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13.09.2021

18:53

Industrie-Automatisierung

Coboworx sammelt Millionen ein: „Kann eine Multi-Milliarden-Company werden“

Von: Axel Höpner

Auch Alexander Samwers Beteiligungsgesellschaft Picus Capital investiert in das Start-up. Gründer Olaf Gehrels will den kollaborierenden Robotern zum Durchbruch verhelfen.

Die Gründer wollen Roboter-Ökosysteme anbieten und so den Cobots zum Durchbruch verhelfen. Coboworx

Ralf Zeisberger, Olaf Gehrels, Klaus Wagner und Georg Matheus

Die Gründer wollen Roboter-Ökosysteme anbieten und so den Cobots zum Durchbruch verhelfen.

München Geht es nach Olaf Gehrels, könnte der ersehnte Durchbruch der kollaborierenden Roboter im Mittelstand kurz bevorstehen. „In zehn Jahren wird ein Roboter das sein, was heute das Smartphone ist“, sagte der Mitgründer des Start-ups Coboworx dem Handelsblatt. Sein Unternehmen wolle einen entscheidenden Teil dazu beitragen, dass die sogenannten Cobots – Roboter, die Seite an Seite mit Menschen arbeiten – zu einem ganz selbstverständlichen Helfer für kleine und mittelständische Betriebe werden.

Investoren konnte Gehrels schon einmal von seiner Vision überzeugen. In einer Seed-Finanzierungsrunde unter Führung der von Alexander Samwer finanzierten Beteiligungsgesellschaft Picus Capital und der Technologieholding Team Global sammelte das Unternehmen 4,5 Millionen Euro ein. Mit dabei sind außerdem Paua Ventures und Business Angels wie Rubin Ritter (Zalando) und Florian Huber (united-domains.de).

Für Picus Capital ist es das erste Engagement im Cobot-Segment, auf dem in der Industrie viele Hoffnungen ruhen. „Wir haben uns bestimmt 100 Robotikfirmen angesehen“, sagte Picus-Mitgründer Robin Godenrath. Der Markt biete „riesiges Potenzial“, weil kleine und mittelständische Betriebe meist noch gar keine Roboter im Einsatz hätten. Viele Anbieter konzentrierten sich nur auf einzelne Komponenten. Daher setze Picus auf Coboworx, das die Integration in ein breites Ökosystem biete. „Das kann eine Multi-Milliarden-Company werden“, sagt Godenrath. Picus schaue sich zudem nach weiteren Investments im Robotikbereich um.

Coboworx wurde 2019 gegründet. Gehrels hat unter anderem schon für die Branchenriesen Fanuc und Midea gearbeitet. Mitgründer sind außerdem Klaus Wagner, Georg Matheus und Ralf Zeisberger – auch sie haben jahrzehntelang Erfahrung in der Robotik gesammelt.

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    Das Unternehmen entwickelt prozessfertige Roboterzellen, die besonders einfach installiert werden können. Für eine Palettier-Aufgabe gibt es dann zum Beispiel eine App, mit der der Roboter sehr leicht auf die Tätigkeit umgestellt werden kann. Auch ist der Austausch des Greifers am Roboterarm mit einem Handgriff möglich. Roboworx will zudem Lösungen anderer Anbieter wie zum Beispiel den Trace-Pen des Dresdener Start-ups Wandelbots integrieren.

    „Wir entwickeln einen Baukasten, den der Kunde sehr einfach seinen Bedürfnissen anpassen kann“, sagt Mitgründer Wagner. Viele kleinere Unternehmen hätten noch gar keine Erfahrung mit dem Einsatz von roboterbasierten Automatisierungslösungen. Auf der Bedieneroberfläche solle nur die Anwendung zu sehen sein, die wirklich gebraucht werde. An die begleitende Softwareplattform sollen sich externe Entwickler einfach andocken können, zum Beispiel mit eigenen Apps.

    Cobots sind die Hoffnungsträger der Robotikindustrie

    Coboworx setzt auf Cobots und Leichtbauroboter mit einer Traglast von bis zu 30 Kilogramm. Diese gelten schon lange als großer Hoffnungsträger in der Robotikindustrie. Bislang waren sie aber oft noch zu teuer und zu schwer zu programmieren.

    Die Branche kann frische Impulse gut gebrauchen. Jahrelang eilten die Hersteller von Absatzrekord zu Absatzrekord. In den vergangenen beiden Jahren ist die Zahl der Auslieferungen laut Branchenverband IFR zurückgegangen, zuletzt auf 376.000 verkaufte Roboter. Laut Branchenschätzungen machten die Cobots etwa fünf Prozent des Absatzes aus. Die neuen, einfach zu programmierenden Cobots von Anbietern wie dem Weltmarktführer Universal Robots, etablierten Herstellern wie Kuka und ABB sowie Newcomern wie Franka Emika, Robco und Coboworx beleben nun den Markt. Die Experten von Research-And-Markets erwarten bis 2025 aber ein jährliches Wachstum von 30 Prozent.

    Damit wird das Segment auch zunehmend für Investoren interessant. Picus Capital investiert mit dem Geld von Rocket-Internet-Mitgründer Alexander Samwer in sehr frühen Phasen in Start-ups. So war die Risikokapitalfirma zum Beispiel von Anfang an bei der Softwarefirma Personio mit an Bord, die inzwischen zum Einhorn mit einer Milliardenbewertung wurde.

    Derzeit sei viel Geld im Venture-Capital-Markt, sagte Godenrath. In der Robotik gebe es aber bei vielen Investoren noch nicht so viel Expertise. Daher gebe es bei gezielten Investments in der sehr frühen Phase große Chancen.

    Mit im Lead bei Coboworx ist Team Global, das von Lukasz Gadowski gegründet wurde. Er engagierte sich unter anderem bei Delivery Hero und Spreadshirt. „Coboworx bringt Robotik und industrielle Automatisierung ins Internetzeitalter“, sagte Gadowski. Die Stärke des Unternehmens sei die Verbindung von Hardware, Software und Services zu einem Roboter-Ökosystem.

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