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25.07.2017

13:52 Uhr

Künftiger Covestro-Chef Steilemann

„Wir sitzen mit der Waffe auf dem Hochsitz“

VonBert Fröndhoff

Covestro verdient weiter prächtig. Der künftige Vorstandschef Markus Steilemann will den Kunststoffhersteller mit Zukäufen stärken und das Portfolio umbauen. Wenn er antritt, könnte Covestro in den Dax aufrücken.

Der Manager rückt spätestens im kommenden Jahr auf den Chefsessel bei Covestro. Bert Bostelmann für Handelsblatt

Markus Steilemann

Der Manager rückt spätestens im kommenden Jahr auf den Chefsessel bei Covestro.

DüsseldorfWenn die Bayer AG am Donnerstag ihre Zahlen fürs zweite Quartal vorlegt, ist Licht und Schatten gewiss. Wegen Problemen im Brasiliengeschäft der Agrarchemiesparte Crop Science musste der Konzern bereits die Gewinnprognose für 2017 senken. Da ist es für Bayer umso wichtiger, dass die anderen Geschäfte gut laufen – selbst wenn sie gar nicht mehr zum Kern gehören.

Dazu zählt vor allem die ausgegliederte Kunststofftochter Covestro. An der hält Bayer nach mehrmaligen Anteilsverkäufen zwar nur noch 41 Prozent, sie wird aber von dem Leverkusenern Dax-Konzern weiterhin voll konsolidiert. Und das macht sich bezahlt: Schon jetzt ist klar, dass Covestro auch im zweiten Quartal Stütze und Treiber des Bayer-Gewinns sein wird.

Bayer-Tochter Covestro: Mit Gewinnschub in Richtung Dax

Bayer-Tochter Covestro

Mit Gewinnschub in Richtung Dax

Covestro überrascht die Märkte mit glänzenden Zahlen. Die Bayer-Kunststofftochter hat Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Quartal deutlich gesteigert. Damit behält das Unternehmen den Dax-Aufstieg fest im Auge.

Die Kunststofftochter hat ein erfolgreiches Quartal hinter sich. Von April bis Ende Juni stieg der Betriebsgewinn (Ebitda) um 57 Prozent auf 848 Millionen Euro, der Umsatz legte um 17 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zu. Die Ergebnisse lagen deutlich über den Erwartungen der Analysten, dennoch gab die Aktie leicht nach. Die Investoren fragen sich, wie lange Covestro die nun seit der Ausgliederung im September 2015 andauende Erfolgsphase weiterführen kann.

Markus Steilemann gibt sich da optimistisch. „Wir spüren einen weiterhin starken Bedarf in all unseren Kundenindustrien“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt und verweist auf die gute Lage in der Automobil- , Elektronik- und Bauindustrie. Der 1970 geborene Chemiker ist im Covestro-Vorstand für Innovation, Marketing und Vertrieb zuständig. Seine Position ist herausgehoben: Steilemann ist als Nachfolger des langjährigen Vorstandschefs Patrick Thomas nominiert. Spätestens im Herbst 2018 rückt er auf den Spitzenposten. In der Branche wird spekuliert, dass dieser Schritt schon früher vollzogen wird.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Covestro hat zwei große Kunststoff-Kerngeschäfte, in denen der Konzern Weltmarkführer ist: Polyurethan, das etwa für Schäume in Matratzen, Autositzen und im Bau verwendet wird, sowie Polycarbonat, ein transparenter Kunststoff, der in der Medizin, Sportausrüstung oder für Autoscheinwerfer verwendet wird.

In beiden Segmenten sind die Produktions-Kapazitäten von Covestro derzeit annähernd voll ausgelastet – wie auch bei den Konkurrenten. Deswegen konnte der Hersteller die Preise kräftig erhöhen. In der Polyurethan-Sparte führte die Marktlage zu einem ungewöhnlichen Effekt: Die Absatzmengen sanken, weil Vorprodukte fehlten. Der Gewinn hingegen kletterte um 144 Prozent auf 556 Millionen Euro.

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