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12.05.2022

13:25

Hauptversammlung

Volkswagen: Teile aus der Ukraine kommen wieder zuverlässig

Von: Stefan Menzel

VW gibt Entwarnung: Durch den Ukrainekrieg würden keine weiteren Produktionsstörungen ausgelöst. Auf der Hauptversammlung wirbt Vorstandschef Diess für das Modell der Globalisierung.

Volkswagen-CEO Herbert Diess warnte auf der virtuellen HV vor einem Aufbrechen der Weltwirtschaft in mehrere Blöcke. IMAGO/sepp spiegl

VW-Hauptversammlung

Volkswagen-CEO Herbert Diess warnte auf der virtuellen HV vor einem Aufbrechen der Weltwirtschaft in mehrere Blöcke.

Düsseldorf Der VW-Konzern erwartet keine neuen Probleme bei der Teileversorgung wegen des Ukrainekriegs. „Wir gehen davon aus, dass sich die Versorgungssituation auch bei einem länger anhaltenden Krieg normalisieren wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess am Donnerstag auf der virtuellen Hauptversammlung des Wolfsburger Autoherstellers. Volkswagen profitiere zudem von seiner „guten Auftragslage“.

Unmittelbar nach Kriegsausbruch Ende Februar mussten verschiedene Zulieferer ihre Produktion von Kabelbäumen in der Ukraine einstellen. In der Folge ruhte die Fertigung bei deutschen Autoherstellern, allen voran bei Volkswagen. Schätzungsweise 100.000 Fahrzeuge konnten deshalb nicht produziert werden.

Inzwischen haben die meisten Zulieferer die Arbeit in der Ukraine wieder aufnehmen können. Außerdem haben die Autohersteller zusammen mit ihren Lieferanten eine Ersatzproduktion in anderen europäischen Ländern aufgebaut, um auf mögliche neue Notsituationen vorbereitet zu sein.

„Die Versorgungsengpässe konnten wir kurzfristig ausgleichen“, fasste Konzernchef Diess die Entwicklung zusammen. Deshalb habe Volkswagen auch an seinem Renditeausblick für das laufende Jahr festgehalten.

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    2022 kalkuliert der Wolfsburger Autohersteller mit einer operativen Marge in einem Intervall zwischen sieben und 8,5 Prozent. Das bedeutet auch, dass sich die VW-Aktionäre auf keine neuen Einschnitte einstellen müssen. Der Konzern hält an seinem ursprünglichen Dividendenvorschlag fest: 7,50 Euro gibt es für die Stammaktie, 7,56 Euro für die stimmrechtslose Vorzugsaktie. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    VW-Chef Diess zur Weltwirtschaft: Keine neue Blockbildung zulassen

    Vorstandschef Diess rief zugleich dazu auf, am Modell der Globalisierung und am Prinzip „Wandel durch Handel“ festzuhalten. Eine neue Blockbildung könne nicht die Antwort auf den Ukrainekrieg und die Auseinandersetzungen mit Russland sein. „Die Verflechtung der Wirtschaftsräume sorgt dafür, dass wir miteinander reden. Globale Herausforderungen wie die Klimakatastrophe können wir nur gemeinsam lösen“, betonte der VW-Chef.

    Als starke Exportnation habe insbesondere Deutschland immens von der Globalisierung profitiert. Sie führe zu Wohlstand und zu technologischem Fortschritt. Die Bundesrepublik sei abhängig von offenen Märkten und freiem Handel. „Unsere Wirtschaftskraft hat uns in den vergangenen Jahrzehnten eine gewichtige Stimme in der Welt verliehen“, ergänzte er.

    Volkswagen will seinen E-Auto-Absatz, etwa mit dem Modell ID.4, in China deutlich ausbauen. imago images/VCG

    VW-E-Auto in China

    Volkswagen will seinen E-Auto-Absatz, etwa mit dem Modell ID.4, in China deutlich ausbauen.

    Volkswagen wolle deshalb selbst an der Globalisierung festhalten, gerade auch in China, dem wichtigsten Absatzmarkt des Wolfsburger Autoherstellers. Die Volksrepublik bleibe unverändert der „Automarkt der Zukunft“. Mit dem Ausbau der Fertigung von Elektromodellen wolle der VW-Konzern seine Position als Marktführer in China verteidigen.

    Als weiteren wichtigen Absatzmarkt hat Volkswagen die USA identifiziert. Bis zum Jahr 2030 wollen die Wolfsburger ihren Marktanteil von aktuell rund vier auf zehn Prozent ausbauen. Dafür investiert der Konzern in den kommenden fünf Jahren mehr als sieben Milliarden Euro. „Die Elektrifizierung bietet auch die Gelegenheit, in den USA in den Pick-up-Markt einzusteigen“, betonte Diess. Am Mittwoch hatte Volkswagen angekündigt, dass von 2026 an eine neue Pick-up- und SUV-Modellreihe in den Vereinigten Staaten produziert werde.

    Strategisch sieht Diess den VW-Konzern richtig aufgestellt. „Unsere Weichenstellungen zeigen Erfolg“, sagte der Vorstandschef. Volkswagen sei bei Elektrifizierung und bei Digitalisierung auf dem richtigen Weg. Rund 450.000 rein elektrisch angetriebene Autos hatte der Konzern im vergangenen Jahr weltweit verkauft. 2022 soll diese Zahl verdoppelt werden. Volkswagen komme zudem gut damit voran, eine starke eigene Software-Kompetenz aufzubauen.

    VW will beim Verkauf von Elektroautos bald so profitabel sein wie im Geschäft mit Verbrennern. „Wir gehen davon aus, dass das Geschäft mit der E-Mobilität schon früher als geplant so profitabel sein wird wie unser Verbrennergeschäft“, kündigte Diess an. Der Konzern könne sein Baukastensystem auf immer mehr Modelle ausrollen. VW hatte bislang angekündigt, in zwei bis drei Jahren mit E-Autos so viel zu verdienen wie mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren.

    Kritik an Auflösung des Diesel-Ausschusses

    Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch sagte auf der Hauptversammlung, dass der Konzern den im Herbst 2015 gebildeten Sonderermittlungs-Ausschuss „Diesel“ aufgelöst habe. Zur Begründung führte Pötsch an, dass die zivilrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Affäre abgeschlossen seien.

    Kritik an dieser Entscheidung kam aus dem Kreis der Aktionäre. Christian Strenger, langjähriger Chef des zur Deutschen Bank gehörenden Vermögensverwalters DWS, sprach von einer „Fehleinschätzung“. Die Dieselermittlungen bei Volkswagen könnten noch lange nicht eingestellt werden.

    Auch an anderer Stelle ist die Dieselaffäre für VW noch nicht abgeschlossen. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern einen Vergleich mit dem früheren Vorstandschef Martin Winterkorn, Ex-Audi-Chef Rupert Stadler und anderen ehemaligen Vorständen getroffen. Sie leisten Schadensersatz für den Dieselskandal in Höhe von fast 290 Millionen Euro. Den Großteil davon, rund 270 Millionen Euro, übernehmen Manager-Haftpflichtversicherungen.

    Nach Angaben von Aufsichtsratschef Pötsch sind gegen diesen Vergleich noch zwei Aktionärsklagen anhängig. Volkswagen halte jedoch an seiner Rechtsposition fest. „Der Vergleich ist trotzdem wirksam“, so Pötsch. Die früheren Volkswagen-Vorstände hätten inzwischen auch schon gezahlt.

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