Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

08.11.2021

14:24

Kunststoffhersteller

„Wir können den Bedarf kaum decken“: Covestro-Chef zeigt sich auch für 2022 optimistisch

Von: Bert Fröndhoff

Der Kunststoffhersteller wird 2021 so viel verdienen wie nie zuvor. CEO Markus Steilemann sieht die Weltkonjunktur intakt – und plant den nächsten Wachstumsschritt.

Der Kunststoffhersteller rechnet mit einem bereinigten operativen Gewinn zwischen 3,0 und 3,2 Milliarden Euro. Reuters

Covestro-Headquarter

Der Kunststoffhersteller rechnet mit einem bereinigten operativen Gewinn zwischen 3,0 und 3,2 Milliarden Euro.

Düsseldorf Der Kunststoffhersteller Covestro spürt keine Eintrübung der Konjunktur und rüstet sich für weiteres Wachstum im kommenden Jahr. „Wir können den Bedarf kaum decken und sind optimistisch für die weitere Entwicklung in den für uns wichtigen Märkten“, sagte Vorstandschef Markus Steilemann im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Für 2021 hat der Dax-Konzern am Montag seine Ziele noch einmal angehoben. Covestro erwartet nun einen bereinigten operativen Gewinn zwischen 3,0 und 3,2 Milliarden Euro. Das wäre doppelt so viel wie 2020 und könnte nach 2017 das zweitstärkste Geschäftsjahr werden, seit das Unternehmen 2015 aus dem Bayer-Konzern ausgegliedert wurde.

Covestro profitiert von einer anhaltend angespannten Marktlage bei weichen und harten Schaumstoffen und beim transparenten Kunststoff Polycarbonat. Da die Nachfrage das Angebot bei Weitem übersteigt, sind die Preise hochgeschossen. Der operative Gewinn legte dadurch im dritten Quartal um 89 Prozent auf 862 Millionen Euro zu.

Der Hersteller konnte in dieser Lage die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten problemlos an die Kunden weitergeben. An dieser Situation wird sich vorerst nichts ändern. „Wir sehen, dass sich der Margentrend im vierten Quartal fortsetzen wird“, sagte Steilemann. Für die Kunden ist damit erst mal keine Entspannung bei den Preisen in Sicht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das liegt auch daran, dass Covestro selbst die Produktion einschränken muss. Zum einen wirken sich noch immer die Stürme in Texas im vergangenen Winter aus, die die dortigen Chemiezentren beeinträchtigt hatten. Dazu kommen die Folgen der Pandemie und des seit Anfang 2021 rasant gestiegenen Bedarfs an Kunststoffen.

    „Weil uns die Kunden die Produkte praktisch aus den Händen gerissen haben, mussten wir an unsere Sicherheitsbestände gehen.“ Covestro

    Markus Steilemann

    „Weil uns die Kunden die Produkte praktisch aus den Händen gerissen haben, mussten wir an unsere Sicherheitsbestände gehen.“

    Covestro ist aktuell praktisch ausverkauft. Jetzt wird der Konzern interne Vorratsbestände auffüllen, um die Versorgung in den kommenden Monaten zu gewährleisten. Grund: Covestro nimmt zahlreiche Wartungs- und Effizienzarbeiten an den Anlagen vor, die man wegen Corona zunächst verschieben musste. Auch deswegen wird das Angebot am Markt zunächst knapp bleiben.

    Diese Arbeiten werden Grundlage „für einen Schub im kommenden Jahr“ sein, sagt Steilemann. Eine konkrete Prognose für 2022 will er zwar noch nicht abgeben, insbesondere was die Preisentwicklung angeht. Aber der Leverkusener Konzern rüstet sich für weiteres Wachstum.

    Covestro will vom grünen Umbau der Wirtschaft profitieren

    Denn die allgemeine Konjunktur bewertet Steilemann als anhaltend stark. „Auch was China betrifft, hat sich meine positive Sicht nicht verändert“, sagte er. Von den jüngst staatlich verordneten Stromabschaltungen bei Industriebetrieben in dem Land sei Covestro nur punktuell betroffen gewesen.

    Insgesamt setzt Covestro darauf, dass sich Produkte für den grünen Umbau der Weltwirtschaft unabhängig von der Konjunktur immer mehr durchsetzen werden. Die Leverkusener liefern etwa Hartschaum für die Gebäudedämmung. Selbst wenn die Baukonjunktur an Fahrt verliere, bleibe dies ein Wachstumsgeschäft. Gleiches gelte für die Elektromobilität. Schätzungen zufolge brauchen Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern dreimal so viel Polycarbonat, etwa für den Leichtbau und die Batteriegehäuse.

    Grafik

    Analysten trauen Covestro ein weiteres starkes Jahr zu – auch wenn die Rekordwerte des Jahres 2021 kaum zu toppen sein werden. Im Schnitt gehen die Experten von einem bereinigten operativen Ergebnis von 2,7 Milliarden Euro aus. Aus Sicht der Baader Bank könnte das Ergebnis 2022 aber rund 14 Prozent über diesem Konsenswert ausfallen.

    Die Anleger blieben am Montag allerdings vorsichtig. Von der erneuten Prognoseanhebung konnte die Covestro-Aktie nicht profitieren. Der Kurs lag am Montagnachmittag um knapp ein Prozent im Minus bei rund 54 Euro und blieb damit innerhalb der Spanne von 53 bis 59 Euro, in dem sich Covestro seit dem Frühjahr bewegt.

    Unterschiedliche Entwicklung der Konzernbereiche

    Erstmals legte Covestro die Quartalsergebnisse entsprechend der seit Juli geltenden neuen Konzernstruktur vor – und sie zeigen die unterschiedliche Lage und Herausforderungen für die beiden neuen Segmente.

    Bei den Massenkunststoffen („Performance Materials“) demonstriert Covestro, dass man die Preise umgehend anheben kann, um Rohstoff- und Energiekosten weiterzugeben. In dem Segment sank die produzierte Menge im dritten Quartal aufgrund der Beschränkungen um zwölf Prozent. Der Gewinn jedoch schnellte von 288 auf 755 Millionen Euro hoch.

    Anders präsentiert sich „Solutions and Specialities“. Darin bündelt Covestro die innovativen und auf langfristige Kundenbeziehungen basierenden Spezialgeschäfte. Dort stieg das Produktionsvolumen um 23 Prozent, unter anderem durch den Zukauf der Beschichtungssparte von DSM.

    Der Gewinn hingegen sank um 16 Prozent auf 173 Millionen Euro, weil hier die höheren Rohstoffkosten erst zeitverzögert weitergegeben werden können. Covestro will hier Preiserhöhungen in den kommenden Wochen und Monaten vorantreiben.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×