MenüZurück
Wird geladen.

19.06.2019

17:14

Herbert Diess

Der VW-Chef kennt keine Furcht vor den Fernsehkameras

Von: Stefan Menzel

Herbert Diess besucht gern deutsche Fernseh-Talkshows. Bei Markus Lanz erklärt er die VW-Wende zum umweltgerechten Hersteller von Elektroautos.

Der Volkswagen-Konzernchef sieht bei der Elektrotransformation mehr Chancen als Risiken. ZDF

Herbert Diess im ZDF

Der Volkswagen-Konzernchef sieht bei der Elektrotransformation mehr Chancen als Risiken.

DüsseldorfSo mancher deutsche Konzernchef tut sich schwer mit publikumswirksamen Auftritten im Fernsehen. Zu groß ist die Gefahr, einen unverzeihlichen Fehler vor laufenden TV-Kameras zu machen. Was die eigene Rechtsabteilung nicht vorab mehrfach auf Herz und Nieren geprüft hat, sollte besser nicht sofort auf Sendung gehen.

Ganz anders Herbert Diess. Schon mehrfach hat der Konzernchef von Volkswagen unter Beweis gestellt, dass er keine große Scheu vor dem Medium Fernsehen besitzt. Diess hat praktisch schon alle wichtigen deutschen Talk-Show-Formate mit einem Auftritt bedacht. Er war Gast von Maybritt Illner, Anne Will, Frank Plasberg – und am Dienstagabend stattete er Markus Lanz im ZDF einen gut einstündigen Besuch ab.

„Es ist wichtig, dass wir unser Gesicht zeigen“, begründet Herbert Diess seinen erneuten Auftritt im Fernsehen. Es sei wichtig, dass sich ein Unternehmen wie Volkswagen an der politischen Diskussion beteilige.

Natürlich kommt eine Talk-Show mit dem aktuellen VW-Chef nicht ohne Verweis auf die Dieselaffäre aus. Herbert Diess lässt sich dabei nicht aufs Glatteis führen. Gekonnt und routiniert umschiffte er jeden potenziell gefährlichen Einwand von Moderator Lanz.

Diess begründet nachvollziehbar, warum sich eine Hardware-Nachrüstung für ältere Dieselfahrzeuge nicht lohnt. Bei anderen Automanagern hätte es in dieser Situation möglicherweise Protestrufe gegeben. Nicht aber bei Herbert Diess. Er schafft es, die Sympathien des Studiopublikums für sich zu gewinnen.

Vielleicht liegt das auch an einer gewissen Ehrlichkeit, die er vor den laufenden Kameras an den Tag legt. Denn das Eingeständnis in Sachen Diesel ist klar und deutlich: „Das, was wir gemacht haben, war Betrug.“ Diess dürfte es leichter fallen als anderen VW-Managern, solch einen Satz zu sagen. Denn erst vor vier Jahren ist er nach Wolfsburg gekommen. Als dort in den Entwicklungsabteilungen die Dieselmanipulationen ersonnen wurden, arbeitete Herbert Diess noch bei BMW.

Der VW-Chef präsentiert sich bei Markus Lanz vor allem als Mann der Zukunft mit einer völlig neuen Strategie. Volkswagen lässt die Fehler und die Manipulationen aus der Vergangenheit hinter sich – jetzt konzentriert sich der Konzern auf seine Transformation zum weltweit wichtigsten Hersteller von Elektroautos.

„Für viele unserer Kunden wird das Elektroauto genau die richtige Wahl sein“, sagt der Volkswagen-Chef. Auch im Hinblick auf die Energiebilanz gebe es nichts Besseres als ein batteriegetriebenes Fahrzeug. Sogar im Vergleich mit Brennstoffzelle und Wasserstoff schneide das Batterieauto positiver ab. Die Reichweite seiner neuen Generation von E-Fahrzeugen habe Volkswagen soweit verbessert, dass es von den Kunden darüber keine Klagen mehr geben dürfte.

Keine Berührungsängste zu den Grünen

Herbert Diess kommt nicht als Chef eines Unternehmens daher, das vor nicht allzu langer Zeit noch wegen seiner Dieselmanipulationen öffentlich beschimpft wurde. Der VW-Chef wird fast zu einem grünen Parteivertreter, wenn er davon spricht, dass sein Unternehmen den Klimawandel sehr ernst nehme. „Das ist vielleicht die größte Bedrohung der Menschheit“, fügt er hinzu.

Mit dem Elektroauto leiste der VW-Konzern seinen Anteil dazu, die Klimaerwärmung und den überhöhten Kohlendioxid-Ausstoß zu stoppen.

Überhaupt die Grünen. Zu Deutschlands aktuell erfolgreichster politischer Partei kennt Herbert Diess keine Berührungsängste. „Wir haben eigentlich gute Beziehungen zu den Grünen“, sagte er bei Lanz. VW und Grüne verfolgten die gemeinsame Zielsetzung, das Elektroauto dauerhaft zu etablieren.

Zu einzelnen grünen Politikern habe er persönlich ein gutes Verhältnis: Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg, mache eine ordentliche Arbeit. Auch einen grünen Verkehrsminister würde Diess akzeptieren: „Ich habe keine Angst vor den Grünen.“

Herbert Diess gibt sich vor den TV-Kameras als grundsätzlich positiver Mensch. Der Umbau des Volkswagen-Konzerns zu einem Elektrohersteller sei zwar mit Risiken wie einem größeren Arbeitsplatzbau verbunden. Doch solche einschneidenden Veränderungen böten immer auch neue Chancen mit der Aussicht auf ein am Ende besseres Ergebnis. „Ich schlafe gut“, sagt er.

Der VW-Konzern könne den Wandel bewältigen. Und die Autos würden sauberer und sicherer als heute. Volkswagen soll auch bei der Elektromobilität zum weltweiten Marktführer werden. Japanische Konkurrenten schwenkten erst jetzt auf Batterieautos um, in den USA gebe es auf diesem Feld nicht viel außer Tesla. „Wir sind damit also nicht zu spät“, betont Diess, „die deutsche Automobilindustrie hat dabei nicht geschlafen.“

Der Besuch bei Markus Lanz hat für Diess ein gutes Ende genommen. Er verspricht, in einem Dreivierteljahr wieder zu kommen, um dann eine Zwischenbilanz in Sachen Elektromobilität zu ziehen.

Nach der Sendung herrscht auch Zufriedenheit auf den Konzernfluren in Wolfsburg. „Das hat er gut gemacht“, sagt ein VW-Manager über den Fernsehauftritt des eigenen Vorstandsvorsitzenden. Also dürfte einem weiteren Auftritt tatsächlich nichts im Wege stehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×