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14.11.2018

16:17

Elektromobilität

Nur schauen, nicht fahren – die Premiere des Model 3 in den deutschen Tesla-Stores

Von: Michael Verfürden

Das Model 3 von Tesla wurde öfter vorbestellt als jedes andere Auto. Nun steht das Modell erstmals in den europäischen Tesla-Stores. Ein Ortsbesuch.

Kai Kassen lässt sich die Funktionen des Teslas erklären. Foto: Michael Verfürden

Model 3

Kai Kassen lässt sich die Funktionen des Teslas erklären. Foto: Michael Verfürden

DüsseldorfKai Kassen drückt seine Nase an einer Scheibe platt. Der Mann mit dem graumelierten Haar und der blauen Funktionsjacke arbeitet als Schichtleiter in einer Raffinerie in der Nähe von Münster. Heute hat er sich aber extra den Wecker gestellt, um vor der Arbeit nach Düsseldorf zu fahren. Kassen steht vor dem Tesla-Store und wartet darauf, dass die Mitarbeiter die Türen öffnen. Denn der Autobauer präsentiert am Mittwoch seine Elektrolimousine Model 3 – zum ersten Mal in Europa.

Um zehn Uhr schließen die Tesla-Mitarbeiter dann endlich auf. Nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in München und anderen ausgewählten europäischen Städten. Während auf Twitter Fotos kursieren, die eine Menschentraube vor dem Züricher Tesla-Store zeigen, hält sich der Andrang in Düsseldorf in Grenzen. Unweit des Nobel-Kaufhauses Breuninger und der noblen Kö ist die Zahl der interessierten Kunden überschaubar. Eine Schlange steht um kurz vor zehn nur vor dem Apple-Store direkt nebenan.

Kassen ist einer der ersten Kunden, die den Laden betreten. Eine Frau drückt ihm einen Tesla-Sticker in die Hand. Dann führt ihn ein anderer Mitarbeiter zum Model 3. Die Kunden dürfen sich am Mittwoch in das Auto setzen – aber auch nicht mehr. Probefahrten sind nicht gestattet. Zudem ist noch immer unklar, wann und zu welchem Preis der Wagen offiziell in Deutschland verkauft wird. Kassen ist das egal: „Ich habe nicht erwartet, dass heute Geheimnisse gelüftet werden. Für mich geht es darum, das Auto mal zu erleben.“

Das Elektroauto von Tesla steht in einem Ausstellungsraum in Düsseldorf. dpa

Model 3

Das Elektroauto von Tesla steht in einem Ausstellungsraum in Düsseldorf.

Kassen hat lange auf diesen Moment gewartet. Interessenten können sich das Model 3 schon seit April 2016 reservieren. Er hat gleich am ersten Tag zugeschlagen. Nun inspiziert er erstmals das Auto, für das er vor fast 1.000 Tagen 1.000 Euro angezahlt hat. Langsam schreitet er um den Wagen, streichelt über die Motorhaube und geht in die Knie, um die Scheinwerfer zu begutachten.

Das Model 3 sieht auf den ersten Blick aus wie eine geschrumpfte Version des Erfolgsmodells Model S. Während letzteres in den USA mehr als 100.000 US-Dollar kostet, soll das Model 3 in der Basisausstattung schon ab 35.000 US-Dollar erhältlich sein. Doch selbst in den USA ist Tesla von diesem Preis noch deutlich entfernt. Auch in Europa dürfte das Auto deutlich teurer werden.

Doch das Ziel ist klar: Tesla will mit dem Wagen als erster Hersteller den Massenmarkt für Elektroautos bedienen. Das Model 3 soll der Volks-Tesla werden. In den USA ist das schon gelungen. Schon in den ersten Verkaufswochen hat es der kleinste Tesla als erstes Elektroauto in die Rangliste der meistverkauften Automodelle der USA geschafft – und steht vor der Mercedes C-Klasse.

So sieht der Tesla-Wagen von innen aus. dpa

Model 3

So sieht der Tesla-Wagen von innen aus.

Der Produktionsstart war überschattet von einer Pannenserie. Tesla kämpfte monatelang mit Anlaufproblemen. Die angepeilte Marke von 5.000 Fahrzeugen pro Woche hat der Autobauer erst ein halbes Jahr später als geplant im Sommer erreicht. Das belastete die Kapitaldecke des Unternehmens. Das Model 3 entwickelte sich zur Wutprobe für Kunden und Aktionäre. Viele stornierten ihre Bestellung.

Inzwischen hat Tesla-Chef Elon Musk die Probleme in den Griff bekommen. Das Model 3 hat erst Anfang November den Nissan Leaf als meistverkauftes Elektroauto der Welt abgelöst.

Der Anschluss in der Garage ist da – das Auto nicht

Während Kassen noch das Model 3 begutachtet, füllt sich der Düsseldorfer Tesla-Store. Eine Frau fotografiert mit ihrem Smartphone, wie ein Mitarbeiter den schwarzen Lack mit einem Staubwedel abwischt. Zwei Männer fachsimpeln über die unterschiedlichen Tesla-Modelle.

Kassen hat sowohl das Model S als auch das Model X schon als Mietwagen gefahren. „Die wären mir zu klobig. Deshalb habe ich mich für das Model 3 entschieden“, sagt der Mann aus Nottuln. Kassen hat schon Stromkabel verlegt und Steckdosen angebracht, um die Garage für sein zukünftiges Auto vorzubereiten. Und das, obwohl er gar nicht weiß, wann er den Wagen endlich bekommen wird.

Tesla hat Ende September 5.300 Model 3 in der Woche produziert und in den drei Monaten zuvor 56.065 Stück ausgeliefert. Trotzdem warten noch viele Vorbesteller auf ihr Auto. Insgesamt hatten mehr als 500.000 Menschen ein Model 3 reserviert – die erfolgreichste Premiere in der Geschichte der Autoindustrie. Wie viele es in Deutschland waren und wie viele Vorbesteller weltweit noch auf einen Wagen warten, verrät Tesla nicht.

Das Model soll Tesla zum Massenhersteller machen. dpa

Tesla stellt Modell 3 in Europa vor

Das Model soll Tesla zum Massenhersteller machen.

Ein kleines Geheimnis lüftet das Unternehmen an diesem Tag aber doch. Anders als bislang sollen die Modelle des Elektropioniers auch mit dem in Europa gängigen CCS-Anschluss ausgerüstet werden. Mit dem können sie auch an Ladestationen Strom tanken, die nicht zum firmeneigenen Supercharger-Netzwerk gehören. Eine Lösung, die Tesla massentauglicher machen soll.

Zuletzt machte sich der Erfolg des Einstiegsmodelles erstmals auch finanziell bemerkbar. Dank der starken Nachfrage nach dem Model hat das Unternehmen erstmals seit zwei Jahren ein Quartal mit schwarzen Zahlen beendet. Die Aktie befindet sich im Höhenflug. Der Börsenwert von Tesla ist alleine im Oktober um 38,5 Prozent gestiegen. Das US-Unternehmen war damit erstmals mehr wert als BMW. In den USA ist Tesla ohnehin der wertvollste Autohersteller – noch vor General Motors, Ford und Fiat-Chrysler.

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Das Highlight der Präsentation im Düsseldorfer Tesla-Store: der Moment, wenn sich die Kunden zu viert in das Auto setzen dürfen. Kassen schnappt sich den Platz hinter dem Steuer. Während eine Mitarbeiterin auf dem Beifahrersitz über die Technik im Auto spricht, stellt Kassen den Sitz auf seine Größe ein. Er dreht erst am Lenkrad, dann gleiten seine Finger über den 15-Zoll-Bedienungsbildschirm, der den Innenraum des Wagens dominiert. Fünf Minuten hat er, dann darf die nächste Gruppe einsteigen.

Kassen lächelt, obwohl er nur so wenig Zeit mit dem Auto hatte. Er selbst spricht vom „Tesla-Smile“. Dann schaut er auf seine Uhr. Noch hat er Zeit, bevor er zurück Richtung Münster muss. Kassen verabschiedet sich. Dann stellt er sich an, um sich ein zweites Mal in das Auto setzen zu dürfen.

Kommentare (3)

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Herr Hans Henseler

14.11.2018, 16:48 Uhr

56500 Autos in 3 Monaten - also gut 200.000 im Jahr weltweit. Das sind 2 % von dem was
VW, GM und Toyota jeweils alleine verkaufen und dann gibt es noch andere Marken wie
PSA, Renault-Nissan etc. Und Gewinne? Also ich sehe vorlaeufig keine Bedrohung.

Herr Andre Peter

14.11.2018, 17:09 Uhr

Nächstes Jahr werden alle führenden Hersteller e-Autos auf den Markt bringen zu vernünftigen Preisen - und tesla das Fürchten lernen.
Macht Tesloa Gewinn? Nein!

Herr Holg Amann

15.11.2018, 09:03 Uhr

Aus meiner Sicht unterschätzen wir in Deutschland Tesla und Musk massiv.

- Das Model 3 wurde in den USA bereits zu einem großen Verkaufsschlager und lässt 3er BMWs, Audis, Mercedes weit hinter sich.
- Die Batterie-Gigafactory arbeitet jetzt gewinnbringend, die Lektionen zur Massenfertigung sind gelernt. Das Konzept kann global ausgerollt werden.
- Gleichzeitig werden die Batterien immer weiter verbessert (höhere Energiedichte, weniger Kobalt-Anteil)
- Die Tesla Batterien finden auch bei großen Energieversorgern Einsatz.
- Das Tesla Superchargernetzwerk ist in den wichtigen Märkten dicht und absolut verlässlich
- Die Vorstellungen vom Tesla Roadster und Semi sind bahnbrechend!
- Tesla baut die erste eigene Autofabrik eines westlichen Herstellers in China.
- Auto/Batteriefabrik wird wohl bald für Europa angekündigt werden. Dann werden die Teslas hier deutlich günstiger.

Musks-Marketing Strahlkraft wird durch Raketen, Mondflug, Starman, Marsprogramm, Tunnelprogramm, Hyperloop etc. weiter wachsen. Was haben hier deutsche Automarken entgegenzusetzen?

Ich sehe einzig bei VW/Porsche, dass man endlich verstanden hat stark in E-mobilität zu investieren. Es wird höchste Zeit! Das Zeitalter der Verbrennungsmotoren ist vorbei, wir haben es nur noch nicht bemerkt.

Leider schreiben unsere Medien seit Monaten nur über Eskapaden von Musk, Flammenwerfern oder Teslaquilla. Die wahnsinnige Leistung Musks wollen wir nicht erkennen und nicht darüber schreiben. Sie ist leider beispiellos.

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