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29.10.2019

16:28

Flugzeugbauer

Airbus erhält Rekordauftrag aus Indien

Von: Jens Koenen

Der indische Billiganbieter IndiGo bestellt 300 Stück des A320. Damit eilen die Europäer dem angeschlagenen Rivalen Boeing immer stärker davon.

IndiGo: Airbus steht angeblich kurz vor Großauftrag aus Indien Reuters

Flugzeug von IndiGo

Die Airline hatte vergangene Woche den größten Quartalsverlust in der Firmengeschichte veröffentlicht.

Frankfurt Der Zeitpunkt ist geschickt gewählt. Einen Tag bevor Airbus seine Neunmonatszahlen präsentiert, meldet der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern einen Rekordauftrag. Der indische Billiganbieter IndiGo ordert 300 Flugzeuge der Familie A320neo. Neben der „normalen“ Kurz- und Mittelstreckenversion will IndiGo auch die für lange Strecken „gepimpte“ A321XLR haben.

Für Airbus-Chef Guillaume Faury ist das eine Nachricht, die er bei der Zahlenpräsentation am Mittwochmorgen gut gebrauchen kann. Denn seit Jahresbeginn stockte der Bestelleingang. Airbus konnte bis Ende September abzüglich der Stornierungen nur Orders für 127 Flugzeuge verzeichnen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 256 Jets.

Angesichts geopolitischer Krisen und der Wirtschaftsschwäche werden die Airlines vorsichtiger. Sie stornieren Aufträge, schieben die Auslieferungen nach hinten oder wechseln zu anderen Modellen, die flexibler einsetzbar sind.

Mit dem Auftrag von IndiGo rückt Airbus nun bei den Bestellungen wieder näher an den Vorjahreswert heran. 2018 hatte der Konzern netto – also abzüglich der Stornierungen – 747 Orders erhalten. Auch die US-Billigfluggesellschaft Spirit hat in Aussicht gestellt, 100 A320-Flugzeuge zu ordern. Wann dieser Auftrag festgemacht wird, ist zwar offen. Die Chancen sind aber gut, dass Airbus den Deal noch bis Jahresende verbuchen kann.

Der IndiGo-Auftrag ist einer der größten in der Geschichte von Airbus. Legt man den Listenpreis der Standardversion A320neo zugrunde, für die 110,6 Millionen US-Dollar aufgerufen werden, dürfte die Bestellung rechnerisch auf einen Wert von fast 30 Milliarden Euro kommen. Bezahlen wird IndiGo allerdings deutlich weniger, denn die Hersteller räumen hohe Rabatte ein.

Die Bestellung kommt etwas überraschend. Erst vor wenigen Tagen hatte IndiGo – ein treuer Airbus-Kunde – den größten Quartalsverlust in seiner noch recht jungen Geschichte gemeldet. Ein Minus von 150 Millionen US-Dollar steht in den Büchern, deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten. Zur Erklärung hatte Vorstandschef Ronojoy Dutta ausgerechnet auf Airbus verwiesen. Die Jets würden einfach zu spät geliefert.

IndiGo wächst rasant

Tatsächlich ist IndiGo aber auch ein Opfer des eigenen unbändigen Expansionswillens. Hier wird nun erst einmal gebremst. Im aktuellen Geschäftsjahr soll das Angebot nur noch um 25 statt um 30 Prozent wachsen. Das dürfte auch dem nachlassenden Schwung in Indiens Luftfahrtmarkt geschuldet sein. In den ersten drei Quartalen lag das Plus bei den Passagierzahlen nur bei drei Prozent, nach Wachstumsraten von bis zu 20 Prozent in den Jahren zuvor. Dennoch will IndiGo nicht von seinen Ambitionen lassen, wie die aktuelle Bestellung zeigt.

Dem Airbus-Rivalen Boeing dürfte die IndiGo-Order dagegen einmal mehr schmerzhaft vor Augen führen, wie sehr man sich selbst durch massive Fehler bei der Modernisierung der 737 – des A320-Konkurrenten – ins Aus manövriert hat. Die 737 Max ist nach zwei Abstürzen seit März aus dem Verkehr gezogen. Hauptursache ist eine fehlerhafte Softwaresteuerung. Wohl erst im kommenden Frühjahr wird sie wieder abheben dürfen.

Mittlerweile parken rund 300 Flugzeuge vom Typ 737 Max, die nicht ausgeliefert werden können. Erste Kunden haben ihre Bestellungen storniert. Die Folge: Boeing hat beim Ordereingang in den ersten drei Quartalen im Saldo ein Minus von 84 Flugzeugen zu verzeichnen. Bis Jahresende dürfte sich der Abstand zu Airbus weiter erhöhen. Denn auch beim Erfolgsmodell Dreamliner läuft es gerade schleppend. Die Liste der zu fertigenden Langstreckenflugzeuge schrumpft, da neue Bestellungen ausbleiben.

Kein Wunder also, dass das Management nun mit Macht gegensteuern will. Der seit mehreren Jahren in Aussicht gestellte kleinere Langstreckenjet – inoffiziell 797 getauft – dürfte wohl nicht kommen. Der Konzern scheint die Entwicklungskapazitäten stattdessen in die Entwicklung eines 737-Nachfolgers stecken zu wollen. Nach Informationen des Fachportals „The Air Current“ hat Boeing bereits Kontakt mit Fluggesellschaften und Leasingfirmen aufgenommen, um über ein neues kleineres Flugzeug (Future Small Airplane) zu sprechen – mit einer Kapazität von 180 bis 210 Sitzen.

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