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13.09.2022

15:12

Elektromobilität

„Stärkster Elektro-Transporter der Welt“: E-Works rüstet gebrauchte Kastenwagen für das Elektrozeitalter um

Von: Axel Höpner

Das Start-up fokussiert sich bislang auf die Elektrifizierung von Diesel-Beständen, plant aber eigene Neufahrzeuge. Doch die große Industriekonkurrenz schläft nicht.

Mit der Umrüstung gebrauchter Transporter will E-Works stark wachsen. E-Works Mobility

Modell „Heero“

Mit der Umrüstung gebrauchter Transporter will E-Works stark wachsen.

München Der Wandel zur Elektromobilität ist vor dem Hintergrund hoher Öl- und Gaspreise und des Kampfs gegen den Klimawandel inzwischen auch bei Nutzfahrzeugen angekommen. „Die Entwicklung ist im Vergleich zu den Pkws ein paar Jahre verzögert“, sagt Dominik Ashkar, Gründer des Start-ups E-Works Mobility.

Das Unternehmen hofft, eine Art Tesla für das Transporter-Segment zu werden. Das Unternehmen hat nach eigener Einschätzung mit dem Modell Heero den bislang stärksten Elektrotransporter der Welt entwickelt. Die Reichweite des 245-PS-Fahrzeugs auf Basis des Mercedes Sprinters sei mit bis zu 400 Kilometern doppelt so hoch wie die der Konkurrenzmodelle.

Das Unternehmen will die Mobilitätswende im Transporter-Segment entscheidend mitgestalten, heißt es. Derzeit rüstet E-Works Mobility vor allem gebrauchte Sprinter um. Der Umbau eines vorhandenen Transporters kostet 70.000 Euro, muss auch ein Gebrauchtfahrzeug besorgt werden sind es 100.000 Euro. Laut Ashkar liegen bereits 1000 Anfragen für die nächsten beiden Jahre vor, 2023 dürfte das Unternehmen zweistellige Millionenumsätze erzielen. „Mittelfristig streben wir dann dreistellige Millionenumsätze an“, sagt der Gründer.

Laut einer Studie der europäischen Organisation Transport & Environment (T&E) ist der Einsatz von E-Transportern in Deutschland schon heute pro Kilometer durchschnittlich 28 Prozent preiswerter. „Aber es sind einfach nicht genug E-Transporter verfügbar“, sagt James Nix von T&E.

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    Hier sieht E-Works seine Chance. Aktuelle Modellangebote der Konkurrenz seien eher etwas für den innerstädtischen Bereich, zum Beispiel für die Auslieferung von Paketen, sagt Ashkar. Es fehlten Fahrzeuge, die so komfortabel wie ein Diesel seien und ein paar Hundert Kilometer auf der Autobahn fahren können. Da Transporter oft lange im Einsatz seien, lohne sich auch der nachträgliche Umbau.

    Ab etwa 2028 will E-Works Mobility ein weitgehend eigenes Modell auf den Markt bringen. Zudem will es Gewerbekunden umfassende Lösungen anbieten, von den Fahrzeugen bis zum gesamten Energieökosystem. „Wir sehen uns vor allem als Softwarefirma“, sagt Ashkar.

    In der Branche wird der Ansatz des Start-ups sowohl mit Interesse als auch einer gewissen Skepsis verfolgt. Man müsse abwarten, wie viele Käufer bereit seien, insgesamt 100.000 Euro für einen Gebrauchttransporter mit neuem Elektroantrieb zu zahlen, sagt ein Insider. Auch sei es zumindest eine große Herausforderung, in den nächsten Jahren ein eigenes Komplettmodell zu entwickeln. Doch neue Impulse täten der Branche gut.

    Kein direkter Konkurrenzkampf mit Mercedes

    Das Marktsegment ist attraktiv. Laut einer Studie von Bloomberg NEF könnten Elektrotransporter in Europa bis 2035 einen Anteil von 83 Prozent an den Neuzulassungen haben. Bei einer Verschärfung der CO2-Ziele könnte der Markt sogar komplett umsteigen. Aktuell gibt es für gewerbliche Fahrzeuge etwa noch Ausnahmeregelungen für innerstädtische Umweltzonen.

    Darauf haben natürlich längst auch die großen Anbieter reagiert. Der Transporter-Markt wird stark von Mercedes geprägt. Den Sprinter gibt es seit zwei Jahren in einer Elektroversion mit einer Reichweite von bis zu 158 Kilometern, die zum Beispiel vom Paketdienst DPD eingesetzt wird. Im zweiten Halbjahr 2023 startet die Produktion der neuen Generation. Diese soll, je nach Konfiguration, eine mehr als doppelt so große Reichweite haben.

    Der Geschäftsführer bei E-Works Mobility E-Works rüstetet Mercedes Sprinter für das Elektrozeitalter um E-Works Mobility

    Dominik Ashkar

    Der Geschäftsführer bei E-Works Mobility E-Works rüstetet Mercedes Sprinter für das Elektrozeitalter um

    Auch der kleinere eVito stößt auf gute Nachfrage. „Wir haben ein klares Ziel, wir wollen langfristig führender Hersteller im Bereich der elektrischen Transporter sein“, sagte Mathias Geisen, Leiter von Mercedes-Benz Vans.

    Laut Ashkar ist das Verhältnis zu Mercedes gut. Da E-Works Mobility derzeit vor allem Gebrauchtfahrzeuge umrüste und sich an Kunden mit Bestandsflotten und individuellen Wünschen wende, komme man sich nicht stark in die Quere. „Zudem geht es derzeit vor allem um Verfügbarkeit“, sagt der Gründer. Die Nachfrage reicht für viele Anbieter – die Herausforderung ist es, sie zu bedienen.

    Experte: Umrüstung von Bestandsflotten ist wichtig für Klimawende

    Ashkar hat die Firma vor fünf Jahren gegründet. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium hatte er als Technikermeister Werkstätten geleitet. „Ich habe gesehen, wie wenig nachhaltig in der Branche mit den Ressourcen umgegangen wird“, sagt er. Gerade im Transporter-Bereich mit den hohen Spritverbräuchen sei der Handlungsbedarf groß gewesen.

    Einen Vorsprung beansprucht das Unternehmen sowohl beim Antrieb als auch der Batterie. „Unsere patentierte Batterieform nutzt den gesamten Unterboden aus und kommt so mit einem einzigen Pack aus“, so Ashkar. Die Antriebstechnik für den Heero entstand in Ismaning bei München. Auch die Software ist selbst entwickelt.

    Mit dem Umrüsten der Transporter geht E-Works Mobility einen ähnlichen Weg wie das Start-up Pepper Motion, das größere Nutzfahrzeuge nachträglich auf Elektroantrieb umstellt. „Wir wollen in den nächsten Jahren Zehntausende Lastwagen und Busse umrüsten“, sagte Geschäftsführer Andreas Hager dem Handelsblatt. Es werde nur gelingen, die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen, wenn man auch die Bestandsfahrzeuge elektrifiziere. Denn ein Bus mit Dieselmotor, der heute neu zugelassen werde, werde auch im Jahr 2050 noch fahren.

    Bei den Betreibern von Flotten hat daher ein Bewusstseinswandel stattgefunden. „Der Diesel wird allmählich zum Auslaufmodell, da sein CO2-Ausstoß die Klimabilanz der Kundschaft belastet“, sagt Jörg Gnamm, Partner bei Bain. Wer in puncto E- und Wasserstofffahrzeugen nicht bald über eine umfassende Modellpalette verfüge, müsse sich darauf einstellen, Marktanteile zu verlieren.

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