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30.06.2017

10:02 Uhr

Gewinnwarnung

Brasilien verhagelt Bayer das Ergebnis

VonBert Fröndhoff

Bayer überrascht die Anleger mit einer Gewinnwarnung: Grund sind die wachsenden Probleme im Agrochemiegeschäft in Brasilien. Doch nicht nur in dieser Sparte läuft es nicht rund. Das lässt die Bayer-Aktie abrutschen.

Börsen-Auftakt

Anleger unsicher - Bayer sackt nach Gewinnwarnung ab

Börsen-Auftakt: Anleger unsicher - Bayer sackt nach Gewinnwarnung ab

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DüsseldorfDie Bayer AG wird ihre Ziele bei Gewinn und Umsatz in diesem Jahr nicht erreichen können. Der Leverkusener Konzern überraschte am Freitagmorgen mit einer Gewinnwarnung für das laufende Jahr. Grund sind die wachsenden Probleme im Agrochemiemarkt in Brasilien sowie die anhaltende Schwäche im Geschäft mit rezeptfreien Mitteln.

Bayer muss in Brasilien gegensteuern, was zu einer deutlichen einmaligen Belastung in Höhe von 300 bis 400 Millionen Euro führen wird. Um diesen Betrag wird das bereinigte Ergebnis (Ebitda) der Division Crop Science geringer ausfallen. Bereits im zweiten Quartal wird dieser Effekt im Ergebnis sichtbar werden.

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Wie stark die Prognose des Konzerns für 2017 nun angepasst wird, will Bayer erst Ende Juli bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal genau beziffern. Nach bisherigen Planungen sollte der Umsatz von rund 47 auf etwa 51 Milliarden Euro steigen, also im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich. Der bereinigte operative Gewinn sollte im unteren Zehner-Prozentbereich wachsen. 2016 kam Bayer auf ein Ebitda vor Sondereinflüssen von 10,2 Milliarden Euro.

Die Bayer-Aktien rutschten am Freitag um bis zu 5,5 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 111,55 Euro ab. Damit waren die Titel größter Verlierer im Dax.

Analyst Jeremy Redenius von Bernstein Research geht davon aus, dass die Leverkusener ihre Prognose für das Ebitda vor Sondereinflüssen um etwa vier Prozent zurückschrauben werden. Damit bliebe wohl ein hohes einstelliges Wachstum übrig, schrieb er in einer Studie vom Freitag. Er kalkuliert bisher mit plus neun Prozent, der Marktkonsens erwarte eine Steigerung um elf Prozent. Tim Race von der Deutschen Bank geht davon aus, dass die negative Nachricht von den Anlegern schnell verziehen wird. Immerhin handle es sich um Einmaleffekte.

Grund für die Korrektur ist das schwache Geschäft in Brasiliens Agrarchemiemarkt. Das Land ist neben den USA und Europa einer der größten landwirtschaftlichen Märkte für Bayer. Doch in der gerade abgeschlossenen Saison war die Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln viel geringer als erwartet.

Dazu trug zum einen die wirtschaftliche Schwäche des Landes bei, vor allem aber wetterbedingte Probleme. Die Insektizide und Unkrautvernichtungsmittel von Bayer wurden weniger gebraucht. Das führte zu einem hohen Lagerbestand bei den brasilianischen Vertriebspartnern von Bayer. Das Geld fließt an den Leverkusener Konzern erst, wenn die Bauern bei den Distributeuren einkaufen. Bayer muss nun reagieren. Die Situation dort soll normalisiert werden, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Das Agrochemiegeschäft ist aber nicht der einzige Grund für die Prognose-Anpassung. Die Sparte Consumer Health, in dem das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln gebündelt ist, läuft weiterhin nicht rund. Auch in diesem Geschäft wird Bayer seine Ziele anpassen müssen, konkrete Erwartungen sind noch nicht bekannt. Schon seit geraumer Zeit laufen vor allem die Mittel schlecht, die Bayer vor drei Jahren vom amerikanischen Merck-Konzern für elf Milliarden Dollar erworben hatte.

Unverändert stark laufen nach Angaben von Bayer die Geschäfte in der zentralen Pharmasparte und bei der ausgegliederten Kunststofftochter Covestro. An letzterer ist Bayer zwar nur noch mit 44 Prozent beteiligt, der Konzern konsolidiert die Ergebnisse aber weiterhin voll.

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Kommentare (3)

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Herr Peter Spiegel

30.06.2017, 13:06 Uhr

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/bayer-kauft-monsanto-der-66-milliarden-dollar-deal-ist-fix/14543592.html
Kalifornien, Herbizid als Krebs verursachend...............
Da kommen doch noch einige Urteile gegen Bayer

Herr Helmut Metz

30.06.2017, 14:20 Uhr

@ Peter Spiegel

Mit Monsanto hat sich Bayer einen finanziellen Sargnagel an Bord geholt.
Das liebe ich ja so sehr bei den Amis: bei Schadensersatzforderungen geht es dort um richtig viel Kohle - nicht um lächerliche Beträge wie im deutschen Recht...

Herr Peter Spiegel

30.06.2017, 14:55 Uhr

@Helmut Metz
Schätze die haben Bayer abgekocht und genau wegen der kommenden Prozesse
die Firma "großzügig" abgegeben.

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