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07.12.2022

17:44

Handelsblatt Auto-Gipfel

Conti-Personalchefin Reinhart: „Ausbildungsberufe bekommen nicht mehr genügend Wertschätzung“

Von: Roman Tyborski

Selbst Dax-Konzerne wie der Autozulieferer haben in Deutschland Probleme, praktisch ausgebildete Arbeitskräfte zu finden. Personalchefin Ariane Reinhart rät daher, neue Wege zu gehen.

Die Personalchefin von Continental sieht vor allem in der Wertschätzung des Ausbildungsberufes einen großen Hebel. Ina Karabasz

Ariane Reinhart im Interview mit Handelsblatt-Redakteur Markus Fasse

Die Personalchefin von Continental sieht vor allem in der Wertschätzung des Ausbildungsberufes einen großen Hebel.

Düsseldorf Der Fachkräftemangel in Deutschland beschäftigt die Autoindustrie. Und damit auch Ariane Reinhart, Personalchefin von Continental. Dem Autozulieferer ist nicht gelungen, alle 538 in diesem Jahr angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen. „Das betrübt mich“, sagte Reinhart auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel.

In Deutschland bleiben Hunderttausende Stellen mangels Fachkräften frei. Eigenausbildung ist da grundsätzlich ein probates Mittel. Doch laut Institut für Arbeitsmarkt-Berufsforschung müssen jedes Jahr bis zu 500.000 Menschen einwandern und in den Arbeitsmarkt integriert werden, um die demografisch bedingte Erwerbslücke überhaupt schließen zu können.

Für Zulieferer wie Continental ist es daher eine große Herausforderung, Fachkräfte anzuwerben, verrät Reinhart. Es gebe auch regionale Unterschiede, sagt sie: „Wir haben mehr als 60 Standorte in Deutschland. In den Ballungsgebieten fällt es uns deutlich leichter, Auszubildende zu finden, als in strukturschwachen Regionen.“

Die Branche muss kreativ werden und neue Wege gehen, um ausreichend Arbeitskräfte anzuwerben. Die Personalchefin sieht dabei vor allem in der Wertschätzung des Ausbildungsberufs einen wirksamen Hebel. Der Stellenwert der praktischen Lehre habe in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gelitten. Akademische Berufe würden oftmals vorgezogen: „Ausbildungsberufe bekommen in Deutschland nicht mehr genügend Wertschätzung“, sagt sie.

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    Die unbesetzten Stellen im Ausbildungsbereich ziehen wiederum Vakanzen im Betriebsablauf nach sich. Laut Reinhart lauere hier eine große Gefahr für die gesamte Volkswirtschaft. „Wir brauchen Menschen, die produzieren. Die Industriearbeitsplätze in Deutschland sind eine wichtige Basis für den sozialen Frieden in Deutschland“, sagt sie.

    Kooperation mit Politik

    Dass mehr junge Menschen die akademische Ausbildung einer Berufsausbildung vorziehen, dürfte auch mit den Gehaltsunterschieden zusammenhängen. Studierte Menschen verdienen insgesamt – trotz Unterschieden in den Fachrichtungen – mehr Geld als Azubis und haben langfristig bessere Aufstiegschancen. Dementsprechend wohlwollend blickt Reinhart auf die kürzlich abgeschlossenen Tarifverhandlungen mit der Chemiegewerkschaft IG BCE und der Metallgewerkschaft IG Metall.

    Im Zuge der gestiegenen Inflation haben diese deutliche Lohnerhöhungen durchgesetzt. „Die Inflation schlägt stark zu, vor allem bei Menschen mit niedrigen Einkommen. Wir haben hier als Arbeitgeber eine Verantwortung“, sagt sie.

    Allerdings hätte sich Reinhart mehr „Differenzierungsmöglichkeiten“ in den Verhandlungen gewünscht. Vor allem die IG Metall sei in den vergangenen Tarifverhandlungen zwar zurückhaltend aufgetreten. Es müsse aber sichergestellt werden, dass die höheren Löhne in der Autozuliefererbranche nicht die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gefährden, forderte Reinhart.

    Die Personalchefin von Continental begrüßt daher Initiativen wie den steuerfreien Coronabonus. Arbeitsminister Hubertus Heil hätte für den deutschen Arbeitsmarkt viele gute Dinge auf den Weg gebracht, sagt sie. Eine Bitte an die Politik habe sie jedoch: „Wenn die Regierung gute Ideen für den Arbeitsmarkt hat, dann lassen sie uns gemeinsam den Weg dorthin bestimmen.“

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