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22.02.2022

13:32

Gesundheitskonzern

Fresenius rechnet auch 2022 mit Pandemie-Belastungen – und schließt Verkauf von FMC nicht aus

Von: Maike Telgheder

Konzernchef Sturm will für die Töchter Helios und Vamed „neue Kapitalquellen“ erschließen. Der Ausblick auf das laufende Jahr enttäuscht aber die Investoren.

Nach Fortschritten in seinem Kosten- und Effizienzprogramm will das Unternehmen die Kosten weiter drücken. dpa

Fresenius-Konzernzentrale

Nach Fortschritten in seinem Kosten- und Effizienzprogramm will das Unternehmen die Kosten weiter drücken.

Frankfurt Der Gesundheitskonzern Fresenius rechnet nach zwei durch das Coronavirus belasteten Jahren auch 2022 mit negativen Einflüssen durch die Pandemie. Im laufenden Jahr, so die Prognose, wird der Dax-Konzern – ohne Währungs- und Sondereffekte gerechnet – seinen Umsatz nur im mittleren einstelligen Prozentbereich steigern und beim Konzernergebnis im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Damit würde Fresenius beim Gewinn weniger stark zulegen als im vergangenen Jahr, in dem das vergleichbare Konzernergebnis um fünf Prozent stieg. Auch bei den Mittelfristzielen sind die Aussichten gedämpfter. Das Unternehmen erwartet nun, nur noch das untere Ende der ausgegebenen Ergebnisziele zu erreichen.

Aufgrund der Pandemie werden weiterhin viele Operationen und Behandlungen in den Kliniken verschoben. Zudem kam es bei der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) durch Covid-19 zu einer überproportional hohen Sterblichkeit der Patienten.

Anleger reagierten am Dienstag enttäuscht auf den neuen Ausblick. Die Fresenius-Aktie lag zum Handelsstart mehr als fünf Prozent im Minus bei 34,45 Euro und baute die Verluste bis zum Mittag auf zeitweise fast acht Prozent aus.

Fresenius ist mit vier Geschäftsbereichen breit im Gesundheitsmarkt aufgestellt. Größte Konzerntochter ist die ebenfalls im Dax notierte FMC, gefolgt von dem Krankenhausunternehmen Helios, der Medikamentensparte Kabi und der auf Krankenhausbau und -betrieb spezialisierten kleinsten Tochter Vamed.

Um künftig auch größere Akquisitionen stemmen zu können, will Konzernchef Stephan Sturm „neue Kapitalquellen“ für Fresenius erschließen: Bei der Kliniktochter Helios und der Dienstleistungssparte Vamed sei das Unternehmen bereit, einzelne externe Anteilseigner aufzunehmen.

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Bei Helios will Fresenius weiterhin Mehrheitseigner bleiben, bei Vamed könne man sich unter Umständen auch eine Minderheitsbeteiligung vorstellen, so Sturm. Auch einen Börsengang von Helios oder Vamed würde Sturm nicht ausschließen, allerdings sieht er einen solchen Schritt eher als Refinanzierungsmöglichkeit eines zuvor getätigten Investitionsschrittes.

Die Fresenius-Aktie hat in den vergangenen fünf Jahren rund die Hälfte ihres Werts verloren. Im letzten Jahr hatte Sturm auch die Möglichkeit einer Überprüfung der Konzernstruktur ins Spiel gebracht, um die Bewertung des Unternehmens zu steigern. Viele Analysten und Investoren würden eine Abspaltung der Dialysetochter FMC begrüßen, auch um die Komplexität des Unternehmens zu reduzieren.

Fresenius-Chef Sturm will allerdings erst einmal an FMC und auch der breit aufgestellten Struktur des Gesamtkonzerns festhalten, das Unternehmen durch die Pandemie bringen und die positiven Effekte der angestoßenen Kostensenkungsprogramme nutzen.

Dennoch ist ein zukünftiger Verkauf der 32-prozentigen Beteiligung an der Dialysetochter nicht ausgeschlossen. „Sollte uns jemand für unseren Anteil an FMC ein wirklich attraktives Angebot machen, dann ist es unsere Pflicht, so ein Angebot zu prüfen und die Handlungsalternativen abzuwägen“, so Sturm. Fresenius kontrolliert FMC über die Struktur einer Kommanditgesellschaft auf Aktien.

Konzerngewinn von FMC ist eingebrochen

Im vergangenen Jahr hatte vor allem der Dialysekonzern die Entwicklung bei Fresenius belastet. Der Konzerngewinn ist um 25 Prozent eingebrochen. Die anderen Unternehmensbereiche konnten die negative Entwicklung bei FMC zum Teil ausgleichen. Insbesondere die Medikamentensparte Kabi, die im vierten Quartal von einer unerwartet hohen Covid-19-bedingten Nachfrage profitierte, trug stark dazu bei.

In diesem Jahr wird sich dieser Effekt bei Kabi so nicht wiederholen, erwartet Fresenius und geht von einem Rückgang des operativen Ergebnisses für dieses Geschäftsfeld aus. Gleichwohl traut Fresenius der seit vergangenem April vom ehemaligen Siemens-Manager Michael Sen geführten Sparte insgesamt sehr starke Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten zu und will dort mit Priorität investieren.

Das bedeutet auch, dass Investitionen bei Kabi von den anderen Unternehmensbereichen querfinanziert werden können. Kabi, das die Keimzelle von Fresenius ist, soll zu 100 Prozent im Besitz von Fresenius bleiben. „Wir sehen bei Kabi die besten Wachstumsaussichten und das beste Renditeprofil“, sagte Sturm.

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Fortschritte meldet der Konzern bei den angestoßenen Effizienzprogrammen. Fresenius plant nun, bis 2023 Einsparungen von mindestens 150 Millionen Euro pro Jahr zu erreichen. Ursprünglich waren mehr als 100 Millionen Euro angepeilt.

FMC hatte im November den Abbau von weltweit 5000 Jobs und einen Umbau des Geschäftsmodells auf zwei globale Segmente angekündigt. So sollen die jährlichen Kosten bis 2025 um 500 Millionen Euro gesenkt werden. Die Umstellung auf das neue Betriebsmodell soll bis 2023 erreicht sein. In Deutschland sollen zwischen 500 und 750 Stellen abgebaut werden. Nähere Details dazu nannte das Management bei der Vorlage der Zahlen nicht.

Fresenius-Dividende soll steigen

Den Aktionären bietet Fresenius eine um fünf Prozent erhöhte Dividende von 92 Cent. Allerdings soll eine Wahldividende vorgeschlagen werden. Die Aktionäre sollen die Ausschüttung gegen Aktien der Gesellschaft tauschen können. Nehmen die Aktionäre das Angebot an, würde das eine Verwässerung der Aktien bedeuten. Der Ankeraktionär Else-Kröner-Fresenius-Stiftung habe mitgeteilt, dass er sich an der Wahldividende in vollem Umfang beteiligen wolle, hieß es von Fresenius.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021 wuchs Fresenius um drei Prozent auf 37,5 Milliarden Euro Umsatz. Wegen der coronabedingten Belastungen bei FMC sank der operative Gewinn (vor Sondereinflüssen) um acht Prozent auf knapp 4,3 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis (vor Sondereinflüssen) stieg um vier Prozent auf 1,867 Milliarden Euro.

Die Netto-Finanzverbindlichkeiten des Konzerns erhöhten sich um ein Prozent auf 24,4 Milliarden Euro. Damit stieg der Verschuldungsgrad auf das rund 3,5-Fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Der Anstieg ist zurückzuführen auf den pandemiebedingten Rückgang des Ebitda.

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Die bereits vor der Pandemie ausgegebenen Mittelfristziele will das Unternehmen bis 2023 weiterhin erreichen, allerdings beim Ergebnis nun am unteren Ende der Bandbreite und beim Umsatz im unteren bis mittleren Bereich. Geplant war ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von vier bis sieben Prozent, das Ergebnis soll zwischen fünf und neun Prozent zulegen.

„Um die Mittelfristziele zu schaffen, müssen wir insbesondere das Wachstum im Jahr 2023 beschleunigen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir das schaffen“, sagte Sturm.

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