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01.11.2022

13:58

Elektromobilität

Volkswagen verkauft Carsharing-Tochter Weshare

Von: Stefan Menzel

Mit Weshare und Elektroautos wollte Volkswagen zum großen Carsharing-Anbieter werden. Jetzt geben die Wolfsburger die unprofitable Tochter an Miles Mobility ab.

VW-Sharingtochter WeShare will in weitere Städte expandieren dpa

Weshare

Die VW-Tochter musste ihre Expansionspläne früh zurücknehmen.

Düsseldorf Volkswagen verkauft seinen Carsharing-Anbieter Weshare. Das teilte der Wolfsburger Konzern am Dienstag mit. Käufer ist das herstellerunabhängige Carsharing-Unternehmen Miles Mobility. Zu den finanziellen Details machten beide Seiten keine Angaben.

Einen allzu hohen Verkaufspreis dürfte Volkswagen mit seinem Sharing-Anbieter nicht erzielt haben. Die VW-Tochter schreibt rote Zahlen. Mit dem Verkauf folgt der VW-Konzern Mercedes und BMW, die bereits im Frühjahr ihren Carsharing-Anbieter Share Now an den Stellantis-Konzern verkauft hatten.

Volkswagen hatte Weshare vor drei Jahren gegründet und war damit deutlich später als viele andere Autohersteller in das Carsharing-Geschäft eingestiegen. Weshare hat von Anfang an nur Elektromodelle von Volkswagen und keine Verbrennerfahrzeuge angeboten. Diese Sonderstellung im Angebot sollte den späten Markteinstieg ausgleichen.

Volkswagen-Tochter Weshare verdient kein Geld

Doch auch mit dieser Strategie hat es Volkswagen nicht geschafft, seinen eigenen Carsharing-Dienst zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen zu machen. „Weshare verdient heute kein Geld“, sagte Christian Dahlheim, Vorstandschef von VW Financial Services (VWFS), der konzerneigenen Finanz- und Leasingsparte, in der auch die Mobilitätsdienste von Volkswagen gebündelt sind. Und er fügt hinzu: „Mit gemischten Flotten ist man profitabler, das haben wir gelernt.“

Nach der Gründung von Weshare 2019 wollte der Konzern mit dem Angebot auch in europäischen Hauptstädten wie Prag, Budapest, Madrid und Paris vertreten sein. Doch diese Expansionsziele wurden schon frühzeitig zusammengestrichen.

Heute ist Weshare lediglich in den beiden größten deutschen Städten mit zusammen 2000 vollelektrisch angetriebenen Fahrzeugen im Carsharing-Geschäft vertreten: Berlin ist Gründungsstandort, Hamburg als einzige Ausweitung später dazugekommen.

Käufer von Weshare ist der Berliner Carsharing-Anbieter Miles Mobility, der vor sechs Jahren als Start-up gegründet worden war. Die Berliner gehören zusammen mit Share Now und Sixt zu den drei größten Carsharing-Anbietern in Deutschland. Seit Kurzem bietet Miles Carsharing nicht nur in acht deutschen Städten, sondern auch in den belgischen Städten Brüssel und Gent an. Mit den Autos von Weshare wird Miles das Elektroangebot deutlich ausbauen.

Miles Mobility hat die Gewinnzone erreicht

Mit Miles Mobility als neuem Eigentümer stehen die Chancen auf einen profitablen Betrieb der Weshare-Flotte besser. „Wir sind seit 2021 profitabel“, sagte Miles-Mobility-CEO Oliver Mackprang vor Journalisten. Sein Unternehmen konzentriere sich weiterhin auf den deutschen Markt. Im Ausland werde Miles nur vorsichtig expandieren. „Volkswagen muss damit die Expansionskosten für Weshare nicht mehr selbst tragen und verlagert diese Aufgabe auf Miles Mobility“, hieß es dazu ergänzend in Wolfsburger Konzernkreisen.

Von den etwa 9000 Miles-Fahrzeugen kommen bereits 70 Prozent aus dem VW-Konzern. Die beiden Unternehmen wollen auch in Zukunft eng zusammenarbeiten. Der VW-Konzern kündigte an, dass er dem Carsharing-Anbieter vom nächsten Jahr an mehr als 10.000 vollelektrische Fahrzeuge bereitstellen wolle. Miles werde E-Autos der Marken Volkswagen, Audi und Seat/Cupra beziehen.

Über seine neue Konzerntochter Europcar arbeitet Volkswagen zudem an einem App-Angebot, in dem künftig sämtliche Mobilitätsangebote des Konzerns wie Mietwagen, Carsharing oder Auto-Abonnements zusammengefasst angeboten werden sollen. VWFS-Vorstandschef Dahlheim kündigte an, dass in dieser App auch Miles mit der bisherigen Weshare-Flotte vertreten sein werde.

Mit dem gemeinsamen Mobilitätsangebot Free Now verfolgen Mercedes und BMW eine ähnliche Strategie.

Nach Angaben Dahlheims gibt es bei Volkswagen allerdings keine Pläne, sich an Miles Mobility zu beteiligen. „Man muss nicht an jedem Partner beteiligt sein“, sagte der VWFS-Chef. Nach seinen Aussagen steht hinter dem Verkauf von Weshare auch keine Änderung der Strategie. Volkswagen habe schon seit 2020 betont, dass der Konzern im Bereich der Mobilitätsdienste nicht jede Aufgabe komplett selbst übernehmen müsse. Gerade im Bereich des Carsharings biete sich die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern an.

Verschiedene Partner für Carsharing

Komplett eigene Angebote im Bereich des Carsharings will Volkswagen derweil nicht ausschließen. Der Konzern könne trotz des Verkaufs von Weshare durchaus in diesem Bereich als eigenständiger Anbieter auftreten, so Dahlheim. „Das würden wir dann mit Europcar machen. Ein solcher Plan steht im Moment allerdings nicht an erster Stelle“, sagte er.

In Zukunft könnte ein Modell entstehen, bei dem VW Carsharing in einigen Städten über die eigene Tochter Europcar anbiete, in anderen Städten über Partner wie Miles Mobility. Für den Kunden gebe es keinen echten Unterschied, weil das Angebot über die App überall einheitlich präsentiert werde.

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