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21.01.2021

04:00

Industriedienstleister

CEO Blades ist raus – Welche Aufgaben die Bilfinger-Interimschefin Johansson erwarten

Von: Kevin Knitterscheidt

PremiumMit Christina Johansson übernimmt die frühere Finanzchefin interimsweise den Chefposten bei Bilfinger. Auf die schwedisch-schweizerische Managerin warten einige Herausforderungen.

Die Finanzchefin übernimmt den Chefposten interimsweise, nachdem Vorstandschef Tom Blades am Dienstagabend zurückgetreten war. Bilfinger SE

Christina Johansson

Die Finanzchefin übernimmt den Chefposten interimsweise, nachdem Vorstandschef Tom Blades am Dienstagabend zurückgetreten war.

Düsseldorf Eigentlich hatte sich Tom Blades bereits auf die Verlängerung seines Vertrags als Vorstandschef bei Bilfinger vorbereitet. Schon im vergangenen Jahr hatte der Brite einen deutschen Pass beantragt, um im Fall eines ungeregelten EU-Austritts seines Heimatlandes weiter von den Vorteilen profitieren zu können, die eine europäische Staatsbürgerschaft etwa bei Auslandsreisen mit sich bringt.

Nun wird er diese Vorteile bloß noch privat nutzen können. Denn am Dienstagmorgen hat sich der Mannheimer Industriedienstleister, der einst als Baukonzern zu einem Unternehmen von Weltrang aufgestiegen war, mit sofortiger Wirkung von dem 65-Jährige getrennt. Der Aufsichtsrat folge damit dem Wunsch Blades, den Vorstandsvertrag, der eigentlich noch bis zum Juni gelaufen wäre, nicht zu verlängern.

Chefkontrolleur Eckhard Cordes sprach Blades in einer Mitteilung des Unternehmens seinen Dank aus. „Unter seiner Führung hat sich Bilfinger zu einem international führenden Industriedienstleister weiterentwickelt, der heute deutlich fokussierter und profitabler aufgestellt ist.“ Diese Position sei das Ergebnis „wegweisender strategischer Veränderungen“, die Blades und sein Team in den vergangenen Jahren umgesetzt hätten.

Zu den Verdiensten des Briten zählt dabei auch der Abschluss einer Auseinandersetzung mit dem US-amerikanischen Justizministerium, das Bilfinger nach zahlreichen Korruptionsaffären unter Beobachtung gesetzt hatte. Seit seinem Antritt 2016 hatte Blades dabei ein umfangreiches Compliance-System installiert, um den Ansprüchen der US-Behörden und ihres Beobachters, Mark Livschitz, zu entsprechen. Insgesamt hatte das Verfahren den ohnehin schon notleidenden Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet.

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    Mit der bisherigen Finanzchefin Christina Johansson übernimmt nun eine Weggefährtin von Blades interimsweise das Ruder. Dabei wird sie, neben ihrem bisherigen Ressort und dem Vorstandsvorsitz, künftig auch als Arbeitsdirektorin fungieren. Der Job verspricht einige Herausforderungen – wenngleich Blades dem Unternehmen nach eigenen Angaben vorerst weiter beratend zur Seite stehen will, um den Übergang zu erleichtern.

    Im Visier der Finanzinvestoren

    So hatte Bilfinger zuletzt das Interesse verschiedener Finanzinvestoren geweckt, nachdem der Aktienkurs des Unternehmens infolge der Coronakrise stark unter Druck geraten war. Noch immer haben sich die Papiere von dem Schock nicht gänzlich erholt und lagen am Mittwoch mit rund 28,50 Euro deutlich unter dem Vorkrisenwert. Dabei ist der Konzern finanziell so gut ausgestattet wie lange nicht: Erst im Dezember vermeldete der Finanzinvestor EQT den erfolgreichen Verkauf der ehemaligen Bilfinger-Tochter Apleona, an dem Bilfinger zu 49 Prozent beteiligt ist.

    Ein Interesse an einer Übernahme wird dabei vor allem dem US-Fonds Clayton, Dubilier & Rice nachgesagt. Die Möglichkeit eines Verkaufs wollte Vorstandschef Blades bis zuletzt allerdings nicht bestätigen. Noch im November hatte der Manager klargestellt, dass Bilfinger zwar Gespräche mit Interessenten führe – aber gleichzeitig auch betont, dass sich der SDax-Konzern nicht zum Verkauf stelle.

    Ob diese Ansicht auch die Großinvestoren von Bilfinger teilen, ist allerdings fraglich. Zuletzt hatte der Londoner Investmentfonds Ena Capital seine Beteiligung deutlich auf zwölf Prozent aufgestockt – und war im Vorfeld nicht zimperlich mit Blades umgegangen. So hatte der aktivistische Investor unter anderem gefordert, die kriselnde Technologie-Sparte des Konzerns ebenfalls zu verkaufen – während Blades den Konzern nach einer jahrelangen Restrukturierung eigentlich wieder auf den Wachstumspfad führen wollte.

    Nun muss sich Johansson als Nachfolgerin um das Thema kümmern. Für die industrieerfahrene 53-Jährige, die vor Bilfinger unter anderem bei der Maschinenbau-Gruppe Bucher sowie lange Zeit auch beim Verpackungshersteller Amcor (beide aus der Schweiz) tätig war, ist es der erste Posten als Vorstandschefin – wenngleich sie während ihrer Karriere bereits Erfahrungen als Stellvertreterin sammeln konnte.

    Blades hingegen verabschiedete sich mit Verweis auf sein Alter nicht nur von Bilfinger, sondern allen Management-Tätigkeiten. Für ihn sei nun die Zeit gekommen, sich aus der operativen Unternehmensführung zurückzuziehen. „Mit fast 65 Jahren und einer intensiven beruflichen Laufbahn werde ich mich nun stärker auf meine Familie und das Privatleben konzentrieren.“

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