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09.09.2019

16:19

Hildegard Wortmann

Neue Audi-Vorständin Hildegard Wortmann will Modellpalette entschlacken

Von: Markus Fasse

Von BMW in den Audi-Vorstand: Die Marketingexpertin steht für einen Wandel in der Industrie und will die VW-Tochter zu alter Stärke zurückführen.

„Die Entscheidungen werden noch in diesem Jahr getroffen.“ – Die Audi-Vorständin zur Zukunft der Sportwagen TT und R8. Audi

Hildegard Wortmann

„Die Entscheidungen werden noch in diesem Jahr getroffen.“ – Die Audi-Vorständin zur Zukunft der Sportwagen TT und R8.

München Viel länger hätte man sie wahrscheinlich nicht warten lassen dürfen. Ende 2018 gab Hildegard Wortmann Hausausweis und Diensthandy ab, löschte ihr BMW-Postfach. Ein halbes Jahr dauerte die Auszeit, doch nun sitzt Hildegard Wortmann in ihrem neuen Büro in Ingolstadt und bereitet sich auf die Automesse IAA vor. „Ich freue mich den ganzen Tag, dass ich hier etwas Neues anfangen kann“, sagt Wortmann im Gespräch mit dem Handelsblatt.

21 Jahre war sie bei BMW, leitete das Marketing und stand kurz vor dem Einzug in den Vorstand. Doch dann bekam ein Externer den Vorzug, der branchenfremde Philips-Manager Pieter Nota. Wortmann ging nach Singapur und übernahm den Vertrieb für Südostasien. Auf dem Außenposten erreicht sie die Anfrage des Konkurrenten Audi: Zentrale statt Peripherie, Gestalten statt Umsetzen, lautete das verlockende Angebot.

Seit dem 1. Juli leitet die 52-Jährige das Vorstandsressort für Vertrieb und Marketing. Es ist eine Personalie mit Signalcharakter. Wortmann ist nicht nur vom großen Konkurrenten aus München gekommen. Sie ist überhaupt die erste Frau im Audi-Vorstand.

Die Aufgabe könnte größer nicht sein. Seit 2015 ist Audi das Epizentrum der Dieselkrise, die Moral ist angeknackst, der Absatz im Sinkflug. Und nun stehen auch noch die SUVs in der gesellschaftlichen Kritik, jenes Fahrzeugsegment, das bei Audi besonders gut läuft.

Nach der Verhaftung von Rupert Stadler führt der Niederländer Bram Schot den Audi-Vorstand, wirbt um das Vertrauen der Wolfsburger Konzernmutter und der rund 90.000 Beschäftigten. „Die Situation spornt mich echt an, hier etwas zu bewegen“, sagt Wortmann. „Die Chance liegt in der großen Gestaltungsfreiheit, die man in anderen Unternehmen vielleicht nicht hat.“

Keine mitgebrachten Vertrauten

Sie hat keine Vertrauten mitgebracht, ihr Netzwerk bei Audi muss sie sich aufbauen. Zwar finden sich in Ingolstadt einige ehemalige BMW-Manager, und VW-Boss und Audi-Aufsichtsratschef Herbert Diess hat lange mit Wortmann zusammengearbeitet.

Ließen sich Martin Winterkorn und Rupert Stadler noch mit „Herr Professor“ anreden, so wird Schot im Unternehmen einfach nur „Bram“ gerufen. Wortmann kommt dieser Wandel entgegen. Mit ihren Assistentinnen ist sie auf Du.

Sie hat die Audi-Märkte USA und England bereits besucht, vor der IAA tourte sie noch kurz durch China. Vor Ort bestimmt sie die Agenda: Treffen mit „Young Talents“, Gespräche mit Händlern, offen und möglichst ohne Powerpoint. „Vertrauen ist die schönste Form von Mut“ erklärt sie ihr Vorgehen.

Wortmann ist Marketingspezialistin, auch in eigener Sache. Sie beherrscht die große Bühne, als Westfälin aber auch den bodenständigen Schnack. Das hilft, Zugänge zu legen in einer Welt, in der bislang vor allem Männer festlegen, wie ein Autokonzern funktioniert. Wortmann hat bei BMW damit begonnen, diese Regeln aufzubrechen und sich dabei nicht nur Freunde gemacht. Ihre Karriere begann die studierte Betriebswirtin bei Unilever.

Dort lernt man in gesättigten Märkten Speiseöl oder Bodylotion zu verkaufen. Bei BMW half sie, die Kleinwagentochter Mini wiederzubeleben. Der Erfolg der britischen Kultmarke gilt in der Branche als Meilenstein der Markenführung. Mini-Kunden zahlen viel Geld für ein Lebensgefühl.

Das ist auch bei Audi wieder das Ziel. Nicht nur der Dieselskandal hat die Marke beschädigt. Die Ingolstädter haben sich bei der Jagd auf BMW und Mercedes verzettelt, zu viele Nischen besetzt und ihre Linie verloren. „Das alte Autoquartett funktioniert nicht mehr“, sagt Wortmann. „Wir müssen konsequenter rausschneiden, was der Kunde nicht mehr nachfragt. Nicht jedes Modell braucht einen Nachfolger.“

Konkret geht es beispielsweise um die Frage, ob die beiden Sportwagenikonen TT und R8 noch weitergeführt werden. „Die Entscheidungen werden noch in diesem Jahr getroffen“, stellt Wortmann klar.

Früher als die Konkurrenz hat Audi mit dem e-tron ein Elektro-SUV auf dem Markt. Dass auch bei Audi bald jedes zweite Auto ein SUV ist, stört sie weniger. Man könne die Kunden nicht erziehen, lautet ihre Antwort zu der aktuellen Debatte.

Wichtig sei es, die Autos möglichst schnell auf Elektroantrieb umzuschalten. Wie einst Quattro bei Allrad soll die Submarke e-tron für Audi stilbildend für die kommenden Jahre werden. Konzernchef Schot hat das Tempo in der Elektromobilität zu Beginn des Jahres noch einmal angezogen. Klingt nach einem Plan, auf den man in Ingolstadt schon lange gewartet hat.

Mehr: Eine Antwort der Bundesregierung zeigt: Audi hat anscheinend noch keine freigabefähigen Software-Updates entwickelt. Das Kraftfahrt-Bundesamt sieht tatenlos zu.

Kommentare (1)

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Herr Matthias Moser

09.09.2019, 19:18 Uhr

Da hat die Dame viel zu tun. Audi hat sich auch völlig (in jede Nische) verzettelt und bietet in manchen Modellreihen zu viel, in anderen zu wenige Motorenalternativen an. Auch das Design gehört auf den Prüfstand. Nicht zuletzt muss die Geometrie der Fahrzeuge angepackt werden. Wenn Autos so breit sind, daß ich nicht mehr fair parken kann, stimmt was nicht.

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