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09.12.2022

04:00

Handelsblatt Auto-Gipfel 2022

Schneller, günstiger, elektrisch: Digitalisierung macht die Auto-Produktion deutlich effizienter

Von: Stefan Menzel, Roman Tyborski

Die deutsche Automobilbranche befindet sich mitten in der Elektro-Transformation. Die kann, getrieben von Softwaresteuerung, die Produktion merklich optimieren. Ein Vorbild: Tesla.

Auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel erklärte der Automanager, wie der Premiumhersteller seine Werke digitalisiert. IMAGO/Political-Moments

Mercedes-Produktionsvorstand Jörg Burzer

Auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel erklärte der Automanager, wie der Premiumhersteller seine Werke digitalisiert.

Düsseldorf Die Automobilindustrie will ihre Produktionsprozesse stärker digitalisieren und damit deutlich effizienter werden. Die zunehmende Verwendung von Computerprogrammen und industriellen Cloud-Systemen soll beitragen, die Transformation der Autowerke von Verbrennermodellen hin zu Elektrofahrzeugen schneller zu bewältigen. Die deutsche Automobilindustrie wird in den kommenden Jahren etwa 100 Milliarden Euro in den Umbau ihrer Fertigung investieren müssen.

„Wir wollen unsere Produktionsprozesse zu 100 Prozent digital unterstützen“, sagte Mercedes-Produktionsvorstand Jörg Burzer am Donnerstag auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel. Der Umbau von Fahrzeug- und Motorenwerken für neue Antriebe könne nur so funktionieren.

Mercedes hat mit Unterstützung von Microsoft eine Datenplattform eingeführt. An das Projekt mit dem Namen „Mercedes-Benz Cars Operations“ (MO 360) sollen alle Fabriken des Autoherstellers angeschlossen werden. Bis zum Jahr 2025 soll die Effizienz in den Fabriken dadurch um 20 Prozent steigen, während an vielen Standorten der Wechsel vom Verbrenner zum Elektroantrieb vollzogen wird.

Mercedes profitiert von aktuellen Daten

Mit der neuen Datenplattform hat Mercedes beispielsweise das Qualitätsmanagement in der Produktion vollständig digitalisiert. Mehrmals in der Woche können die Programme aktualisiert werden. Produktionsvorstand Burzer betonte, dass die Datencloud auch die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander erleichtere: „Wir sorgen für eine Demokratisierung, weil die Daten jetzt allen Mitarbeitern zur Verfügung stehen.“

Als neues Herz der Produktion sorge die Cloud zudem für dauerhafte Synergien, weil das Know-how etwa von Erstanläufen neuer Modelle viel einfacher von Werk zu Werk übertragen werden könne. Und das sind bei Mercedes weltweit etwa 30 Werke mit rund 70.000 Beschäftigten.

Ohne Partner würde Mercedes die Digitalisierung der Produktion wahrscheinlich nicht bewältigen können. Außer mit Microsoft hat sich der Stuttgarter Konzern auch für eine Partnerschaft mit Siemens entschieden, weitere Kooperationen sollen folgen. „In den nächsten Wochen werden Sie noch mehr davon hören“, kündigte Burzer an.

>> Mehr vom Handelsblatt Auto-Gipfel: „Die nächsten zwei Dekaden gehören dem Batterieauto“ – Stellantis erteilt Elektro-Alternativen eine Absage

ung sieht eine Umstellung des kompletten Modellportfolios bis zum Jahr 2030 vor. Der Premiumhersteller hat sich dazu entschieden, dass die Fertigung von Verbrennermodellen und von E-Autos an verschiedenen Standorten auf derselben Produktionslinie laufen soll. „Wir sind damit sehr flexibel“, betonte Burzer. Das sei ein großer Vorteil gerade in der Übergangszeit hin zur Elektromobilität.

Die Produktion beider Antriebsarten auf einer Fertigungslinie stellt gleichzeitig komplexere Anforderungen, weil Bauteile für beide vorgehalten werden müssen. „Diese größere Komplexität können wir managen – gerade auch durch die Digitalisierung“, sagte Burzer. Die Effizienz in der Produktion will Mercedes zudem durch eine nachhaltige Energieerzeugung steigern.

Deshalb hat das Unternehmen beispielsweise ein „1000-Dächer-Programm“ aufgelegt. Wo immer es möglich ist, will Mercedes auf den Dächern seiner Produktionsstätten Photovoltaikanlagen errichten. Zehn Prozent des eigenen Energiebedarfs soll das künftig decken.

Eigene nachhaltige Energieerzeugung

Mercedes baut außerdem einen Windpark im Emsland und bezieht Strom aus Offshore-Windparks anderer Betreiber. Etwa 40 Prozent des gesamten Energiebedarfs von Mercedes sollen so auf nachhaltige Weise gedeckt werden können – und entsprechend dauerhaft die Energiekosten senken. „Den Einsatz der Energie wollen wir dann ebenfalls digital steuern.“

Auch bei Audi werden die Produktionsprozesse angepackt. Die VW-Tochter will künftig ressourcenschonender, günstiger und schneller produzieren. Audi-Produktionsvorstand Gerd Walker peilt eine Halbierung der Fertigungskosten und -zeiten an. „Die Halbierung der Fabrikkosten ist ein extremes Ziel, aber es ist erreichbar“, sagte Walker auf dem Auto-Gipfel.

Audis bisherige Effizienzprogramme hatten die Produktionskosten nicht wie gehofft verringert. Die Ingolstädter erweiterten parallel die Produktpalette, zu neuen Karosserievarianten kam mit dem Hybrid auch eine weitere Antriebsvariante. Vieles deutet darauf hin, dass das Modellangebot ausgedünnt wird.

Mit der Fokussierung auf batterieelektrische Antriebe könnten die Prozesse in den Werken deutlich vereinfacht werden. „Es ist wichtig, dass wir in der Produktion die Komplexität herausnehmen. Das hilft uns bei der Fertigung, weil wir dadurch unsere Anlagen besser auslasten können“, sagte der Audi-Vorstand.

Tesla als Vorbild

Elektroautos können wegen ihrer geringeren mechanischen Komplexität schneller als Verbrenner hergestellt werden, ein großer Vorteil für die Produktionsplaner: „Die Transformation in die elektrische Welt geht einher mit der Revolution in der Digitalisierung. Dadurch können wir deutlich größere Sprünge bei der Produktionseffizienz erreichen.“

Die Verbrennerwelt sei jedenfalls kein Vorbild mehr. „In der Vergangenheit konnten wir die Produktionskosten jedes Jahr um zwei bis drei Prozent senken. In einem guten Jahr waren es auch mal fünf Prozent“, führte Walker weiter aus.

Das Ziel der Kostenhalbierung bis 2033 ist dennoch weit. „Diese größeren Sprünge können nicht nur durch eine effizientere Produktion erreicht werden, sondern auch durch die Anpassung des Produkts“, so Walker. Es ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Audi die Modellvielfalt reduzieren wird.

Vorbild dürfte Tesla sein. Das US-Unternehmen bietet im Gegensatz zu den deutschen Herstellern schon heute deutlich weniger Ausstattungsvarianten an. Diesen Weg will auch der Audi-Mutterkonzern Volkswagen gehen und die geplante neue Trinity-Baureihe stärker standardisieren. Trinity soll nur 140 Konfigurationsmöglichkeiten bieten – statt zehn Millionen wie etwa beim aktuellen Golf-Modell.

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