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05.03.2019

17:23

Genfer Autosalon

Großaktionär Wolfgang Porsche kritisiert Macht des Betriebsrats bei VW

Von: Martin Murphy

Der Chef des Porsche/Piëch-Clans wirft der Arbeitnehmerseite vor, für „Verkrustungen“ mitverantwortlich zu sein. VW müsse effizienter und produktiver werden.

Der VW-Miteigner hatte sich früher bereits für eine stärkere Abgrenzung der Befugnisse des Betriebsrats ausgesprochen. AP

Wolfgang Porsche

Der VW-Miteigner hatte sich früher bereits für eine stärkere Abgrenzung der Befugnisse des Betriebsrats ausgesprochen.

GenfWolfgang Porsche ist ein Mann des Ausgleichs. Am Vorabend des Autosalons in Genf fiel der Vertreter der VW-Eigentümerfamilie Porsche/Piëch aber aus dieser Rolle, als er über den aus seiner Sicht dringend nötigen Wandel beim Autohersteller zu sprechen kam.

„Volkswagen ist kein Paradies, sondern ein Unternehmen mit harten Wettbewerbern“, sagte er dem Handelsblatt. Neben den bekannten Akteuren wüchsen vor allem in China neue Konkurrenten heran, die VW massiv unter Druck setzen könnten. Er rechnet damit, dass die Neulinge bald auch auf nach Europa vordringen.

Für diese Herausforderung sieht er Volkswagen nicht gerüstet, zumindest im Moment. Das Unternehmen sei verkrustet, den Wandel hält er für bitter nötig. „Die Zeiten, in denen wir Kompromisse eingegangen sein, müssen vorbei sein.“

Porsche ist nicht nur Aufsichtsrat von Volkswagen, sondern auch Sprecher des größten Aktionärs. Sein Wort hat also Gewicht. Vor allem, da er sich normalerweise mit öffentlichen Äußerungen zurückhält.

Porsche sieht vor allem die Top-Manager des Konzerns unter Druck. „Um die Veränderungen voran zu treiben, müssen wir die Vorstände unterstützen“, sagte er. Gemeint ist damit vor allem Herbert Diess, der seit bald einem Jahr Vorstandsvorsitzender ist.

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Was Wolfgang Porsche nicht sagt, ist, dass Diess im Hintergrund längst die nächste Stufe des Umbaus in Angriff genommen hat. In der kommenden Woche will der VW-Chef seine Pläne für ein weiteres Sparpaket zumindest in Grundzügen der Öffentlichkeit vorstellen. Laut Konzernkreisen soll dieses rund sechs Milliarden Euro einbringen.

Neben einer Anhebung der Preise sind eine Reihe von Einschnitten bei der Kernmarke VW geplant. Im Fokus stehen vor allem Verwaltung und indirekte Bereiche wie Logistik. Aber auch in der Produktion soll es Einschnitte geben. Das Programm ist bis 2023 angelegt und soll auch den Abbau von Arbeitsplätzen umfassen.

Vor allem die Zentrale in Wolfsburg wird betroffen sein. Bislang ist das Stammwerk mit seinen vielen Zehntausenden Mitarbeitern von den verschiedenen Umbauprojekten weitgehend verschont geblieben. Für Wolfgang Porsche muss das nun ein Ende finden: „Das schwierigste Thema ist Wolfsburg und der Grund dafür ist das dortige System, wenn wir eine Zukunft haben wollen“, sagte er.

Duell mit dem Betriebsrat

Wenn er von einem System spricht, dann meint er vor allem den Betriebsrat. Mit Bernd Osterloh steht da ein besonders Wortgewaltiger an der Spitze. Er ist ein Machtzentrum, der schon so manche Umbauten verhindert hat. „Osterloh geht es um den Erhalt der Arbeitsplätze, sagte Porsche. „Ich kann das verstehen, aber wir müssen VW zukunftssicher aufstellen.“

Als nun aber Porsche sich dafür ausspricht, künftig nicht mehr alle Auszubildende zu übernehmen, treibt es Osterloh auf die Barrikaden. „Wir haben nicht Probleme mit 1400 Auszubildenden nach Tarifvertrag“, sagte der Betriebsratschef dem Handelsblatt.

Die Probleme hießen verschobene Fahrzeugprojekte, Abgasskandal, Synergien und Komplexität. Das seien alles Management-Themen. „Das kostete die Eigentümer bereits mehrere Milliarden. Und darauf sollte sich der Aufsichtsrat fokussieren.“

In den Reihen des Managements wurden Porsches Äußerungen Worte positiv aufgenommen. „Es ist gut, wenn er uns unterstützt“, sagte ein Manager. Allerdings dürfte sein Auftritt die Gespräche mit den Arbeitnehmern zurückwerfen. Es ist kaum denkbar, dass sich Osterloh wie geplant noch vor kommender Woche mit dem Vorstand zusammensetzt.

Wolfgang Porsche hatte sich früher bereits für eine stärkere Abgrenzung der Befugnisse des Betriebsrats bei dem Autobauer ausgesprochen. Arbeitnehmer sollten bei Themen, die die Mitarbeiter betreffen, mitbestimmen, sagte er damals dem Magazin „Stern“. Aber die Arbeitnehmervertretung sollte daraus keinen Anspruch auf ein 'Co-Management' ableiten.

Die Familien Porsche und Piëch halten über die Porsche SE die Mehrheit an dem weltgrößten Autokonzern. Wolfgang Porsche ist Aufsichtsratsvorsitzender der Dachgesellschaft. Der Betriebsrat ist aufgrund der bei dem Wolfsburger Autobauer ausgeprägten Mitbestimmung besonders einflussreich.

Mit Agenturmaterial

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