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30.04.2014

15:06 Uhr

Kohlenstoff-Spezialist

SGL-Chef stimmt Aktionäre auf schwieriges Jahr ein

Den Aktionären der in die roten Zahlen gestürzten SGL Group droht ein weiteres schwieriges Jahr. Vorstandschef Köhler warnt vor Überkapazitäten und Preisdruck. Ein Sparkurs soll den Konzern wieder auf Kurs bringen.

Dr. Jürgen Köhler, Vorstandsvorsitzender der SGL Group, stimmt die Aktionäre auf ein schwieriges Jahr ein. obs

Dr. Jürgen Köhler, Vorstandsvorsitzender der SGL Group, stimmt die Aktionäre auf ein schwieriges Jahr ein.

FrankfurtDer Kohlenstoffspezialist SGL Carbon hat seine Aktionäre auf ein hartes Jahr 2014 eingestimmt. Der Preisdruck im Stammgeschäft mit Graphitelektroden sei weiter hoch, sagte Vorstandschef Jürgen Köhler am Mittwoch vor rund 800 Aktionären auf der Hauptversammlung in Wiesbaden. Er rechne im laufenden Jahr erneut mit roten Zahlen. Inzwischen hat SGL aber ein Restrukturierungsprogramm gestartet. Eine genaue Prognose für 2014 wollte das Management bei dem Aktionärstreffen nicht vorlegen.

Aufsichtsratschefin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten sprach von einem schwierigen und schmerzhaften Prozess, in dem sich der Kohlenstoffspezialist befinde. Das Kontrollgremium sei eng über die Pläne des Managements zur neuen Aufstellung von SGL nach dem größten Fehlbetrag in der Geschichte des Unternehmens eingebunden. Klatten leitete erstmals als Aufsichtsratschefin die Hauptversammlung. Die BMW-Großaktionärin hält über ihre Beteiligungsgesellschaft SKion knapp 27 Prozent der SGL-Anteile, BMW zusätzlich knapp 16 Prozent.

Konzern-Chef Köhler, der seit Jahresbeginn an der Spitze des angeschlagenen Unternehmens steht, will SGL wieder auf Profitabilität trimmen. „Wir haben eine Ergebniskrise.“ Zu der konsequenten Umsetzung des Sparprogramms „SGL 2015“ gebe es deshalb keine Alternative. „Wir werden uns damit besser aufstellen für die Stürme der Zukunft“, kündigte der Manager an.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Trotz aller Zwänge zur Kostensenkung werde der Kohlenstoffspezialist aber nicht den Fehler begehen, auf Investitionen zu verzichten. Köhler schloss auch Zukäufe nicht aus. Für die Zukunft setzt der Vorstandschef auf die stärkere Verwendung von Carbonfasern in der Autoindustrie. Mit BMW gibt es das Gemeinschaftsunternehmen SGL Automotive Carbon Fibers. Es ist auf die Kohlefaserproduktion spezialisiert, die der bayerische Autobauer für den Bau seiner Elektroautos i3 und i8 mit ultraleichter Karosserie nutzt.

Das MDax-Unternehmen hat 2013 einen Verlust von fast 400 Millionen Euro eingefahren und ist auch ins neue Jahr mit roten Zahlen gestartet. Wegen des hohen Fehlbetrags schüttet SGL keine Dividende aus. Dass die Aktionäre für 2013 leer ausgehen, rief starke Kritik der Anteilseigner auf der Hauptversammlung hervor. Aktionärsschützer kritisierten das Management zudem, zu spät auf die negative Entwicklung im Stammgeschäft mit Graphitelektroden reagiert zu haben.

Durch seinen Konzernumbau will SGL seine Kosten bis 2015 um 150 Millionen Euro reduzieren, davon seien 83 Millionen Euro bereits eingespart worden. Dafür sollen im Management sowie in der Verwaltung auch 300 Stellen abgebaut und Standorte geschlossen werden. Über die Pläne in „SGL 2015“ hinausgehende Werkschließungen sind laut Köhler nicht geplant.

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Von

dpa

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