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17.06.2021

09:54

Impact-Investing

Nico Rosberg: „Ich möchte mich stark im Food-Bereich als Investor engagieren“

Von: Axel Höpner

PremiumDer ehemalige Formel-1-Weltmeister hat in verschiedene nachhaltige Start-ups investiert. Gemeinsam mit Seriengründer Marco Voigt will er mit dem Greentech Festival grüne Technologien fördern.

Nach seinem Rücktritt als Sportler hat Rosberg in Start-ups wie den Elektro-Flugtaxihersteller Lilium, den Mobilitätsanbieter Lyft, den Klimaspezialisten Planetly und den Ladestationen-Spezialisten Chargepoint investiert. TOM ZIORA

Nico Rosberg

Nach seinem Rücktritt als Sportler hat Rosberg in Start-ups wie den Elektro-Flugtaxihersteller Lilium, den Mobilitätsanbieter Lyft, den Klimaspezialisten Planetly und den Ladestationen-Spezialisten Chargepoint investiert.

München Auch wenn die Formel 1 bis 2030 klimaneutral werden möchte: Als besonders nachhaltige Sportart ist die Motorsportserie nicht gerade bekannt. „Auch die Formel 1 muss sich weiterentwickeln“, sagt Ex-Weltmeister Nico Rosberg deswegen. „Doch das tut sie auch.“ In der Rennsportserie würden Themen wie Hybridmotoren und Biosprit vorangetrieben.

Auch Rosberg selbst hat sich weiterentwickelt. Nach seinem Rücktritt als Sportler hat er in Start-ups wie den Elektro-Flugtaxihersteller Lilium, den Klimaspezialisten Planetly und den Ladestationen-Spezialisten Chargepoint investiert.

Dass Rosberg nun in dieser Woche Mitveranstalter des Greentech Festivals in Berlin ist, hat viel mit Marco Voigt zu tun. Der Kompagnon hatte einst unter anderem den privaten Postdienstleister PIN gegründet und versteht sich schon seit mehr als 20 Jahren als grüner Unternehmer.

2018 verlieh er Rosberg für seine Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität einen GreenTec Award. Dies war die Basis einer fruchtbaren Partnerschaft. Voigt verfügt über ein enges Netzwerk und Erfahrung im grünen Marketing. Im Gegenzug steigt durch die Prominenz Rosbergs die Attraktivität des Greentech Festivals.

Mit der Veranstaltung, die bereits zum dritten Mal in Berlin stattfindet, wollen die beiden grüne Technologien wie Wasserstoff und Elektromobilität voran- und Unternehmen sowie Investoren zusammenbringen. Viel Prominenz hat sich angesagt, von FDP-Chef Christian Lindner über Schauspieler Robert Redford bis zu Fußball-Weltmeister Mario Götze.

Erstmals fand die Veranstaltung 2019 statt. Das Festival mit Messe, Diskussion und Preisverleihung zog auf Anhieb 35.000 Besucher an.

In diesem Jahr wurde das Festival als eine der ersten größeren Veranstaltungen in Berlin in der Corona-Pandemie angesichts sinkender Inzidenzzahlen wieder zugelassen – als Hybrid mit Live- und Video-Events. Die Organisation war unter diesen Bedingungen nicht einfach, doch die Initiatoren sind froh, dass die Veranstaltung überhaupt möglich ist.

„Ich bin der Mobilitätsweltmeister“

Das Thema liegt im Trend. Auf dem Festival wollen die beiden vor allem zeigen, dass der Kampf gegen den Klimawandel auch eine Chance ist. „Wer Nachhaltigkeit erreichen will, muss die Menschen positiv mitnehmen“, sagt Voigt. Die Situation bessere sich zwar, doch werde in Deutschland noch immer zu negativ über neue Technologien gesprochen.

Auch Rosberg ist überzeugt: „Der Wandel in Richtung Nachhaltigkeit und grüne Technologien ist die größte Chance für uns, den Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln.“ Für den Export seien Themen wie Wasserstoff und nachhaltige Ernährung eine „Riesenchance“.

Rosberg hatte nach seiner Rennfahrerkarriere die Entwicklungsfirma TRE (Team Rosberg Engineering) von seinem Vater übernommen und gemeinsam mit Schaeffler auch schon selbst ein Elektroauto entwickelt.

Zudem gründete er das Team „Rosberg X-Racing“. Im April siegte dieses beim Auftaktrennen einer Elektro-Offroad-Serie in Saudi-Arabien und gewann auch den zweiten Wettbewerb.

Schon Vater Keke Rosberg war Formel-1-Weltmeister. Sohn Nico startete 2006 in der Königsklasse des Rennsports. Von 2010 bis 2016 fuhr er für Mercedes. Als er in seinem letzten Jahr als dritter deutscher Fahrer die Weltmeisterschaft gewann, trat er auf dem Höhepunkt des Erfolgs ab.

Voigt hatte seine Karriere unter anderem als Ingenieur bei Porsche gestartet. Nach dem Ausstieg bei PIN beriet er unter anderem die EU und Bundesministerien in Sachen Nachhaltigkeit. Die „Greentec Awards“ – heute Green Awards –, die bereits vor dem Greentech Festival existierten, verlieh er erstmals 2008. Die Preise werden in diesem Jahr in den Kategorien Impact, Start-up, Innovation und Youngster verliehen.

Zu Voigts Gründungen als Unternehmer gehört unter anderem die Eventagentur Act Green, die App Findervest, die Investoren und Start-ups zusammenbringt und die auch beim Festival eingesetzt wird, und die Kommunikations- und Markenagentur Green Window. Zuletzt war er in diesem Jahr Mitgründer des Food-Start-ups Delisch, das auf heimische Bioprodukte spezialisiert ist.

Gemeinsam haben die beiden Unternehmer das Greentech Festival ins Leben gerufen. Tom Ziora

Nico Rosberg (l.) und Marco Voigt

Gemeinsam haben die beiden Unternehmer das Greentech Festival ins Leben gerufen.

Zudem investiert Voigt seit einiger Zeit als Business-Angel. Sogenannte Impact-Investments, die nicht nur Rendite erzielen, sondern auch einen gesellschaftlichen Nutzen liefern sollen, liegen im Trend.

Laut neuestem Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen, das unter anderem von den Fondsgesellschaften Union Investment und Deka unterstützt wird, lag der Marktanteil nachhaltiger Fonds zwar zuletzt erst bei fünf Prozent.

Der Trend geht aber stark nach oben. Allein im Jahr 2019 hat sich das Anlagevolumen privater Investoren auf 18,3 Milliarden Euro fast verdoppelt. Bei Institutionellen gab es ein Plus von 27 Prozent auf 154,3 Milliarden Euro.

Rosberg ist unter anderem bei Beneto Foods (Pasta aus Grillenmehl) und Nu Company (vegane Snacks) investiert. „Ich möchte mich stark im Food-Bereich als Investor engagieren“, sagt er. „Das ist ein Thema, das ich auch mit meiner Familie teilen kann.“

CO2-neutrales Bier entwickelt

Der Unternehmer, Investor und Festival-Initiator Rosberg ist überzeugt davon, dass beim Impact-Investing beides gelingen kann: gute Renditen zu erzielen und etwas Gutes zu bewirken. Im vergangenen Jahr hätten nachhaltige Unternehmen den US-Index S&P 500 geschlagen.

Für seine eigenen Investments hat Rosberg eine Software entwickelt, die den CO2-Fußabdruck von Unternehmen und die Bereitschaft, ihn zu verringern, analysiert. „Mit diesem Filter will ich immer einen Schritt voraus sein.“

Für das Festival hat Voigt sogar ein eigenes, CO2-neutrales Bier entwickeln lassen. „Wir wollen zeigen, dass man ein positives Lebensgefühl haben und trotzdem Gutes tun kann“, sagt der Unternehmer.

Das Bier wird von Elektro-Trucks von MAN durch die Hauptstadt gefahren. Denn entscheidend sei es, ist Voigt überzeugt, nicht nur kleine und innovative Start-ups für das Thema Nachhaltigkeit zu gewinnen. „Am Ende können die Konzerne den größeren Hebel bereitstellen.“

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