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27.10.2019

12:58

Gewerkschaft

IG Metall zitiert Opel-Chef Lohscheller zum Rapport

Von: Franz Hubik

Die Gewerkschaft wirft dem Management vor, den Zukunftstarifvertrag zu verletzen. Legt Opel an diesem Montag keine umfassende Investitionsliste vor, droht die Eskalation.

Der Opel-Chef gerät unter Druck. Reuters

Michael Lohscheller

Der Opel-Chef gerät unter Druck.

Stuttgart Bei Opel rumort es. Betriebsrat und Gewerkschaft werfen dem Management um Opel-Chef Michael Lohscheller vor, den von beiden Seiten im Sommer 2018 abgeschlossenen Zukunftstarifvertrag zu verletzen. Dieser sieht unter anderem Investitionen in Milliardenhöhe in alle deutschen Standorte bis 2023 vor. Doch aus Sicht der Arbeitnehmervertreter ist das Management beim Kapitaleinsatz säumig.

Konkret fehlten alleine am Stammsitz in Rüsselsheim Investitionen für die Bereiche Teilebau, Getriebewerk, Prototypenbau, Presswerk, Werkzeugbau, Schmiede und Engineering. Bei der alljährlichen Betriebsräteversammlung Mitte Oktober waren die Arbeitnehmer daher auf Krawall gebürstet.

Sie machten Loscheller und seiner Truppe klar: Die bisher zugesagten Investitionen reichen nicht aus, um Bestand und Beschäftigung wie vorgesehen an den Standorten in Rüsselsheim, Eisenach, Kaiserslautern und Bochum zu sichern.

An diesem Montag soll Lohscheller nun bei einem Termin mit den Arbeitnehmervertreten eine „Gesamtinvestitionsliste“ präsentieren, verlangt die Gewerkschaft. Das geht aus einer achtseitigen Zusammenfassung der Betriebsrätetagung hervor, die das Handelsblatt einsehen konnte. Die Erwartungshaltung an das Krisentreffen, das von der IG Metall eingefordert wurde, ist hoch.

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    „Sollte die Geschäftsleitung keine akzeptable Planung vorlegen, die den im Tarifvertrag geforderten Gegenständen ,Bestandserhalt und Beschäftigungssicherung' gerecht wird, wird die IG Metall mit den Vertrauensleuten und Betriebsräten aller Standorte erörtern, welche Maßnahmen zur Durchsetzung des geltenden Tarifvertrags zu ergreifen sind“, erklärt Uwe Schütz, Tarifsekretär des IG Metall Bezirks Mitte laut der Zusammenfassung.

    Opel-Management will nichts von Vertragsbruch wissen

    Die Zeichen in Rüsselsheim stehen damit wieder einmal auf Eskalation. Denn das Opel-Management will nichts von einem etwaigen Vertragsbruch wissen. Alle Vereinbarungen würden eingehalten. Die Gewerkschafter sehen das etwas anders, fordern von Lohscheller zügig Milliardeninvestitionen freizugeben.

    Zudem stören sich IG Metall und Betriebsrat daran, dass Opel weit mehr Personal abbaut als die ursprünglich im Zukunftstarifvertrag vereinbarten 3700 Stellen. Tatsächlich hat Opel seit der Übernahme durch den französischen Autobauer PSA im Sommer 2017 den Abbau von mehr als 6800 Mitarbeitern hierzulande über Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestand beschlossen.

    Eine „weitere Verletzung des Tarifvertrags wird die IG Metall nicht akzeptieren“, geben sich die Arbeitnehmervertreter kämpferisch. Die Opel-Geschäftsführung versteht die Aufregung nicht, sind doch aus deren Sicht alle Entscheidungen im Einklang mit den Gewerkschaftern erfolgt. In einer Resolution der Betriebsräte von deren Tagung im Oktober wird ein gravierender Dissens mit dem Management augenscheinlich.

    „Das Ausspielen von Standorten untereinander, die Bedrohung mit Werksschließungen, Einschüchterungsversuche gegenüber Betriebsräten, das Einsparen von Investitionen zulasten der Gesundheit der Belegschaft oder der Qualität des Produkts und die Missachtung der Mitbestimmung führen in keinem Fall zu einer sicheren Zukunft für Opel“, bekunden die Betriebsräte.

    Ihre Schlussfolgerung: Nur im Schulterschluss mit der Belegschaft könne ein Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt werden.

    Prinzipiell dürfte das auch Firmenchef Lohscheller so sehen. Als Gast beim Handelsblatt Auto-Gipfel bekundete er am vergangenen Freitag zumindest mehrfach, dass es weder Berater, Politiker noch Manager in anderen Ländern gewesen wären, die die Marke mit dem Blitz nach fast 20 verlustreichen Jahren wieder in die schwarzen Zahlen geführt haben. „Die Opel-Mannschaft hat Opel profitabel aufgestellt“, konstatierte Lohscheller. Niemand sonst.

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