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02.11.2021

11:22

Geely

Satelliten, Fahrdienste und Flugautos – Wie Chinas größter privater Autobauer zum Global Player wird

Von: Dana Heide

Das Unternehmen Geely will künftig mehr sein als ein Autokonzern. Ein wichtiger Baustein: Die Marke Lynk & Co, deren CEO Alain Visser ambitionierte Pläne hat.

Geely habe die „übergreifende Mission, ein globales Unternehmen für Mobilitätstechnologie zu werden“, schreibt Geely-Gründer Li Shufu in einem Mitarbeiterbrief. Reuters

Geely-Marke auf Fahrzeug

Geely habe die „übergreifende Mission, ein globales Unternehmen für Mobilitätstechnologie zu werden“, schreibt Geely-Gründer Li Shufu in einem Mitarbeiterbrief.

Schanghai In China Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ist nicht leicht. Wenn Unternehmen ihre Ideen präsentieren, erwarten chinesische Medienvertreter und Influencer ein Spektakel. Der Autohersteller Lynk & Co hat daher eigens eine kleine Stadtkulisse in Schanghai aufgebaut, um das neue Modell „09“ in Szene zu setzen. Zur Präsentation gehören eine Lightshow und tanzende Frauen mit riesigen Pferdemasken im Publikum.

Lynk & Co, vor fünf Jahren in Berlin gestartet, ist eines der jüngsten Unternehmen im Reich von Li Shufu, dem Gründer von Geely. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat der 58-jährige Geely vom Kühlschrankhersteller zum inzwischen größten privaten Autobauer Chinas gemacht. Mittlerweile gehören zu seiner Geely Holding Group unter anderem Volvo, das erst am Freitag einen erfolgreichen Börsengang hingelegt hat, und Polestar, beide mit Hauptsitz in Schweden, sowie die britische Sportwagenmarke Lotus und seit 2018 auch fast zehn Prozent am deutschen Autohersteller Daimler.

Li Shufu hat internationale Ambitionen. Geely habe die „übergreifende Mission“, so Li, „ein globales Unternehmen für Mobilitätstechnologie zu werden“, wie er in einem Mitarbeiterbrief schreibt.

„Wenn Sie Li Shufu fragen würden, wie wir uns positionieren, würde er sagen ,das wilde Pferd im Stall‘“, sagt Alain Visser, CEO von Lynk & Co, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Lynk stelle ein Experiment dar, wie Mobilität sich entwickeln könne. „Bei uns geht es nicht darum, Autos zu verkaufen, sondern Mobilitätsverträge zu verkaufen“, so Visser. Für 500 Euro pro Monat können Kunden das Modell 01, ein kompaktes SUV, abonnieren. Das Auto steht ihnen dann allein zur Verfügung. Reparaturen, Versicherung, Pflege – all das übernimmt Lynk. Wer ein Abo abschließt, wird damit gleichzeitig Mitglied eines Klubs und kann das Auto auch weitervermieten.

Ehrgeizige Wachstumspläne

Derzeit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 460.000 Mitglieder weltweit, davon 29.000 in Europa. Laut der Definition von Lynk haben diese 29.000 Kunden bereits ein Auto bekommen oder warten darauf, es zu bekommen. Es sei jedoch auch möglich, Teil des Klubs zu werden, ohne sich für eine monatliche Mitgliedschaft anzumelden.

Bis Ende 2023 soll die Zahl der Mitglieder auf rund 150.000 anwachsen. „So wie es sich gerade entwickelt, ist das auch sehr realistisch“, sagt Visser. „Wir hoffen, dass wir innerhalb von zwei Jahren profitabel sind.“ Er sieht als Hauptwettbewerber nicht nur die Automarken, sondern grundsätzlich alle Mobilitätsanbieter.

Grafik

Für sich genommen ist das Abo-Modell von Lynk laut Experten nicht revolutionär. „Das monatliche Abo-Angebot von Lynk hat kein herausstechendes Alleinstellungsmerkmal“, sagt Jan Burgard von der Managementberatung Berylls. Es gebe in Europa mehr als 40 verschiedene Anbieter für Abo-Modelle. „Wir sehen das Modell ,Abo als Einstieg‘ aber als einen guten Plan für chinesische Autobauer, weil die Kunden noch relativ zurückhaltend bei chinesischen Fahrzeugen sind.“

Das monatlich kündbare Abo mache den Schritt zu einer neuen Marke viel einfacher, sagt Lynk-CEO Visser. „Ich glaube, dass China bald als Land der Technologie gesehen wird“, sagt er. „,Made in Germany‘ wird bald ,Made in China‘ sein.“

Der Hauptfokus der Marken Geely und Lynk beim Verkauf von Autos liegt bislang auf dem chinesischen Markt. Weniger als zehn Prozent ihrer Fahrzeuge exportieren die Unternehmen in Länder außerhalb Chinas.

Mobilität und Kommunikation wachsen zusammen

Doch Geely-Gründer Li Shufu hat noch große Pläne. Bis 2025 will er unter den Marken Geely, Lynk & Co sowie den Elektroautos der Marken Zeekr and Geometry jährlich 3,65 Millionen Autos absetzen. In den ersten sechs Monaten des Jahres haben Geely und Lynk zusammen 630.237 Fahrzeuge verkauft.

Geely ist neben dem Geschäft mit Autos noch in zahlreichen anderen Bereichen unterwegs. „Wenn man sich die Investitionen von Geely anschaut, ist das Unternehmen zwar breit, aber zukunftsfähig aufgestellt“, sagt Managementberater Burgard. Geely gehe auf der einen Seite in traditionelle Geschäftsmodelle, wie etwa bei der Beteiligung an Daimler. Das Unternehmen stoße aber auch in neue Bereiche vor, zum Beispiel bei der Mobilitätsplattform Caocao, und könne so technologische Innovationen ausprobieren.

„Wenn Sie Li Shufu fragen würden, wie wir uns positionieren, würde er sagen ,das wilde Pferd im Stall‘“, sagt Alain Visser, CEO von Lynk & Co, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bloomberg

Alain Visser

„Wenn Sie Li Shufu fragen würden, wie wir uns positionieren, würde er sagen ,das wilde Pferd im Stall‘“, sagt Alain Visser, CEO von Lynk & Co, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Ende September verkündete Geelys Tochterunternehmen Geely Technology Group, dass es mit der Massenproduktion von Satelliten begonnen hat. Der Einstieg von Geely in das kommerzielle Satellitengeschäft sei Teil der Umwandlung des Konzerns in ein globales Unternehmen für Mobilitätstechnologie, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Im gleichen Monat verkündete Geely zudem, dass ein neu gegründetes Tochterunternehmen namens Xingji Shidai bis 2023 ein Premium-Smartphone auf den Markt bringen soll. Die Ziele sind hochgesteckt: Es soll bereits im ersten Jahr drei Millionen Geräte verkaufen.

„Ich denke, das übergeordnete Ziel des Unternehmens ist es sicherzustellen, dass es im neuen Zeitalter der Mobilität sowohl am Boden als auch in der Luft relevant ist“, sagt Edison Yu, Analyst für Chinas Mobilitätsbranche bei der Deutschen Bank in New York. Geely sei bereit, alle Arten von Beziehungen – Joint Venture, Kapitalbeteiligung, Übernahme – zu nutzen, um diese Vision zu verwirklichen.

Politisch ist das Umfeld für chinesische Unternehmer nicht einfacher geworden, sowohl in China als auch im Ausland. In jüngster Zeit hat die chinesische Staatsführung die extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in dem Land stärker in den Fokus genommen. Im Visier sind auch die zahlreichen Milliardäre des Landes. Li Shufus Nettovermögen wird von „Forbes“ derzeit auf 23,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.

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