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21.10.2022

10:49

Führungswechsel bei BASF

Diese Kandidaten gelten als Favoriten auf den Chefposten

Von: Siegfried Hofmann

Finanzchef Engel geht im kommenden Jahr, der Vertrag des CEO wird bis 2024 verlängert. Seine potenziellen Nachfolger müssen sich als Krisenmanager bewähren.

Die Managerin leitet aktuell das umfangreiche Geschäft der BASF mit Kunststoffen und Basisprodukten BASF SE

Saori Dubourg

Die Managerin leitet aktuell das umfangreiche Geschäft der BASF mit Kunststoffen und Basisprodukten

Frankfurt Der Chemiekonzern BASF bereitet den Generationswechsel im Vorstand vor – aber behutsam. So wurde der Vorstandsvertrag von Firmenchef Martin Brudermüller, 61, jetzt um ein Jahr bis zum Ablauf der Hauptversammlung 2024 verlängert, wie BASF am Donnerstag mitteilte. Wie geplant ausscheiden wird dagegen Finanzchef Hans-Ulrich Engel, 63, dessen Vertrag im Mai 2023 ausläuft. Seine Position soll Dirk Elvermann, 51, übernehmen.

Mit den Personalentscheidungen vermeidet das Dax-Unternehmen, dass in einer wirtschaftlich besonders heiklen Phase die beiden führenden und erfahrensten Vertreter im Vorstand auf einen Schlag ausscheiden. Brudermüller und Engel gehören dem BASF-Vorstand seit deutlich mehr als einem Jahrzehnt an.

Brudermüller rückte 2006 in das Gremium auf und ist seit 2018 Vorstandsvorsitzender. Engel ist seit 2008 Mitglied im Vorstand und seit 2018 dessen stellvertretender Vorsitzender. Dessen designierter Nachfolger Elvermann ist im Konzern ebenfalls etabliert: Er leitet seit 2019 den Bereich Corporate Finance und war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Wintershall Holding GmbH sowie Geschäftsführer der BASF in Polen.

BASF: Zwei Frauen und ein Mann zählen zu den Favoriten auf die CEO-Nachfolge

„Ich freue mich, dass Martin Brudermüller das Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten mit Umsicht und Tatkraft weiter führen wird“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Bock zur Vertragsverlängerung.

Als Brudermüllers Nachfolger kommen vor allem zwei Kandidaten in Betracht: Zum einen der 51-jährige Chemiker Markus Kamieth, der bisher im Vorstand für das Geschäft mit Dispersionen, Katalysatoren und Lacken zuständig ist und außerdem das wichtige Asiengeschäft leitet.

Der Aufsichtsrat hat den Vertrag mit dem Konzernchef um ein Jahr verlängert. dpa

Martin Brudermüller

Der Aufsichtsrat hat den Vertrag mit dem Konzernchef um ein Jahr verlängert.

Zum anderen die gelernte Betriebswirtin und Marketingexpertin Saori Dubourg. Die 51-Jährige leitet aktuell das umfangreiche Geschäft der BASF mit Kunststoffen und Basisprodukten und war zuvor unter anderem für die Agrosparte verantwortlich.

Der Chemiker ist bisher im BASF-Vorstand für das Geschäft mit Dispersionen, Katalysatoren und Lacken zuständig.

Markus Kamieth

Der Chemiker ist bisher im BASF-Vorstand für das Geschäft mit Dispersionen, Katalysatoren und Lacken zuständig.

Beide gehören dem Vorstand seit 2017 an, bringen insofern bereits einige Erfahrung im Topmanagement der BASF mit und wären theoretisch jung genug, den Konzern ab 2024 noch zehn Jahre zu führen.

Perspektiven für BASF trüben sich ein

Ein spezieller Zuständigkeitsbereich bringt darüber hinaus Forschungschefin Melanie Maas-Brunner, 54, ins Spiel. Sie ist im BASF-Vorstand auch für die großen europäischen Standorte des Konzerns zuständig. Damit spielt sie eine zentrale Rolle im Kampf gegen hohe Energiekosten und bei der Umstellung auf CO2-neutrale Herstellverfahren.

Die gelernte Chemikerin rückte allerdings erst 2021 in den BASF-Vorstand auf und bringt insofern vergleichsweise wenig Erfahrung auf dieser Führungsebene mit. Bis zur Entscheidung über Brudermüllers Nachfolge können sich jedoch alle Kandidaten noch bewähren.

Gelegenheiten dazu dürfte es reichlich geben – denn auf die BASF kommen schwierige Zeiten zu. So lief das operative Geschäft im ersten Halbjahr 2022 zwar solide. Stark steigende Energiepreise, mögliche Ausfälle in der Gasversorgung und eine drohende Rezession trüben jedoch die Perspektiven des Chemieriesen erheblich ein. Der Ausfall der russischen Gaslieferungen und die dadurch ausgelösten Kostensteigerungen könnten auf längerfristige Nachteile im globalen Wettbewerb hinauslaufen.

Steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie weitere Abschreibungen auf die Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea sorgten bereits im dritten Quartal für einen unerwartet starken Rückgang des Reingewinns. Dieser sank um mehr als ein Viertel von 1,25 Milliarden Euro auf 909 Millionen Euro.

Auch der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) sank kräftig, um 28 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Damit lag er aber noch leicht über den Markterwartungen. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiterhin nur einen Rückgang des operativen Gewinns um etwa ein Zehntel auf 6,8 bis 7,2 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr dürften die Erträge nach Erwartung der meisten Analysten weiter sinken.

Hinzu kommen strategische Herausforderungen wie die geplante Umstellung der Produktion auf klimaneutrale Verfahren und die wachsenden geopolitischen Spannungen im Verhältnis der westlichen Staaten zu China. Dort ist BASF derzeit stark investiert.

BASF-Aktie: Schwache Bewertung am Kapitalmarkt

Am Kapitalmarkt spiegeln sich Probleme bereits seit Längerem in einer schwachen Bewertung wider. Seit Jahresbeginn hat die BASF-Aktie rund ein Drittel an Wert verloren, gegenüber ihren Höchstkursen von 2017 sind es mehr als 50 Prozent.

In Reaktion auf die zusehends schwierigere Ertragssituation in Europa kündigte der Chemieriese vor wenigen Tagen bereits ein neues Kostensenkungsprogramm inklusive Stellenabbau im Volumen von 500 Millionen Euro an. Mehr als die Hälfte der Einsparungen sollen dabei im Hauptwerk Ludwigshafen realisiert werden. Weitere Kostensenkungsmaßnahmen an anderen europäischen Standorten sind für das erste Quartal 2023 geplant.

Nicht nur für Brudermüller, auch für seine potenziellen Nachfolger wird es daher in diesem und im kommenden Jahr stark darauf ankommen, wie sie sich als Krisenmanager bewähren. Denn es gilt als sehr wahrscheinlich, dass BASF bei der bisherigen Praxis bleibt, den Konzernchef aus amtierenden Vorstandsmitgliedern auszuwählen.

Erstpublikation am 20.10.22, um 16:54 Uhr.

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