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06.11.2014

12:48 Uhr

Lanxess

Kautschuk-Konzern streicht 1000 Stellen

Seit Tagen brodelte die Gerüchteküche, jetzt bestätigt Lanxess einen neuerlichen Personalabbau. Sechs Prozent der Belegschaft sollen gehen. Ende des Jahres könnte beim Chemiekonzern ein Verlust in den Büchern stehen.

Lanxess-Chef Matthias Zachert: Der Chemiekonzern baut sechs Prozent seiner Stellen ab. dpa

Lanxess-Chef Matthias Zachert: Der Chemiekonzern baut sechs Prozent seiner Stellen ab.

KölnDer Chemiekonzern Lanxess unterzieht sich einer harten Rosskur und will bis Ende 2016 weltweit 1000 Stellen streichen. Allein in Deutschland sollen etwa 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Insgesamt fallen damit bei Lanxess rund sechs Prozent aller weltweit rund 16.700 Stellen weg. „Es handelt sich bei diesem Stellenabbau um einen harten Einschnitt“, sagte Arbeitsdirektor Rainier van Roessel am Donnerstag.

Neue Wettbewerber, Überkapazitäten und fallende Preise im Markt für synthetischen Kautschuk hatten dem Chemieunternehmen zuletzt arg zugesetzt. Lanxess ist der weltgrößte Produzent von synthetischem Kautschuk für die Auto- und Reifenindustrie.

Der neue Vorstandschef Matthias Zachert, der im April das Ruder bei Lanxess übernahm, leitete bereits eine umfassende Neuausrichtung in die Wege. So wird die Zahl der Sparten verringert, auch im Vorstand gab es bereits Veränderungen. Alle Standorte werden überprüft. Zudem sondiert Lanxess inzwischen Allianzen für einzelne Geschäfte - unter seinem Vorgänger Axel Heitmann war das noch tabu. Zwei Insidern zufolge hatte Lanxess die US-Investmentbank Evercore engagiert, die dem Konzern beratend zur Seite stehen soll.

„Mit der Neuausrichtung schaffen wir die Grundlage dafür, dass Lanxess mittelfristig wieder nachhaltig wachsen kann“, sagte Zachert. Lanxess will mit dem Stellenabbau ab Ende 2016 jährlich 150 Millionen Euro einsparen - 20 Millionen Euro sollen es bereits in diesem Jahr sein. Kosten soll er bis Ende 2016 insgesamt 150 Millionen Euro - davon etwa 100 Millionen Euro bereits in diesem Jahr.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Im dritten Quartal bauten die Kölner ihren um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) um 12,3 Prozent auf 210 Millionen Euro aus. Lanxess profitierte von einer höheren Auslastung seiner Anlagen und dem Wegfall von Abschreibungen auf Vorräte. Auch Einsparungen in der Verwaltung trugen dazu bei. Der Umsatz von Juli bis September lag mit 2,04 Milliarden Euro annähernd auf Vorjahresniveau.

Der Überschuss hat sich hingegen auf 35 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Für das Gesamtjahr 2014 stellte Zachert wie bisher einen bereinigten operativen Gewinn von 780 bis 820 Millionen Euro in Aussicht nach rund 735 Millionen Euro im Vorjahr.

Unter dem Strich stimmt Lanxess eine Investoren aber auf einen möglichen Verlust ein. „Wir werden rote Zahlen schreiben. Das möchte ich ihnen heute schon für den Jahresabschluss andeuten“, sagte Lanxess-Chef Zachert am Donnerstag in Köln. Er fügte später relativierend hinzu: „Für das Gesamtjahr wird es Spitz auf Knopf sein.“ Im vierten Quartal werde Lanxess auf jeden Fall einen Verlust ausweisen. Zur Ergebniserwartung für das kommende Jahr wollte sich Zachert nicht äußern.

Zudem kündigte der Lanxess-Chef an, dass der Konzern über mögliche Allianzen für einzelne Geschäfte frühestens wenn überhaupt erst im zweiten Halbjahr 2015 informieren werde. Es gebe aber bereits Kontaktaufnahmen. Anders als unter seinem Vorgänger an der Konzernspitze, zeigt sich Lanxess inzwischen offen für Gemeinschaftsunternehmen und Partnerschaften. Für seinen Geschäftsbereich Advanced Intermediates will Lanxess nach 2016 auch Übernahmen prüfen.

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rtr

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