

11:36

Elektrokonzern

Chipkrise und knappe Arbeitsmärkte: ABB kassiert seine Umsatzprognose

Von: Jakob Blume

Der Schweizer Elektrokonzern kann unter anderem wegen des Chipmangels Kunden nicht beliefern. ABB kappt daher den erst im Juli angehobenen Ausblick.

Der Auftragseingang des Siemens-Rivalen kletterte im Sommerquartal um 29 Prozent auf 7,87 Milliarden Dollar. dpa

ABB in Zürich

Der Auftragseingang des Siemens-Rivalen kletterte im Sommerquartal um 29 Prozent auf 7,87 Milliarden Dollar.

Zürich Lieferengpässe zwingen den Elektrotechnikkonzern ABB, den erst im Juli angehobenen Ausblick wieder zu kappen. Das Schweizer Unternehmen peilt nunmehr im Gesamtjahr ein um Wechselkurseinflüsse sowie Käufe und Verkäufe von Geschäftsbereichen bereinigtes Umsatzplus von sechs bis acht Prozent anstatt wie bisher von knapp unter zehn Prozent an.

Wie ABB am Donnerstag mitteilte, können Kunden nicht beliefert werden, weil es an Halbleitern mangelt. Darüber hinaus gebe es in der gesamten Lieferkette Ungleichgewichte, die in den Geschäftsbereichen Elektrifizierung und Robotik und Fertigungsautomation besonders spürbar seien. Auch der knappe Arbeitsmarkt in den USA macht dem Konzern wie der gesamten US-Industrie zu schaffen. ABB-Chef Björn Rosengren sagte: „Die Knappheit der Lieferketten geht über einzelne Komponenten hinaus. Sie trifft uns stärker, als wir erwartet haben.“ Im Verlauf des Vormittags sank die Aktie um mehr als fünf Prozent.

Rosengren stellte die ABB-Aktionäre auf schwierige Wochen ein: „Die Rohstoffpreise sind eine kurzfristige Belastung.“ Er gehe davon aus, dass sich die Lage erst im Laufe des kommenden Jahres wieder entspanne. ABB tue alles, um trotz knapper Ressourcen die Kunden zu beliefern. So ändere der Konzern das Design mancher Produkte oder ersetze Bauteile und Rohstoffe durch am Markt verfügbare Alternativen.

Hinzu kommt, dass es in den USA an Fabrikarbeitern mangelt und dort auch die Löhne steigen. Für Rosengren ist das eine Folge der Pandemiebekämpfung: „Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ist in einigen Regionen ein Problem. Die Menschen wurden dafür bezahlt, zu Hause zu bleiben.“

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    Der Auftragseingang des Siemens-Rivalen kletterte im Sommerquartal um 29 Prozent auf 7,87 Milliarden Dollar. Das Umsatzwachstum hinkte mit einem Plus von sieben Prozent deutlich hinterher. „Angesichts der angespannten Lieferketten ist jedoch davon auszugehen, dass Kunden in gewissem Umfang Bestellungen aufgeben, um sich zukünftige Lieferungen zu sichern“, warnte Rosengren.

    Starke Nachfrage bei ABB

    Dennoch: Über mangelnde Nachfrage kann sich der schweizerisch-schwedische Konzern nicht beklagen.

    ABB verfügt über ein Auftragsbuch im Umfang von 16 Milliarden Dollar, das entspricht einem Plus von 2,1 Milliarden gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Konzern kann die Orders gar nicht in dem Tempo abarbeiten, in dem sie eintreffen. Auch von Stornierungen sei bislang kaum etwas zu sehen, sagte Rosengren. Das zeige zumindest, dass die Konkurrenz ebenfalls von den Lieferengpässen betroffen sei.

    Der Nettogewinn sackte zwar auf 652 Millionen Dollar ab. Der Vorjahreswert von 4,5 Milliarden Dollar wurde allerdings durch den Erlös aus dem Verkauf des Stromnetzgeschäfts an die japanische Hitachi aufgebläht. Analysten hatten laut einer Umfrage von ABB selbst mit einem Überschuss von 666 Millionen Dollar gerechnet.

    Die operative Rendite legte indes kräftig zu und übertraf mit 15,1 Prozent die eigentlich erst für 2023 angepeilte Marke von 15 Prozent. „Damit haben wir in unserer Bilanz reichlich Spielraum sowohl für organisches Wachstum und Akquisitionen als auch für Ausschüttungen an unsere Aktionäre“, erklärte Rosengren.

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