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19.11.2012

18:29

Leasinggeschäft

Autobauer jonglieren mit riskanten Modellen

Mit dem Geldkoffer unter dem Arm kauft kaum jemand mehr ein Auto. Um neue Kunden zu erobern, bieten Hersteller mehr und mehr Leasing- und Finanzierungsmodelle an. Aber die sind für sie nicht ohne Risiko.

Autos der Marke Audi. dapd

Autos der Marke Audi.

Frankfurt/Stuttgart Seine neue A-Klasse bietet der Autohersteller Daimler derzeit zum Preis eines gehobenen Mittagstisches an. Für acht Euro am Tag gibt es das Kompaktmodell drei Jahre lang als Leasingwagen. Mit Flatrate-Paket inklusive Versicherung, Wartung und Service.

Doch so etwas haben nicht nur die Stuttgarter im Programm: Drei Viertel aller Neuwagen in Deutschland werden laut Experten geleast oder auf Raten gekauft. Denn auch wer keine 25.000 Euro auf einen Schlag ins Autohaus tragen kann, den wollen die Hersteller als Kunden gewinnen. Dazu sind solche Angebote unverzichtbar - doch mit den Finanzierungsgeschäften gehen die Autobauer ein riskantes Spiel ein.


Denn Leasingfahrzeuge, die nach Vertragsende zurück beim Hersteller landen, müssen als Gebrauchtwagen ein zweites Mal an den Mann gebracht werden. Aber wenn die Nachfrage wie in der aktuellen Krise am Boden liegt, erzielen die Gebrauchten oft nicht die Preise, mit denen die Autobanken bei Vertragsabschluss kalkuliert hatten.

In den USA mussten deutsche Hersteller 2008 deswegen bereits viel Geld abschreiben. Vor allem BMW habe erst mit niedrigen Leasingraten geworben und sei in der schweren Branchenkrise dann auf den hohen Restwerten der Gebrauchtwagen sitzengeblieben, erklärt Auto-Experte Stefan Bratzel von der FH Bergisch Gladbach. Und eine solche Spirale könnte durchaus wieder aktuell werden.


Dazu kommt: In der jetzigen Krise können mehr und mehr Kunden in Südeuropa ihre Raten nicht mehr zahlen. "Wir sehen (...) ein etwas höheres Risiko auf der Kundenseite", räumte der Chef von Daimler Financial Services, Klaus Entenmann, am Montag in Stuttgart ein. Zwar spielt Südeuropa für Daimler in diesem Bereich keine besonders große Rolle. Größer dürften die Sorgen aber vor einem Überschwappen etwa nach Deutschland sein. Künftig will Daimler auch in China als größtem Automarkt der Zukunft Leasingangebote schnüren - mit neuen Chancen und Risiken.

Welche Dimension das Geschäft mittlerweile angenommen hat, zeigt die Bilanz von Daimlers Finanztochter: Die Sparte hat Leasing- und Finanzierungsverträge über 2,7 Millionen Fahrzeuge mit Kunden in aller Welt laufen. Damit stehen Pkw und Nutzfahrzeuge für 77 Milliarden Euro in ihren Büchern. Und bis 2020, wenn Daimler die Konkurrenten BMW und Audi überflügeln will, sollen es sogar 6 Millionen Fahrzeuge für über 140 Milliarden Euro sein. Das wären satte 35 Milliarden Euro mehr als der gesamte Konzern 2011 an Umsatz erwirtschaftete.


Und weil mit jedem neuen Vertrag auch ein neues Risiko hinzukommt, sind stabile Finanzen bei den Herstellern wichtig - nicht zuletzt, um bei günstigen Zinsen und Raten mit der Konkurrenz mithalten zu können. Hier sind die großen deutschen Hersteller Volkswagen, BMW und Daimler bislang sehr gut aufgestellt: Sie haben exzellente Bewertungen bei den Ratingagenturen und können sich zu niedrigen Zinsen Geld leihen. Außerdem verfügen ihre konzerneigenen Geldhäuser durch das direkte Kundengeschäft über Milliarden an Einlagen.

Von solchen Polstern können angeschlagene Hersteller wie Peugeot nur träumen. Weil die Bonität des französischen Mutterkonzerns miserabel ist, und dessen Autobank PSA Finance eben kein Direktbank-Geschäft betreibt, musste jüngst sogar der Staat mit sieben Milliarden Euro einspringen. Der Preis für die Garantien: Regierung und Gewerkschaft wollen nun stärker bei geplanten Einsparungen und Werkschließungen mitreden.

Doch trotz finanzieller Schieflage glaubt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler nicht, dass sich Hersteller wie Peugeot aus dem Wettbieten im Leasing- und Finanzierungsgeschäft verabschieden können und das Feld der liquiden Konkurrenz überlassen. "Die werden da mitziehen müssen, wenn auch mit Verlusten", sagt er. Denn der Druck, frisches Geld selbst mit schlechten Geschäften in die Kassen zu spülen, sei zu groß.

So könnte es für Peugeot aber auch für Leidensgenossen wie Renault, Ford oder Fiat in einem Teufelskreis enden: Sie selbst müssen höhere Zinsen zahlen, können die aber kaum an die Kunden weitergeben und machen unter Umständen sogar Verlust. Das drückt die Bonität und verschärft die Situation noch weiter. "Das ist ein Bumerang", sagt Analyst Pieper. Die Verluste aus den mehrere Jahre laufenden Verträgen würden die Hersteller früher oder später wieder einholen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

19.11.2012, 19:11 Uhr

Anstatt seine Wagen leasen zu lassen, sollte z.B. Volkswagen wieder einen ordentlichen Wagen fürs Volk bauen. Und zwar in erster Linie einen, den sich ein normaler Arbeiter oder Angestellter auch leisten kann. Mittels Barzahlung. Aber der wahre Volkswagen ist schon längst ein Dacia Sandero oder für die große Familie der neue Lodgy. Erprobte Technik, einfache Ausführung, günstige Ersatzteile, wenig Elektronik und gute Motoren. Denn die meisten wollen ihr Auto nur fahren und nicht ein Leben lang dafür arbeiten müssen. So wie damals der Käfer. Einfach, günstig, standardisiert und ohne Schnickschnack. Eben ein Wagen fürs gemeine Volk.

andreash

19.11.2012, 19:24 Uhr

Meine Augen gingen auf, als ich über die BMW-Bank folgendes km-Leasingangebot ( ohne Restwertrisiko) BMW 7er, 12 Monate alt, 20tkm für 500 Euro / Monat ohne Anzahlung bei 10tkm / Jahr. Macht 18.000 Euros in 3 Jahren. Der Wertverlust ist garantiert höher. Hier wird ein Verlust für BMW eingeplant. Hauptsache Umsatz. Wehe die Leasingblase platzt

broesel

19.11.2012, 19:29 Uhr

wieviel milliarden haben sich die autobanken bei der EZB zu einem % zins geholt.

vllt hamn die autobanken schon ihr erstes erwachen,wenn sie diese liquidität in 30 m0naten zurückführen müssen o0der ihre ABS in der bevoersthenden krise nicht mehr los werden

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