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09.07.2018

14:37

Japanischer Autobauer

Nissan räumt Fehler bei Abgasmessungen ein

Von: Martin Kölling

Der japanische Autobauer hat Versäumnisse bei der Abgas- und Spritverbrauchsmessung eingeräumt. Nissans Aktie stürzt daraufhin ab.

Nissan räumt Fehler bei Abgasmessungen ein AP

Nissan

Der japanische Autobauer hat Fehler bei der Abgasmessung entdeckt.

Düsseldorf, TokioJapans Anleger hatten ihr Urteil schon gefällt als die Einladung zur Pressekonferenz verschickt wurde. Kaum hatte Nissan angedeutet, dass es bei den Abgasemissionen zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein könnte, ging die Aktie auf Talfahrt und verlor bis Börsenschluss 4,5 Prozent. Selbst Partner Renault wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Die Nervosität ist nicht nur wegen Dieselgate groß. Eine Reihe von Skandalen hat die Anleger in den vergangenen Jahren viel Geld gekostet. Nissan hatte unter anderem bereits eingestanden, dass – entgegen interner Richtlinien – noch nicht zertifizierte Inspektoren in japanischen Fabriken Autos abgenommen hatten.

Im Ausland wäre das kaum ein Skandal gewesen. Doch in Japan kappten sich die Vorstände die Gehälter. Nissan stellte für Wochen den Neuregistrierungen in Japan ein und rief mehr als eine Million Autos zurück, um sie neu zu inspizieren.

Am Montag musste Nissan weitere Manipulationen eingestehen. In fünf von sechs japanischen Fabriken sei bei Verbrauchs- und Emissionstests teilweise getrickst worden, heißt es in einem Bericht des Unternehmens an das japanische Verkehrsministerium.

So wurden bei einem Drittel der Stichproben entweder die vorgeschriebenen Parameter wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit nicht vollständigen eingehalten und/oder nachträglich von den Inspektoren verändert. In anderen Fällen seien die Messgeräte vor den Tests nicht kalibriert gewesen.

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Nissans Chief Competetive Officer Yasuhiro Yamauchi versprach vor Journalisten, dass die Katalogangaben für Verbrauch und Emission eingehalten werden. Ob diese Behauptung stimmt, ist entscheidend für die Frage, ob die Angst der Aktionäre berechtigt ist. Sollte das Verkehrsministerium die Einschätzung des Konzerns teilen, könnten die Aktionäre sich schnell beruhigen.

Denn von den Dimensionen der VW-Dieselmanipulationen dürfte der Skandal dann weit entfernt sein. Und auch die Angst der Japaner, dass sich ein Betrug wie bei der Nissan-Schwestermarke Mitsubishi wiederholen könnte, wären in diesem Fall unbegründet.

Mitsubishi hatte 2016 eingestanden, über Jahrzehnte Verbrauchwerte geschönt zu haben. Der nachfolgende Produktionsstopp stürzte den Hersteller in die Krise. Erst das erlaubte Nissan, sich mit 34 Prozent am Konkurrenten zu beteiligen. Auch Subaru wurde im Mai wegen Schummeleien durchsucht.

Bei Nissan versucht man dagegen, die Anleger zu beruhigen. Nissan berechnet die Verbrauchswerte mit bereinigten Datensätze, immer unter Verwendung der ungünstigsten Werte, behauptete Yamauchi, der bei Nissan für die Aufklärung des Skandals zuständig ist. Nissan glaubt daher, mit neuen Kontrollen die Probleme lösen und auf Verkaufsstopps und Rückrufe verzichten zu können.

Nissan-Manager fürchten das mediale Echo

Doch selbst wenn sich damit Nissans Eingeständnis als harmlos herausstellt, scheint die Geduld der Anleger langsam aufgebraucht. Allein auf der Pressekonferenz forderten die ersten Journalisten auch personelle Konsequenzen nach den jüngsten Skandalen. Für Konzernchef Carlos Ghosn und Nissan-Chef Hiroto Saikawa könnte es eng werden?

Denn auch bei Subaru waren im Frühjahr der Verwaltungsratsvorsitzende und zwei weitere Manager zurückgetreten, weil im Unternehmen wie bei Nissan bei den Endkontrollen gegen interne Regeln verstoßen worden war.

Bisher versucht man bei Nissan, die Personaldebatte früh abzuwürgen. Die vorrangige Aufgabe sei es, die Probleme zu lösen, erklärte Yamauchi. Doch intern bleiben Nissans Manager vorsichtig. Denn sie fürchten das mediale Echo. Nach den Enthüllungen vom Montag dürfte die japanische Presse noch härter als im letzten Jahr mit Nissans Vorständen ins Gericht gehen.

Immerhin musste Yamauchi eingestehen, dass die jüngsten Unregelmäßigkeiten in der von ihm verantworteten Untersuchung des vergangenen Skandals nicht aufgefallen waren. Erst nach ähnlichen Vorfällen bei anderen japanischen Herstellern hat Nissan ab Februar auch an dieser Stelle genauer hingeschaut und wurde nach Yamauchis Angaben Mitte Juni fündig.

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Interne Untersuchungen förderten dagegen noch weiteres zutage, das am Selbstverständnis der qualitätsbewussten Japaner kratzt: In drei der fünf auffälligen Werke hatten die Inspektoren trotz des Skandals im Vorjahr offenbar munter weitergetrickst. „Wir müssen anerkennen, dass unsere Gegenmaßnahmen erst halb umgesetzt wurden“, so der Nissan-Manager.

Nissans interne Standards seien aber strenger als die amtlichen, erklärte Yamauchi. Die Mitarbeiter hätten eventuell vermeiden wollen, die Tests wegen der Abweichungen zu wiederholen, mutmaßte er. Auch Gesetze seien nicht gebrochen worden, betont der Manager.

Inzwischen hat Nissan nach guter japanischer Sitte erneut eine Rechtsanwaltskanzlei damit beauftragt, den neuen Unregelmäßigkeiten unabhängig auf den Grund zu gehen.

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