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29.11.2019

14:00

KBA-Untersuchungen

Auffällige Abschalteinrichtungen – Daimler droht neuer Diesel-Ärger

Von: Franz Hubik

1,3 Millionen Dieselautos musste Daimler im Dieselskandal bereits überarbeiten. Doch das KBA soll nun einen weiteren Rückruf prüfen.

Kleine Dieselmotoren, die Daimler von Renault bezog, sollen mit einer Software manipuliert worden sein. dpa

Mercedes-Benz A-Klasse

Kleine Dieselmotoren, die Daimler von Renault bezog, sollen mit einer Software manipuliert worden sein.

Düsseldorf, München Daimler könnte weiterer Ärger mit dem Diesel bevorstehen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat laut einem Bericht des Spiegel zwei weitere Abschalteinrichtungen in der Abgassteuerung von Dieselfahrzeugen des Konzerns gefunden, mit denen Abgaswerte geschönt worden sein sollen. Das KBA untersuche die verdächtige Software. Erhärtet sich der Verdacht, dürfte dem Konzern ein weiterer Rückruf ins Haus stehen.

Dabei mussten schon 1,3 Millionen Dieselfahrzeuge des Konzerns wegen auffälliger Abgasreinigung überarbeitet werden. Der Mercedes-Hersteller bestreitet, gegen Gesetze verstoßen zu haben. Zu den Details des „Spiegel“-Berichts äußerte sich Daimler nicht. Der Konzern betont aber, beispielsweise bereits bei der Vorlage der Geschäftsergebnisse zum dritten Quartal Ende Oktober darauf hingewiesen zu haben, dass das Kraftfahrt-Bundesamt weitere Rückrufe im Dieselskandal gegen Daimler erlassen könnte.

Vom neuesten Verdacht betroffen ist nach Handelsblatt-Informationen das Vorgängeraggregat des Dieselmotors OM 607, den der Mercedes-Hersteller von Renault bezieht und in seinen Kompaktfahrzeugen wie der A-Klasse und B-Klasse verbaut, nicht aber im Kleinwagen Smart.

Der französische Daimler-Kooperationspartner Renault bestreitet allerdings seit jeher ein etwaiges Mitwirken an unzulässigen Praktiken. Renault betont, dass die Motoren, die der Konzern an Daimler liefert von den Stuttgartern selbst programmiert und kalibriert werden. Die Verantwortung für die Aggregate liege demnach alleine bei Daimler.

Tatsächlich befinden sich Daimler und das Kraftfahrt-Bundesamt befinden in intensiven Gesprächen über die Motorsteuerung des OM 607. Eine konkrete Anhörung zu Funktionalität des Aggregats gab es bis dato aber nicht. „Wir stehen in Kontakt mit dem KBA und kooperieren vollumfänglich mit der Behörde“, erklärte Daimler auf Anfrage. Der Klärungsprozess mit dem KBA im Hinblick auf Funktionalitäten der Motorsteuerung bei Diesel-Fahrzeugen von Mercedes-Fahrzeugen sei aber „noch nicht abgeschlossen“, so Daimler.

Daimler warnt die Aktionäre

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart verdonnerte Daimler Ende September dazu, im Dieselskandal eine Geldbuße von 870 Millionen Euro zu zahlen. Ausgestanden ist die Abgasaffäre für Daimler mit dieser Strafe aber längst nicht wie auch die neuen Verdachtsmomente zeigen. Der Konzern ruft derzeit abermals Hunderttausende Diesel-Fahrzeuge in die Werkstätten. Der Grund: Das KBA beanstandet, Daimler habe unter anderem beim Transporter-Besteller Sprinter unzulässige Abschalteinrichtungen verbaut.

Insgesamt summiert sich die Anzahl der Fahrzeuge, die Daimler im Dieselskandal per Anordnung zurückrufen muss, mittlerweile auf etwa 1,3 Million Pkw und Vans. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) warf Daimler im Oktober nach einem neuerlichen Rückruf-Bescheid, den seine Beamte nach Stuttgart übersandten, Trickserei, Vernebelungsaktionen und eine „Salamitaktik“ vor. Der Konzern müsse endlich „reinen Tisch“ machen, forderte der Unionspolitiker.

Ausständig ist zudem eine Entscheidung der amerikanischen Justiz. Daimler warnt daher seine Aktionäre im Geschäftsbericht explizit vor weiteren finanziellen Folgen: „Da rechtliche Verfahren mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind, ist es möglich, dass sich die für sie gebildeten Rückstellungen im Rahmen von abschließenden Verfahrensentscheidungen teilweise als unzureichend erweisen.“

NordLB-Analyst Frank Schwope schätzt, am Ende aller Verfahren könnten sich die Belastungen für Daimler im Dieselskandal auf einen einstelligen oder mittleren einstelligen Milliardenbetrag addieren. Im Vergleich zum VW-Konzern, der nachweislich betrogen hat und etwa 30 Milliarden Euro für die Bewältigung des Abgasskandals beiseitegelegt hat, erscheint die Summe bei Daimler eher niedrig. Aber die Schwaben verkaufen mit 2,3 Millionen Pkw auch deutlich weniger Autos als die Wolfsburger mit einem Absatz von fast 11 Millionen Fahrzeugen, gibt Schwope zu bedenken.

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