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10.12.2021

04:03

Energiekostenvergleich

Steigende Energiekosten: Rentiert sich ein E-Auto?

Von: Catiana Krapp

Wie teuer Sprit im Vergleich zu Strom ist, kann jeder an der Tankstelle sehen. Doch auch die Strompreise steigen – lohnt sich ein E-Auto trotzdem?

So finden Sie heraus, ob Sie mit dem E-Auto günstiger fahren

Strom laden statt Sprit tanken

Die Kosten für eine Fahrt mit dem E-Auto hängen von zahlreichen Faktoren ab.

Düsseldorf Wer dieser Tage zur Zapfsäule fährt, dem dürfte nicht nur auffallen, dass die Spritpreise wieder ein wenig gesunken sind – sondern auch, wie günstig Autofahren womöglich sein könnte.

Nachzulesen ist das auf gelben Schildern, die laut Bundesregierung jetzt an jeder Tankstelle mit mehr als sechs Zapfsäulen hängen müssen. Der sogenannte Energiekostenvergleich zeigt, wie viel Pkw-Fahrer, abhängig vom Treibstoff, im Schnitt für 100 Kilometer Fahrt zahlen müssen.

In dem Vergleich, den das Wirtschaftsministerium für Dezember herausgegeben hat, kostet Super E10 den Besitzer eines Mittelklassewagens für 100 Kilometer im Schnitt 11,55 Euro, Diesel 7,82 Euro. Auffällig: Strom ist mit nur 4,84 Euro deutlich günstiger.

Die gelben Schilder müssen jetzt an jeder Tankstelle mit mehr als sechs Zapfsäulen hängen.

Hinweistafel des Bundeswirtschaftsministeriums

Die gelben Schilder müssen jetzt an jeder Tankstelle mit mehr als sechs Zapfsäulen hängen.

Ist jetzt also der Zeitpunkt, aufs E-Auto umzusteigen? Wie kommen die Werte auf den gelben Schildern zustande, und woher weiß der einzelne Fahrer, ob sie auch für ihn gelten? Tatsächlich hängen die Kosten für die Fahrt mit dem E-Auto schließlich von zahlreichen Faktoren ab, die es durchzudenken gilt. Ein Leitfaden.

1. Was verbraucht ein Elektroauto?

Wie viel ein E-Fahrzeug verbraucht, hängt wie beim Verbrenner von Größe, Gewicht, PS und Konstruktion ab – und natürlich von der Fahrweise der Insassen sowie der Außentemperatur. Vor allem durch die letzten beiden Faktoren können die tatsächlichen Werte erheblich von den offiziellen WLTP-Werten abweichen.

Der ADAC hat den Verbrauch von 35 gängigen E-Autos selbst getestet und miteinander verglichen. Dabei fuhr der Hyundai Ioniq mit 16,3 Kilowattstunden (kWh) auf 100 Kilometer am sparsamsten, der Polestar 2 Long Range Dual Motor verbrauchte mit 29,2 kWh am meisten Strom. Der VW ID.3 schaffte es mit 19,3 kWh auf Platz 13.

2. Was kostet eine Kilowattstunde Strom?

Das Bundeswirtschaftsministerium geht derzeit für den Energiekostenvergleich auf den gelben Zetteln von einem Preis von rund 28 Cent pro Kilowattstunde aus. Ähnlich wie beim Sprit hängen die tatsächlichen Kosten für den Strom aber erheblich davon ab, wo man lädt.

Ausschlaggebend ist beim Strom allerdings nicht nur der Standort, sondern auch die Art – genauer genommen die Leistung – der Ladesäule. „Langsame“ Säulen mit Wechselstrom und einer Leistung von elf oder 22 Kilowatt (kW) sind häufig günstiger als Gleichstrom-Schnelllader mit bis zu 360 kW.

Wie viel Geld ein Fahrer tatsächlich an der Ladesäule loswird, hängt aber vor allem davon ab, über welchen Anbieter er die Ladung bezahlt – also wessen App oder Ladekarte er benutzt. Ein und dieselbe Ladesäule kann in der „Shell Recharge“-App teurer sein als etwa in der App des Energiekonzerns EnBW.

Letzterer bietet beispielsweise eine Kilowattstunde Strom an einer langsamen Wechselstrom-Ladesäule für 45 Cent an. Das sind 60 Prozent mehr als der Preis, von dem das Ministerium ausgeht.

Wer an einer Gleichstrom-Ladesäule und somit schneller das Auto wieder vollladen möchte, muss mit der EnBW-App 55 Cent bezahlen. Und für Ladesäulen des Gemeinschaftsunternehmens Ionity, hinter dem mehrere große Autohersteller stehen, zahlen externe Kunden sogar 79 Cent.

Preiswerter (etwa 33 bis 39 Cent) ist das Laden zum Teil mit Tarifen, die sich beim Kauf einiger E-Autos direkt bei den Autobauern abschließen lassen, oder in Tarifen mit monatlicher Grundgebühr.

Am günstigsten ist in der Regel aber der Strom, der zu Hause aus der Steckdose oder Wallbox kommt. Er wird in der Regel genau so abgerechnet wie der restliche Haushaltsstrom auch. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegt der durchschnittliche Strompreis für Haushalte im Jahr 2021 bei rund 32 Cent, wenn sie 3500 kWh im Jahr verbrauchen – also etwa so viel wie ein Drei-Personen-Haushalt.

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Das ist immer noch höher als der Preis, den das Wirtschaftsministerium ermittelt hat. Immerhin haben aber einige Stromanbieter wie etwa Naturstrom oder Polarstern günstigere Spezial-Stromtarife für E-Auto-Besitzer.

3. Ein Rechenbeispiel

In einer Modellrechnung lassen sich beispielsweise die Fahrtkosten eines VW ID.3 mit denen eines VW Golf vergleichen. Wer mit dem Auto täglich 40 Kilometer zur Arbeit pendelt, legt in einem Monat mit 20 Arbeitstagen rund 1600 Kilometer zurück.

Der VW ID.3 verbraucht auf dieser Strecke – gerechnet mit dem obigen ADAC-Verbrauch – etwa 308 kWh. Besitzer, die ausschließlich zu Hause laden, zahlen bei einem Strompreis von 32 Cent pro kWh also rund 99 Euro. Wer ausschließlich an Autobahn-Schnellladern lädt, könnte für die gleiche Strecke hingegen auch rund 170 Euro ausgeben.

Ein dieselbetriebener VW Golf Plus 2.0 TDI verbraucht laut ADAC auf 100 Kilometern 5,5 Liter – also 88 Liter für 1600 Kilometer. Ende November hätte ein Fahrer laut ADAC im Schnitt 1,54 Euro pro Liter bezahlt, für einen ganzen Monat Pendeln also rund 136 Euro.

Bei der Benzinervariante VW Golf 1.5 eTSI gibt der ADAC einen Verbrauch von 5,7 Litern an, also rund 91 Liter für 1600 Kilometer. Bei einem Durchschnittspreis von 1,63 Euro pro Liter Super E10 Ende November entspricht das Kosten von rund 148 Euro.

4. Wie entwickeln sich die Energiepreise in Zukunft?

Der jüngste Preisrückgang bei Sprit hängt mit der Entwicklung am Rohölmarkt zusammen. Der ADAC schreibt: „Die Angst vor einer Verschärfung der Coronakrise führte dort zu einem regelrechten Kurssturz.“ Insgesamt seien die Kraftstoffpreise jedoch noch immer zu hoch, es böten sich Spielräume für einen weiteren Rückgang.

Dennoch warnt der ADAC vor einem Preissprung zum Jahreswechsel. Denn auch die CO2-Abgabe treibt die Kraftstoffpreise in die Höhe, und die steigt im kommenden Jahr wieder. Dann dürften Benzin und Diesel laut ADAC um 1,5 Cent teurer werden.

Noch deutlich stärker ins Gewicht fallen dürfte es, wenn die neue Regierung die aktuellen Dieselsubventionen abschafft. Im Koalitionsvertrag kündigt die Ampel zumindest an, klimaschädliche Subventionen abzubauen und die steuerliche Behandlung von Dieselfahrzeugen in der Kfz-Steuer zu überprüfen. Derzeit liegt die Energiesteuer für Benzin laut ADAC bei 65,45 Cent pro Liter, bei Diesel nur bei 47,04 Cent – ein Unterschied von 19 Cent.

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Auch bei Strompreisen ist das Bild differenziert: Die umstrittene EEG-Umlage, die in dem Beispiel des BDEW etwa ein Fünftel des Strompreises ausmacht, soll im kommenden Jahr erheblich sinken. Laut den Übertragungsnetzbetreibern schrumpft sie von 6,5 auf 3,723 Cent pro kWh.

Dennoch geht etwa das Vergleichsportal Stromauskunft.de davon aus, dass die Strompreise im Jahr 2022 weiter steigen werden. Denn auch die Beschaffungskosten der Anbieter am Strommarkt sind derzeit extrem hoch.

Immerhin: An den Ladesäulen dürften sich die Preiserhöhungen vorerst nicht bemerkbar machen – zumindest nicht für Nutzer der EnBW-App. Ein Sprecher des Unternehmens sagt: „Als großes Energieunternehmen verfolgen wir eine breit aufgestellte Beschaffungsstrategie. Das macht es uns möglich, die Preise stabil zu halten. Stand jetzt sind keine Preiserhöhungen geplant.“

Ob sich indes zumindest der Strompreis auf den offiziellen Energiekostenvergleichsschildern bei der nächsten Aktualisierung im kommenden März 2022 nach oben korrigieren könnte, will das Wirtschaftsministerium nicht kommentieren.

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