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08.09.2019

16:48

Industriekonzern

Verkauf der Aufzugsparte: Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp berät bereits nächste Woche

Von: Martin Murphy, Kevin Knitterscheidt

Der Aufsichtsrat des Ruhrkonzerns will am Mittwoch über die Zukunft der Aufzugsparte reden. Ein Komplettverkauf wird immer wahrscheinlicher.

Das Unternehmen erwägt, den Geschäftsbereich zu veräußern. AP

Aufzug von Thyssen-Krupp

Das Unternehmen erwägt, den Geschäftsbereich zu veräußern.

Frankfurt, Düsseldorf Wirklich vergnüglich sind die Aufsichtsratssitzungen von Thyssen-Krupp nicht. Der Ruhrkonzern taumelt seit Jahren von einer Krise in die nächste. Den vorläufigen Tiefpunkt erlebte das Unternehmen in der vergangenen Woche mit dem Abstieg aus dem Dax. Thyssen-Krupp gehört damit nicht mehr zur Elite der deutschen Konzerne.

Die Degradierung wird auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch zur Sprache kommen. Viel entscheidender für die 20 Kontrolleure ist aber ein anderes Thema, das den Konzern derzeit mehr bewegt als jedes andere: die Zukunft von Thyssen-Krupp Elevator. Die Sparte steuerte mit einem Betriebsgewinn von rund 590 Millionen Euro in den ersten neun Monaten einen Großteil zum Ergebnis bei.

Vorstandschef Guido Kerkhoff will sich von dem Bereich mit 52.000 Mitarbeitern trennen, um Geld für die Sanierung des Industriekonzerns zu erhalten. Thyssen-Krupp sitzt auf Netto-Finanzschulden von mehr als fünf Milliarden Euro, nachdem die Expansion der Stahlsparte nach Amerika scheiterte. Den Verlust von zehn Milliarden Euro haben die Essener in den vergangenen acht Jahren nicht ausgleichen können, die Schuldenquote liegt derzeit bei rund 205 Prozent.

Das soll sich mit der Trennung von Elevator ändern. Die Frage ist nur, ob es ein Teil- oder ein Komplettverkauf wird. Kerkhoff selbst hat sich für einen Börsengang starkgemacht. Thyssen-Krupp könnte dann die Mehrheit behalten und mit den Dividenden der hochrentablen Aufzugsfirma das Stahlgeschäft, den Kern der neuen Thyssen-Krupp AG, stärken. Doch schon bei Vorlage der Quartalszahlen Anfang August hatte Kerkhoff die Tür für andere Angebote geöffnet. „Das offenkundig große Interesse von Wettbewerbern und Finanzinvestoren zeigt uns, wie attraktiv das Aufzuggeschäft ist“, so der Manager.

Der Börsenneuling mit einem Jahresumsatz von zuletzt 7,6 Milliarden Euro wäre nicht nur kräftig genug, um als Nummer vier der weltweiten Aufzugsbauer eigenständig zu bleiben. Thyssen-Krupp Elevator wäre auch ein Kandidat für den Aktienindex Dax, den der Konzern in der vergangenen Woche verlassen musste.

Milliardenschwere Bewertung

Deutlich wird die Stärke an derzeit kursierenden Bewertungen. Bis zu 17 Milliarden Euro sei die Gesellschaft wert, berichten Finanzmarktkreise. Einige Analysten halten gar 22 Milliarden Euro für angebracht. Die Aufsichtsräte von Thyssen werden die Zahlen mit einiger Freude sehen, einige auch mit Genugtuung.

Vor allem Finanzinvestor Cevian hatte sich in der Vergangenheit für einen Verkauf der Aufzugsparte ausgesprochen, was das Management lange abgelehnt hatte.
Nachdem die Mannschaft um Kerkhoff die Abspaltung im Schnelldurchgang angehen wollte, hat diese nun die Transaktion neu ordnen müssen. Thyssen-Krupp hatte bestätigt, dass ein „strukturierter Prozess“ gestartet worden sei, um die Angebote von möglichen Käufern zu bewerten.

Neben einem Börsengang sollten Interessenten ihre Vorstellungen für eine Teil- oder eine Komplettübernahme vorstellen, wie es in einem Brief des Unternehmens an ausgewählte Bieter heißt. Kerkhoff ist damit von seinem ursprünglichen Plan abgerückt. Denn innerhalb des Aufsichtsrats sollen sich die Stimmen mehren, die für einen Komplettausstieg seien. Damit komme schnell Geld in die Kasse, hieß es im Umfeld des Gremiums.

In einem ersten Schritt sollen Interessenten nun bis zur Aufsichtsratssitzung am Mittwoch Offerten bei Thyssen-Krupp einreichen. Der finnische Wettbewerber Kone hatte bereits angekündigt, die Sparte übernehmen zu wollen. „Beide Firmen sind sehr komplementär aufgestellt“, hatte Vorstandschef Henrik Ehrnrooth dem Handelsblatt gesagt. Zusammen würden Kone und Thyssen-Krupp Elevator zur klaren Nummer eins der Branche vor Otis und Schindler werden.

Neben den Skandinaviern sind laut Finanzkreisen auch der Konkurrent Hitachi sowie Finanzinvestoren an Elevator interessiert. Damit zeichnet sich ein Bieterwettstreit ab, der den Preis in die Höhe treiben dürfte. Je mehr Geld geboten werde, desto eher werden Aufsichtsrat und auch Großinvestoren für einen Abschied von Elevator sein, erklärte ein Konzernkenner.

Die nun eingereichten Angebote wird das Team um Kerkhoff bis zur Aufsichtsratssitzung nicht im Detail geprüft haben. Es werde aber erwartet, dass der Vorstand um Kerkhoff den Kontrolleuren zumindest einen Überblick geben könne. „Diese Fragen werden kommen“, hieß es.

Vorstand prüft Offerten

Im nächsten Schritt will der Vorstand die Offerten prüfen und in Rücksprache mit den Spitzen des Aufsichtsrats entscheiden, mit welchen Bietern weiterverhandelt werden soll. Auch wenn einige Aufsichtsräte für einen schnellen Abschied sind, Kerkhoff und seine Mitstreiter im Management favorisieren eher einen Teilverkauf. Rund ein Drittel könnte an einen Finanzinvestor abgegeben werden, der dann bei einem späteren Börsengang Kasse mache, hieß es. Auch ein Komplettverkauf ließe sich flotter an Finanzinvestoren abwickeln, da in dem Fall keine Wettbewerbsauflagen drohten.

Wenn über diese Themen am Mittwoch und bei den nächsten Sitzungen gesprochen werde, dann dürfte heftig diskutiert werden, sagte ein Aufsichtsrat. Der Konzern lehnte einen Kommentar dazu ab.

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