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27.10.2019

13:59

Porsche-Chef Oliver Blume nennt Nachhaltigkeit als wichtigstes Ziel Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Handelsblatt Auto-Gipfel in Zuffenhausen

Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (links im Bild) im Gespräch mit Porsche-Chef Oliver Blume.

Handelsblatt Auto-Gipfel

Porsche-Chef Oliver Blume: „Nachhaltigkeit ist eine feste Säule“

Von: Sven Afhüppe

Für Porsche-Chef Blume gehört Nachhaltigkeit zu den wichtigsten Zielen der Konzernstrategie. Die Transformation in der Autobranche sieht er mehr als Chance denn als Risiko.

Zuffenhausen Vom Schreibtisch auf dem Werksgelände sind es nur wenige Schritte zum Porsche-Museum. Zu dem glitzernden Prunkbau, mit dem sich der Sportwagenhersteller in Stuttgart-Zuffenhausen ein Denkmal gesetzt hat. Porsche-Chef Oliver Blume ist weniger ein Mann des Glamours als vielmehr der Vertreter einer nüchternen Unternehmensstrategie. Auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel im Museum erläutert der 51-Jährige, wie sich Porsche auf neue Herausforderungen einstellt.

Herr Blume, das Auto ist immer stärker gesellschaftlicher Kritik ausgesetzt. Haben die Autohersteller diese Entwicklung zu spät gesehen?
Die Dieselaffäre hat diese Entwicklung deutlich beschleunigt. Und hier muss ich noch einmal ganz klar sagen, dass das durch nichts zu entschuldigen ist. Der Volkswagen-Konzern hat daraus seine Konsequenzen gezogen. Viele neue Projekte, mit denen wir jetzt unterwegs sind, hätten ohne Diesel wahrscheinlich nicht diesen Reifegrad. Das ist immer wieder ein Vorteil, dass man aus einer Krise auch Kraft schöpfen kann. Die Veränderung in der Welt wird natürlich durch die Gewissheit angetrieben, dass es nicht wie bisher weitergehen kann.

Wie kann nun ein Beitrag der Automobilindustrie aussehen, gerade in Bezug auf den Umweltschutz?
Wir als Automobilindustrie sind Mitglied der Gesellschaft und haben deshalb die verdammte Verpflichtung, uns um diese Sachen zu kümmern. Wo es ein Problem gibt, gibt es aber immer auch eine Lösung. Das sollte unser Selbstverständnis sein: Wir tragen dazu bei, die Welt lebenswert zu erhalten. Auf der anderen Seite haben wir aber auch die Verpflichtung für die Menschen, die in unserer Industrie arbeiten. Über unsere Steuern leisten wir zudem einen Beitrag für den Staat. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Denn nur wenn ein Staat genug Geld hat, kann er Themen wie den Umweltschutz in Angriff nehmen.

Bei Porsche sind wahrscheinlich die meisten Mitarbeiter besonders autoaffin. Gibt es trotzdem direkte Anregungen aus der Belegschaft, sich dem Thema Klima- und Umweltschutz zu stellen?
Durchaus. Wir pflegen einen ganz engen Dialog mit unserer Mannschaft. Ich profitiere da ganz besonders von unseren jüngeren Kollegen. Ihnen geht es nicht mehr nur darum, dass sie einen sicheren Arbeitsplatz haben und sich eine Existenz aufbauen wollen. Sie wollen auch wissen, worin Sinn und Zweck unseres Unternehmens bestehen. Diese Frage nach dem „Purpose“ von Porsche gewinnt immer stärker an Bedeutung, das spürt man deutlich.

Haben Sie den Porsche-Purpose neu kalibriert?
Wir haben das massiv rekalibriert. Mit unserer vor vier Jahren gestarteten Strategie 2025 haben wir zum ersten Mal Nachhaltigkeit als eine feste Säule im Unternehmen etabliert. Nachhaltigkeit wird meist reduziert auf das Thema Umwelt. Wir gehen aber weiter und haben Nachhaltigkeit um das Feld Soziales erweitert. So unterstützen wir beispielsweise mit unserer Ferry-Porsche-Stiftung Menschen, denen es nicht so gut geht. Die Aufgabe eines Unternehmens besteht nicht nur darin, gute Produkte herzustellen. Wir haben nämlich auch eine soziale Verantwortung. Damit kann man klar darstellen, wofür man als Unternehmen steht. Vielleicht ist das sogar der wichtigste Aspekt unserer Strategie. Andere Themen wie Produkte sind dann einfach die Folge daraus.

Werden Sie Kundenbeziehungen beenden, wenn es auf der Gegenseite kein ausreichendes Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und Klimabewusstsein gibt? Spüren Sie auch einen entsprechenden Druck von Banken und anderen Geldgebern?
Ich halte es für absolut richtig, das Thema Nachhaltigkeit gesamtheitlich anzugehen. Bei uns heißt das beispielsweise, dass wir uns die Autos über ihren gesamten Lebenszyklus ansehen. Das beginnt mit der Entwicklung, schließt dann auch die Lieferantenkette ein und endet mit dem Recycling. Wir machen unseren Partnern ganz klare Vorgaben, nach welchen Regeln wir das Thema Nachhaltigkeit angehen. Auch bei der Unternehmensfinanzierung passiert etwas. Wir haben einen sogenannten „grünen“ Schuldschein ausgegeben. Anfangs hatten wir gedacht, dass ein Volumen von 300 Millionen Euro dafür angemessen wäre. Aber wir wurden von den Investoren positiv überwältigt, sodass wir auf eine Milliarde hochgehen mussten. Diese Investoren sind davon überzeugt, dass Porsche ihr bereitgestelltes Geld für nachhaltige Projekte verwendet. Es gab natürlich auch mehr Zinsen als bei der EZB, unser Papier ist attraktiver.

Wie kann Porsche das Thema Nachhaltigkeit glaubwürdig transportieren?
Dazu tragen entsprechende Produkte bei. Der Taycan ist das erste rein batteriegetriebene Fahrzeug aus unserem Haus, und es erfüllt die Bedingungen der Nachhaltigkeit. Der Taycan wird zwar nicht die Welt retten, weil wir ein sehr kleines Unternehmen sind. Aber am Ende ist das völlig egal. Denn Porsche hat eine Vorbildfunktion, an der sich andere orientieren. Wir können viele Technologien entwickeln, die sich später auch auf andere Fahrzeuge übertragen lassen. Am Ende ist das Ganze zudem ein Führungsthema. Als Vorstandschef muss ich im eigenen Unternehmen diese Themen vorleben. Ich persönlich muss ein Vorbild sein.

Porsche verkauft seit dem vergangenen Jahr keine Dieselmodelle mehr. Welche Zukunft geben Sie dem Benziner? Ist das ein Auslaufmodell?
Wir leben in einer Welt, in der man Technologien nicht von null auf hundert umdrehen kann. Insofern werden wir mindestens in den kommenden zehn Jahren bei den Antrieben eine Technologievielfalt erleben, wahrscheinlich aber sogar noch länger. Dann kommt noch der Exportaspekt dazu: Wir in Deutschland leben nicht allein in der Welt. Es gibt viele Regionen, wo auf absehbare Zeit keine Infrastruktur für Elektroautos verfügbar ist. Deshalb sehe ich beim Benziner noch deutliches Potenzial für die Zukunft, zumal wir auch noch technologische Fortschritte sehen werden. Vielleicht erleben wir später einen weiteren größeren Schritt. Dann nämlich, wenn es gelingen sollte, synthetische Kraftstoffe preislich attraktiv zu machen. Dann würden Verbrennungsmotoren noch weit über die nächsten zehn oder 15 Jahre hinaus ihre Berechtigung haben.

Vita Oliver Blume

Der Manager

Der promovierte Maschinenbauer wurde nach Stationen bei Audi, Seat und VW 2013 Produktionschef bei Porsche. Seit Oktober 2015 ist der 51-Jährige Vorstandschef in Zuffenhausen.
Das Unternehmen

Das Unternehmen

Porsche zählt mit 24 Milliarden Euro Umsatz (2018) und einer Rendite von über 17 Prozent zu den profitabelsten Autobauern der Welt.

Der Elektroanteil bei den verkauften Autos soll bei Porsche im Jahr 2025 etwa 50 Prozent erreichen. Fehlt da nicht ein wesentlicher Baustein: die eigene Fertigung von Batteriezellen in Deutschland?
Sie sprechen da ein wichtiges Thema an. Auch ich bin dafür, dass wir die Batteriezellen bei uns in Deutschland produzieren sollten. Im Volkswagen-Konzern haben wir uns dazu entschieden, das Thema zusammen mit unserem schwedischen Partner Northvolt selbst in die Hand zu nehmen. Damit können wir in der Batterietechnologie absolut vorn mit dabei sein, gerade wenn es in Zukunft weiteren technologischen Fortschritt wie in Richtung der Feststoffzellen geben sollte.

Haben die deutschen Hersteller die Entwicklung bei den Batteriezellen verschlafen?
So etwas kann man hinterher immer behaupten. Die heutigen Marktführer aus Korea und Japan sind in den 90er-Jahren aus einer ganz anderen Motivation heraus an das Thema Zelltechnik herangegangen. Damals ging es nämlich in erster Linie um die Versorgung der Unterhaltungselektronik mit Batterien. In einem technologisch führenden Land wie Deutschland muss es auch unser Anspruch sein, dass wir ebenfalls auf diesem Feld eine wichtige Rolle einnehmen. Und ich denke, dass wir das auch schaffen werden.

Die Digitalisierung ist ein anderes wichtiges Thema für die gesamte Automobilbranche. Wie sieht es bei Porsche mit Cybersicherheit aus?
Lassen Sie mich in zweierlei Hinsicht antworten. Bei der Digitalisierung müssen wir uns auf die wesentlichen Sachen konzentrieren, man kann sich da ganz schnell verzetteln. Dann müssen wir dafür sorgen, dass wir dafür die richtigen Menschen an Bord haben. Unsere Mitarbeiter müssen also qualifiziert werden, wir wollen sie für die Digitalisierung begeistern. Denn die Digitalisierung bietet Chancen, wir wollen damit wachsen und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Nur wenn man den Mut hat, nach vorn zu gehen, wird man auch etwas erreichen. Wenn man alles schlechtredet, kommt am Ende nicht viel heraus. Das ist eine Einstellung wie im Sport, mit diesem Selbstbewusstsein muss man da hineingehen.

Und was ist mit der Cybersicherheit?
Solche Themen gehören auch dazu, keine Frage. Datenschutz und Datensicherheit spielen eine wesentliche Rolle. Dafür haben wir bei Porsche insbesondere unsere Digital-Labors gegründet. Unser Lab in Tel Aviv kümmert sich im Wesentlichen um das Thema Datensicherheit. Dort finden wir dafür die besten Experten der Welt.

Anfang November gibt es im Kanzleramt den nächsten Autogipfel zur E-Mobilität. Was muss auf diesem Treffen erreicht werden?
Die wichtigste Aufgabe besteht darin, dass wir alle Aktivitäten wie in einem Unternehmen organisieren. Heute haben wir noch einen riesigen Flickenteppich, wo Verantwortlichkeiten nicht klar sind. Es gibt keine einheitliche Agenda, das Ganze gemeinsam durchzuziehen. Baden-Württemberg ist ein Beispiel, wie man es machen sollte: Hier haben wir bereits eine klare Aufgabenteilung erreicht. Mit unserem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann war ich kürzlich in Berlin, wo wir uns mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier zusammengesetzt haben. Dabei haben wir darüber gesprochen, wie wir das Thema vernünftig organisiert bekommen. Beim Treffen im Kanzleramt muss es also darum gehen, eine klare Organisation aufzustellen. Bürokratische Hürden müssen abgebaut werden. Immer wieder verfranzen wir uns wegen der unterschiedlichen Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen.

Tesla-Chef Elon Musk war vor zwei Jahren im Kanzleramt und hat zwei Autos für Testfahrten dort gelassen. Haben Sie Ähnliches mit dem neuen Taycan versucht?
Auf der IAA hat Frau Merkel uns gesagt, dass sie sich keinen Taycan kaufen würde. Das ist erst einmal ein Statement, das man so stehen lassen muss. Aber vielleicht werde ich später noch einmal einen Versuch starten. Der Taycan könnte andererseits aber auch eine Sache für Behörden sein, denken Sie beispielsweise an Polizeifahrzeuge. Ich werde an allen Ecken dafür werben, dass die Elektrofahrzeuge überall eingesetzt werden.

Zum Schluss etwas anderes: Porsche wird in einer neuen Rennserie antreten, der elektrischen Formel E. Wann ist da Premiere?
Das geht im November los, wir sind schon sehr gespannt. Natürlich haben wir nicht die Erwartung, dass wir gleich im ersten Jahr vorn mitfahren werden. Aber wie es sich für Porsche gehört, haben wir mittelfristig den Anspruch, dort, wo wir auf die Rennstrecke gehen, am Ende auch zu gewinnen. Technologisch ist das für uns eine Herausforderung. Die Mannschaft brennt jetzt darauf, in die Formel E einzusteigen. Mit unserem GT-Motorsport wollen wir natürlich auch noch weitermachen. Dort liegt das sportlich erfolgreichste Jahr in der Porsche-Geschichte hinter uns. Wir haben alle Titel in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und in den USA gewonnen, das gab es noch nie. Mit der Formel E erreichen wir bei Porsche eine schöne Balance im Motorsport, also mit Verbrennern und mit E-Fahrzeugen.

Wie viel Geld steckt Porsche da hinein?
Deutlich weniger als bei den Langstreckenrennen. Es ist ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag. Das ist alles noch überschaubar, wenn man es mit der Formel 1 vergleicht, wo es mit 300 Millionen Euro erst losgeht.

Herr Blume, vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare (1)

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Herr Mark Hartmann

28.10.2019, 15:58 Uhr

"Die Dieselaffäre hat diese Entwicklung deutlich beschleunigt."... es muss jetzt wirklich Klartext gesprochen werden. Wir wandeln uns im Sinne unseres Planeten Mutter Erde. Wir sollten uns doch endlich im Klaren werden, dass unsere Zukunft auf Erden von dem Klimaschutz direkt abhängt. Da muss jeder mitziehen, damit die Uhr der Wetterextreme nicht noch schneller tickt. Und es geht um unsere Gesundheit. Smogverdreckte Luft ist für Niemanden von Vorteil. Der Umbau zur Elektromobilität beginnt und es müssen sich neue Technologien durchsetzen, welche die beste Alternative sind für den Verbraucher. PORSCHE ist gut aber sollte noch besser werden. Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch - das ist auch für die Berliner Neutrino Energy Group vollkommen klar. Allerdings werden Zwischenstopps an den Ladesäulen demnächst der Vergangenheit angehören. Die Autos der Marke Pi beziehen ihre Energie aus Energiewandlern, die diese aus Strahlung gewinnen. Dabei geht es um sehr leichte Elektrofahrzeuge, deren Karosserie nicht aus Aluminium besteht, sondern aus Karbon. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht, sondern ermöglicht auch die problemlose Integration der Energiewandler. Somit kann der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Der griechische Buchstabe Pi wurde als Markenname gewählt, weil er für Unendlichkeit steht. So wie Fotovoltaikanlagen Strom aus dem sichtbaren Licht gewinnen, wandelt die Neutrino-Voltaik nicht-sichtbare Strahlung in Energie um. Damit ergibt sich ein bedeutender Vorteil: diese Energiegewinnung ist nicht vom Tageslicht abhängig. Die extrem kleinen, hochenergetischen Teilchen stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, an jedem beliebigen Ort zur Verfügung. Das wird eine günstige und saubere Alternative. Herr Blume sollte davon wissen.

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