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29.04.2019

13:24

Kooperation mit Powercell

Bosch steigt in die Serienfertigung von Brennstoffzellen ein

Von: Martin-W. Buchenau

Bosch wettet auf Wasserstoff: Der Autozulieferer schließt für die Produktion von Brennstoffzellen eine Kooperation mit Powercell, um einen Milliardenmarkt zu besetzen.

Bosch will mit Powercell Brennstoffzellen in Serie bauen dpa

Bosch

Der Konzern arbeitet in den USA bereits mit Nikola Motors zusammen, um Lastwagen zu entwickeln, die per Brennstoffzelle betrieben werden.

StuttgartDie Bedenken sind groß: Der Einstieg in die Serienfertigung von Batteriezellen ist Bosch zu teuer und zu riskant – so die Haltung vor gut einem Jahr. Um technologisch beim Antriebsstrang der Zukunft aber an die Spitze zu kommen, setzt der Autozulieferer jetzt langfristig auf die Brennstoffzelle. „Bosch steigt in den Markt für mobile Brennstoffzellen ein und treibt die Industrialisierung konsequent voran“, sagt Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung.

Bosch will künftig das Herzstück eines Brennstoffzellenantriebs, die Stacks, gemeinsam mit dem schwedischen Unternehmen Powercell entwickeln. Die Fertigung in Lizenz übernimmt dann aber Bosch allein. Eine entsprechende Kooperation gaben die Unternehmen an diesem Montag bekannt.

Die so genannten Stacks machen bis zu zwei Drittel der Gesamtkosten der so genannten Polymerelektrolyt-Brennstoffzelle (PEM) aus. Zu den Investitionskosten für die Brennstoffzellen-Systeme machte der Konzern keine Angaben. An Powercell fließe für die Kooperation ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag. Hinzu komme später eine Lizenzgebühr je verkauftem Stack.

Die Schwaben sind optimistisch, dass Brennstoffzellen, die in Autos in den Regel mit Wasserstoff betrieben werden, in Zukunft eine deutlich größere Relevanz bekommen. Bis 2030 sollen nach Schätzungen von Bosch bis zu 20 Prozent aller Elektrofahrzeuge weltweit mit Brennstoffzellen angetrieben werden.

Bislang wurden weltweit allerdings nur wenige tausend Wasserstofffahrzeuge verkauft. Doch Bosch rechnet mit dem Durchbruch der Brennstoffzelle zunächst bei schweren Lkws, aber dann auch bei Autos. „Technologie zu industrialisieren ist eine unserer Stärken. Das gehen wir jetzt konsequent an und erschließen den Markt“, sagt Hartung.

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Und auch Powercell-Chef Per Wassén will von der neuen Partnerschaft profitieren. „Mit seiner ganzen Power und Kompetenz eröffnet Bosch unserer Brennstoffzellen-Technik die Möglichkeit, im Automotive-Markt Fuß zu fassen. Bosch ist der beste Partner, den wir uns dafür vorstellen können.“

Die besten Chancen für einen breiten Einsatz der Brennstoffzellen-Technik sieht Bosch im Nutzfahrzeug-Markt. Die Flottenvorgaben der Europäischen Union für Lkw sehen bis 2025 eine Minderung der CO2-Emissionen um im Schnitt 15 Prozent, bis 2030 um 30 Prozent vor. Dieses Ziel lässt sich nach Ansicht von Bosch nur mit einer zunehmenden Elektrifizierung des Antriebs erreichen.

Ausgehend von den Nutzfahrzeugen sollen Brennstoffzellen-Antriebe von Bosch in der Zukunft dann auch im Pkw vermehrt zum Einsatz kommen. Dafür müssen jedoch sukzessive die Kosten für Brennstoffzellen-Systeme sinken.

Denn auch Wasserstoff ist als Treibstoff noch zu teuer. Aktuell wird Wasserstoff hauptsächlich für industrielle Anwendungen hergestellt mit einem Kilogrammpreis von oft mehr als fünf Euro. Mit steigender Produktion wird der Preis tendenziell noch fallen. Ein Kilogramm Wasserstoff enthält so viel Energie wie 3,3 Liter Diesel. Für 100 Kilometer benötigt ein 40-Tonner etwa neun bis zehn Kilogramm Wasserstoff, was kosten von rund 50 Euro entspricht. Bislang gibt es erst 60 Tankstellen für Wasserstoff in Deutschland. Für LKW, die in ihrem Fuhrpark aufgetankt werden können, gilt dieser Engpass als leichter beherrschbar.

Ob der Durchbruch der Brennstoffzelle nach mehr als zwei Jahrzehnten und mehreren Anläufen tatsächlich gelingt, sehen Experten nicht nur wegen der fehlenden Tankinfrastruktur skeptisch. „Bei Nutzfahrzeugen vielleicht, bei Autos ist das hoffnungslos“, befürchtet Ferdinand Dudenhöffer Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

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Die deutschen Premiumhersteller hatten bei Wasserstoff immer wieder Rückzieher gemacht. Schon 1994 präsentierte Daimler das erste Brennstoffzellen-Proto typen mit dem Namen NECAR. In Kleinserien für Tests folgten 2003 die A-Klasse, seit 2007 gibt es Fahrzeuge mit Brennstoffzelle in der etwas größeren B-Klasse.

Bis zum serienreifen Wasserstoff-Auto dauerte es noch weitere zehn Jahre: Ende 2018 wurde der erste Geländewagen GLC F-Cell an einen Kunden übergeben. Das Wasserstoff-Hybrid-Fahrzeug kann aber nur geleast werden – für stolze 800 Euro im Monat bietet das Fahrzeug abgeriegelt bei Tempo 160 Stundenkilometern eine Reichweite von 480 Kilometern im Wasserstoff-Modus plus 50 Kilometer rein elektrisch.  

Bei Konkurrent BMW plant man ohnehin erst ab 2025 mit serienreifen Wasserstoff-Autos. Vorher sei die Technologie noch zu teuer.

Als führend in der Wasserstofftechnik gilt Toyota mit seinem Modell Mirai. Die Mittelklasse-Limousine kostet allerdings über 80.000 Euro. Und auch das koreanische Brennstoffzellenauto Hyundai Nexo kommt auf einen Preis von 70.000 Euro. Auch Honda bietet ein Modell an, das aber nicht in Deutschland zu kaufen ist.

„Wer soll, kann und will das als Kunde bezahlen. Auch durch hohe Stückzahlen, lässt sich der Preis nicht halbieren“, betont Dudenhöffer. Dagegen würden große Lkw mit langer gewerblicher Nutzung, die leicht über 300.000 Euro kosten, die Mehrkosten einer Brennstoffzelle für 25.000 Euro leichter verkraften.

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Bosch arbeitet in den USA bereits mit Nikola Motors zusammen, um Lastwagen zu entwickeln, die per Brennstoffzelle betrieben werden. Allerdings drängt auch hier die Zeit. Denn auch Tesla bietet mittlerweile rein elektrische Lkw an, die mit einer Batterie betrieben werden.

Der Standort für die künftige Brennstoffzellenfertigung von Bosch steht noch nicht fest. Aber es soll in jedem Fall in Deutschland sein. Die Brennstoffzellen-Entwicklung sitzt in Feuerbach. Das Bosch-Stammwerk zählt neben Bamberg und Homburg zu den drei Standorten für Dieseltechnologie, die durch den Rückgang der Dieselnachfrage von Beschäftigungsrückgang bedroht sind und langfristig Kompensation brauchen. An der Brennstoffzellentechnik arbeitet Bosch bislang mit 200 Menschen.

Auch stationäre Brennstoffzellentechnik verfolgt Bosch. Vergangenes Jahr ging der Zulieferer eine Kooperation mit dem britischen Unternehmen Ceres Power ein, um die Entwicklung von kleinen Brennstoffzellen-Kraftwerken vorantreiben – dort liegt aber eine andere Technik zugrunde. Die Technik soll kleine Kraftwerke ermöglichen, die überall in der Stadt sowie in Industrie- und Gewerbegebieten platziert werden können.

Kommentare (3)

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Jay Enn

29.04.2019, 11:38 Uhr

Finde ich prima, dass Bosch hier einsteigt. Das gibt der Hydrogen Mobility Initiative einen Kick und könnte auch die deutsche Automobilindustrie motivieren, weiter in den Wasserstoffantrieb zu investieren. Insbesondere für LKWs und schwere PKW ist das Konzept überlegen. Grüner Wasserstoff ist machbar, wenn die Politik den Weg mitgehen will.

Herr Robert Dörge

29.04.2019, 13:31 Uhr

Zum Artikel: Sprit sollte eh die wahren Kosten wiederspiegeln (HK + Rückstellungen für zukünftige Folgeschäden + Marge). Dann wirkt der Wasserstoff, wenn durch Wind oder Solarenergie gewonnen z.B., nicht mehr allzu teuer.

Frage an die Foristin: Warum sieht diese Neutrino Webseite wie eine Sekte aus? Auch wenn die eigentliche Thematik hochgradig spannend klingt, eine Art perpetuum mobile, Why Not.

Herr Peter Wolf

30.04.2019, 11:00 Uhr

Neutrino-Energy ist das der nächste Hype nach Braunscher Energie und Vakuumenergie? Es mag ja viele Neutrinos geben, aber die wollen sich einfach nicht zeigen, außer man baut einen Kubikkilometer großen Swimmingpool. Da kann man dann ab und zu mal einen blauen Lichtblitz erhaschen. Die Anmerkung von Herrn Dörge hilft weiter. Wenn man von Kosten spricht, sollte man vorher festlegen, wo die Systemgrenze für diese Betrachtung ist. Das gilt im übrigen für alle Umweltbelastungen, die wir erzeugen. Beim Abwasser sehen wir ja auch ein, die Reinigungskosten zu tragen. Ein ähnlicher Hebel zwischen Rohstoffkosten und Neutralisierung der angerichteten Schäden wird sich wohl auch bei der Luftbenutzung durch Verbrennung ergeben. Die Kosten werden die zukünftigen Generationen bezahlen müssen. Das wird sehr teuer.

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