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14.02.2023

15:06

Gautam Adani

Indiens Krisenkonzern bleibt trotz Gewinnsprung unter Druck

Von: Mathias Peer

Die größte Gesellschaft im angeschlagenen Imperium von Gautam Adani macht gute Geschäfte, vor allem im Kohlehandel. Von den ambitionierten Wachstumsplänen muss der Konzern aber offenbar abrücken.

Adani kontrolliert in dem Schwellenland den größten privaten Energieversorger. Reuters

Adani

Adani kontrolliert in dem Schwellenland den größten privaten Energieversorger.

Bangkok Der schwer angeschlagene indische Mischkonzern Adani kämpft um seine Zukunft: Nach einem Absturz des Börsenwerts um mehr als 120 Milliarden US-Dollar infolge von Betrugsvorwürfen hofft die mächtige Unternehmensgruppe, die in dem Schwellenland unter anderem Häfen, Flughäfen, Straßen und den größten privaten Energieversorger kontrolliert, mit positiven Geschäftszahlen Vertrauen zurückzugewinnen – und schraubt offenbar ihre ambitionierten Wachstumspläne kräftig zurück.

Das am Dienstag veröffentlichte Quartalsergebnis der zentralen Holdinggesellschaft Adani Enterprises präsentierte Konzernchef Gautam Adani als Beleg der Stärke: Der Umsatz des Unternehmens, in dem Adani eine Reihe unterschiedlicher Geschäftsaktivitäten bündelt, stieg in den letzten drei Monaten des Jahres 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf rund 3,3 Milliarden Dollar. Der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen verdoppelte sich auf 238 Millionen Dollar.

Multimilliardär Adani zeigte sich unbeeindruckt von den Vorwürfen gravierender finanzieller Unregelmäßigkeiten, die seit Ende Januar auf seinem Firmenimperium lasten: „Unser Erfolg beruht auf einer starken Unternehmensführung, der strikten Einhaltung von Vorschriften, einer nachhaltigen Leistung und einer soliden Cashflow-Generierung“, ließ er per Pressemitteilung ausrichten. Die „aktuelle Marktvolatilität“ sei nur vorübergehend, betonte der Unternehmer, dessen Privatvermögen in den vergangenen drei Wochen um 70 Milliarden Dollar geschrumpft ist und der dadurch seinen Titel als reichster Mann Asiens verloren hat.

Aktie immer noch um mehr als 50 Prozent im Minus

Adani Enterprises, das Hauptunternehmen in seiner Firmengruppe, vereint unter anderem Indiens größten Kohlehändler, einen der wichtigsten Solarzellenhersteller sowie den führenden privaten Flughafenbetreiber auf dem Subkontinent. Außerdem gehört auch das Geschäft mit Rechenzentren, der Drohnenproduktion und Wasserinfrastruktur zu der Gesellschaft, die Adani als Inkubator für neue Geschäftsideen begreift, die später als eigene börsennotierte Unternehmen ausgegliedert werden können. Den jüngsten Gewinnsprung verdankt Adani Enterprises vor allem den gestiegenen Margen im Kohlegeschäft.

Mit den guten Zahlen gelang es Adani zumindest vorerst, die lange Reihe an schlechten Nachrichten zu durchbrechen. An der Börse in Mumbai ging die Aktie von Adani Enterprises mit einem Plus von 1,9 Prozent aus dem Handel. Im Vergleich zum Vormonat liegt das Papier aber immer noch um mehr als 50 Prozent im Minus.

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Ausgelöst hatte den Kurssturz ein kritischer Bericht des US-Leerverkäufers Hindenburg Research, der die Adani-Gruppe als eines der „ungeheuerlichsten Beispiele für Unternehmensbetrug“ bezeichnete. Die Anschuldigungen beziehen sich unter anderem auf ein Netz an Offshore-Gesellschaften, die laut dem von Hindenburg geäußerten Verdacht zur Kursmanipulation und Bilanzfälschung genutzt worden seien.

Adani bestreitet die Vorwürfe. Unabhängig von der Richtigkeit der Anschuldigungen ist der Schaden für die Unternehmensgruppe enorm: Die Marktkapitalisierung sank zeitweise um 127 Milliarden Dollar. Eine Aktienplatzierung, die 2,5 Milliarden Dollar einbringen sollte, nahm der Konzern unter dem Druck der Märkte in letzter Minute wieder zurück. Um sich Luft zu verschaffen, zahlte Adani Kredite mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Dollar vorzeitig zurück – eine 500-Millionen-Dollar-Zahlung für ein weiteres Darlehen soll im März folgen.

Wachstumspläne werden offenbar zurückgeschraubt

Die Herausforderungen bleiben groß: Der Indexanbieter MSCI entschied vergangene Woche, die Gewichtung von Adani-Aktien zu senken – damit drohen Gelder von Indexfonds abzufließen. Am Montag bestätigte zudem die indische Börsenaufsicht, mit Blick auf die Vorwürfe und den jüngsten Kurssturz eine Untersuchung eingeleitet zu haben.

Als Folge der finanziellen Turbulenzen steht Adani nun offenbar vor einem Strategiewechsel. Die Zeiten des extremen Wachstums sollen einem Medienbericht zufolge zumindest vorerst vorbei sein: Statt eines Umsatzwachstums von 40 Prozent peile die Gruppe für das kommende Fiskaljahr nur noch einen Zuwachs um 15 bis 20 Prozent an, berichtete der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf Insider. Auch geplante Investitionen sollen demnach reduziert werden. Adani hatte im vergangenen Jahr Investitionen von 100 Milliarden Dollar in den kommenden zehn Jahren angekündigt.

Adanis Privatvermögen ist in den vergangenen drei Wochen um 70 Milliarden Dollar geschrumpft. Reuters

Multimilliardär Adani

Adanis Privatvermögen ist in den vergangenen drei Wochen um 70 Milliarden Dollar geschrumpft.

„Sobald sich der Markt stabilisiert, wird jede Einheit ihre eigene Kapitalmarktstrategie überprüfen“, teilte ein Vertreter der Unternehmensgruppe am Montag mit. Aufgrund des weitreichenden Engagements von Adani drohen laut Analysten Konsequenzen, die weit über das Konglomerat hinausgehen. Volkswirte der Bank Barclays warnten zuletzt, dass ein starker Rückgang der Adani-Investitionen Auswirkungen auf den Investitionszyklus in ganz Indien haben könnte.

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