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20.01.2021

12:27

Industrie

Trendwende im vierten Quartal: BASF übertrifft Erwartungen der Analysten – Aktie steigt

Von: Siegfried Hofmann

Zuversicht in der Chemiebranche: BASF hat im vierten Quartal den Betriebsgewinn deutlich gesteigert. Das Ebit vor Sondereinflüssen ging im Gesamtjahr 2020 aber zurück.

Unterm Strich dürfte der Chemieriese aus Ludwigshafen als Folge hoher Wertberichtigungen für 2020 rote Zahlen ausweisen. dpa

BASF

Unterm Strich dürfte der Chemieriese aus Ludwigshafen als Folge hoher Wertberichtigungen für 2020 rote Zahlen ausweisen.

Frankfurt Der Chemiekonzern BASF hat im vierten Quartal 2020 deutlich besser besser abgeschnitten als von Analysten erwartet und seinen Betriebsgewinn (Ebit) vor Sondereinflüssen gegenüber dem Vorjahreswert um knapp ein Drittel auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert. Das teilte der Dax-Konzern am Mittwochmorgen mit.

Auch im Gesamtjahr fiel das bereinigte Ergebnis mit 3,56 Milliarden Euro besser aus als zuletzt von Konzern und Marktexperten vorausgesagt. Bisher lag die Prognose bei drei bis 3,3 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um acht Prozent auf 15,9 Milliarden Euro und lag im Gesamtjahr mit 59 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau.

Trotz der starken Trendwende im vierten Quartal beendete der Konzern das Gesamtjahr mit einem kräftigen operativen Gewinnrückgang von 23 Prozent gegenüber dem bereinigten Betriebsgewinn von 4,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Und auch die ursprünglichen Prognosen werden deutlich verfehlt. Anfang vergangenen Jahres hatte BASF noch ein Ebit vor Sondereinflüssen von 4,2 bis 4,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Unterm Strich dürfte der Chemieriese aus Ludwigshafen als Folge hoher Wertberichtigungen für 2020 sogar rote Zahlen ausweisen. Im ersten Halbjahr musste er gut 800 Millionen Euro auf seine Mehrheitsbeteiligung am Öl- und Gasförderer Wintershall abschreiben, im dritten Quartal folgten weitere Wertkorrekturen von 2,8 Milliarden Euro auf diverse Aktivitäten im Chemiebereich.

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    Für die ersten neun Monate 2020 hatte BASF daher einen Nettoverlust nach Steuern von 2,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Das Ebit inklusive aller Sondereinflüsse und Wertkorrekturen liegt im Gesamtjahr 2020 laut Mitteilung des Unternehmens bei minus 191 Millionen Euro.

    Grafik

    Zum Ergebnis nach Steuern macht die BASF noch keine Angaben. Analysten hatten bisher mit einem Verlust von 1,5 Milliarden Euro gerechnet.

    Die Chemiebranche und mit ihr Branchenprimus BASF gelten als wichtiger Konjunkturindikator, da ihre Produkte in allen großen Industriezweigen benötigt werden. Mit der starken Entwicklung im vierten Quartal liefert der Konzern nun ein weiteres Indiz für eine relativ deutliche Erholung der Chemie.

    BASF-Aktie weiter im Aufwärtstrend

    Die generell verbesserte Stimmung in der Branche hatte sich in den letzten Monaten bereits in steigenden Kursen für viele Aktien niedergeschlagen. Die BASF-Aktie legte am Mittwochvormittag um gut zwei Prozent auf mehr als 68 Euro zu und setzte damit den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen weiter fort. Seit Anfang November hat sich die Bewertung des Chemiekonzerns damit um gut 40 Prozent erhöht. Allerdings notiert die Aktie noch rund ein Viertel unter den Höchstkursen von Anfang 2018.

    Auch der Branchenverband VCI äußerte sich zuletzt wieder etwas optimistischer. Die Stimmung in den Unternehmen sei inzwischen mehrheitlich zuversichtlich, erklärte kürzlich Verbandspräsident Christian Kullmann, der zugleich Chef des Spezialchemie-Konzerns Evonik ist.

    Allerdings warnte er auch vor überzogenen Erwartungen. Eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau erwartet der Verband frühestens 2022. Nach einem Rückgang der Produktion von geschätzt drei Prozent im vergangenen Jahr geht der VCI für 2021 von einem Produktionsanstieg von 1,5 Prozent und einem Umsatzplus von 2,5 Prozent aus.

    Ähnlich äußern sich Analysten. Experten der Großbank HSBC etwa verweisen in ihrer jüngsten Analyse darauf, dass die jüngsten Lockdowns die Erholung der generellen Konjunktur verzögern dürften. Das Ertragsniveau von 2019 werde in der Branche vorerst noch nicht wieder erreicht. Die Erholung der Nachfrage im laufenden Jahr werde womöglich verhaltener ausfallen als die Trendwende im vierten Quartal.

    Auch ertragsmäßig liegt BASF gegenüber früheren Spitzenwerten von 7,5 Milliarden Euro Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen noch deutlich zurück. Ergebnisverbesserungen im vierten Quartal meldete er nun vor allem für das Geschäft mit Basischemikalien, Kunststoffen und den Bereich Industrielösungen, der unter anderem Produkte wie Pigmente, Dispersionen und Elektronikchemikalien umfasst.

    Diese Bereiche hatten in den ersten drei Quartalen zum Teil deutlich unter dem Einbruch in Abnehmerbranchen wie der Automobilindustrie und einem starken Preis- und Margenverfall aufgrund von Überkapazitäten bei Petrochemikalien und Kunststoffen gelitten.

    Hier deutet sich nun offenbar eine spürbare Erholung an. Dazu dürfte nicht zuletzt auch die relativ starke konjunkturelle Erholung in China beigetragen haben, wo die BASF stark mit eigenen Produktionsanlagen vertreten ist.

    Schwächer entwickelte sich im vierten Quartal dagegen das Pflanzenschutz- und Saatgut-Geschäft, das der Konzern vor zwei Jahren durch den Erwerb größerer Aktivitäten von Bayer verstärkt hatte. Das Ebit vor Sondereinflüssen sei hier aufgrund von negativen Währungseffekten deutlich hinter den Analystenerwartungen zurückgeblieben.

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