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27.11.2018

11:32

Die E-Scooter von Hive fahren in Lissabon mit einer Höchstgeschwindigkeit von 24 Kilometern pro Stunde. Reuters

Tretroller mit Elektromotor

Die E-Scooter von Hive fahren in Lissabon mit einer Höchstgeschwindigkeit von 24 Kilometern pro Stunde.

Leihservice Hive

Daimler-Tochter Mytaxi verleiht jetzt auch E-Scooter

Von: Michael Verfürden

Mytaxi verleiht künftig elektronische Tretroller. Ist der Test in Lissabon erfolgreich, will das Unternehmen in andere Länder expandieren.

Düsseldorf Daimler will das Rennen um die sogenannte letzte Meile aufmischen: Der zum Autobauer gehörende Fahrdienstleister Mytaxi startet in Lissabon ein Pilotprojekt mit leihbaren E-Scootern, also elektronisch betriebenen Tretrollern. Mytaxi bietet unter der Marke Hive einige hundert E-Scooter in der portugiesischen Hauptstadt an, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Die Roller sind ab sofort verfügbar.

Mytaxi ist bislang nur als Vermittler von Taxifahrten via Handy-App bekannt. „Wir sind bescheiden genug, um zu sagen, dass das für uns ein neues Geschäftsmodell ist und wir viel lernen müssen“, sagt Mytaxi-Chef Eckart Diepenhorst. Der Manager ist sich aber sicher, dass die elektrischen Tretroller eine sinnvolle Ergänzung für das Portfolio des Unternehmens sind.

„Der Markt ist so jung und entwickelt sich derzeit exponentiell. Da gibt es noch unfassbar viel Potenzial”, sagt Diepenhorst. Die Zielgruppe sei jünger und abenteuerlustiger als die der bisherigen Mytaxi-Kunden. So werde der Geschäftsmann, der um sechs Uhr zum Flughafen muss, keinen Scooter nehmen. Der Service richte sich eher an diejenigen, die ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel für Kurzstrecken suchen, etwa für den Weg von der Bahn ins Büro.

Hive geht zunächst mit einer eigenen App an den Start. Nutzer können die elektronischen Tretroller über das Smartphone orten und für einen Euro entsperren. Die Fahrt kostet dann 15 Cent pro Minute. Wie viel Geld sich mit dem Geschäft verdienen lässt, kann Diepenhorst noch nicht beantworten. Das Unternehmen gehe derzeit aber davon aus, dass sich das Modell ab sechs Touren am Tag pro Roller rechnet.

Die eigentliche Attraktivität des Geschäftsmodells dürfte aber ohnehin nicht in den Einnahmen des Rollerverleihs liegen. Die Anbieter konkurrieren vor allem um einen Platz auf dem Homescreen der Nutzer. „Wenn der Pilot erfolgreich ist, können wir Hive als eigene Marke positionieren. Wir haben aber auch die Möglichkeit, es in die Mytaxi-App einzubetten“, sagt Diepenhorst.

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Mytaxi setzt in Lissabon auf E-Scooter des US-Unternehmen Segway, das für sein gleichnamiges elektrisches Fahrzeug bekannt ist. Diepenhorst betont aber: „Gerade wenn wir in wetteranfällige Regionen gehen wird es entscheidend sein, dass wir unsere eigene Hardware mitentwickeln.“

Ausschlaggebend für die Wahl der portugiesischen Hauptstadt seien neben guten Wetter auch die Beziehungen zu den Behörden dort gewesen. Diepenhorst glaubt, dass die Zusammenarbeit mit den Städten eine entscheidende Rolle in der Frage spielen wird, wer sich auf dem Markt durchsetzen wird. „Wir haben aus dem gelernt, was in den USA passiert ist. Die Städte sind die Hausherren und wir bewegen uns in deren Wohnzimmer“, sagt der Manager.

US-Unternehmen wie Lime und Bird haben ihren Service lange angeboten, ohne die Städte vorher um Erlaubnis zu fragen. Die Firmen kippten einfach Unmengen E-Scooter auf die Straße, ohne sich wirklich um sie zu kümmern. Die Beschwerden der Anwohner häuften sich. Die Stadt San Francisco erteilt inzwischen nur noch Anbietern eine Genehmigung, die sich an gewisse Spielregeln halten.

Viel Konkurrenz in Europa

Dennoch sind die elektrischen Tretroller vor allem in kalifornischen Städten wie Los Angeles und San Francisco ein Trend. Allein die Lime-Nutzer haben seit der Gründung im Juni 2017 mehr als 20 Millionen Fahrten zurückgelegt. Investoren bewerten das Start-up mit 1,1 Milliarden Dollar. Genauso wie der US-Konkurrent Bird hat auch Lime inzwischen nach Europa expandiert.

Doch auch die europäische Konkurrenz rüstet sich für das Rennen um die letzte Meile: Mit Wind Mobility und Tier Mobility haben kürzlich zwei Berliner Start-ups jeweils mehr als 20 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Das schwedische Unternehmen Voi hat sogar 50 Millionen Euro bekommen. Mit der Daimler-Tochter Mytaxi hat nun auch ein deutscher Autobauer Potenzial in den elektrischen Tretrollern erkannt.

Was Hive besser als die Rivalen macht, kann Diepenhorst aber nicht beantworten. Mytaxi profitiere davon, dass es im Gegensatz zu den Start-ups auf ein bestehendes Geschäft aufbauen könne. Doch darüber hinaus müsse das Unternehmen erst lernen, wie es sich von den Wettbewerbern unterscheiden könne. „Letztlich werde wohl eine Kombination aus Hardware, Verfügbarkeit und der Beziehung zur Stadt entscheiden“, sagt der Mytaxi-Chef.

Diepenhorst will Hive in Lissabon nach und nach ausbauen. Dem Testlauf könnten noch im kommenden Jahr weitere europäische Märkte folgen. „Wir haben Pläne in der Schublade, wie wir unser Angebot deutlich schneller einführen können – auch europaweit“, sagt Diepenhorst.

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Mytaxi würde die E-Scooter gerne auch auf die deutschen Straßen bringen, doch bislang erlaubt das Verkehrsministerium sie nur auf Privatgeländen. Die Behörde arbeitet an einer Verordnung, doch die dürfte erst im Frühjahr in Kraft treten.

Die Opposition und einige Hersteller kritisieren das langwierige Verfahren als Innovationsbremse. Doch Diepenhorst sieht das anders: „In anderen Ländern kannst du als Anbieter zwar schon starten, aber in einem relativ rechtsfreien Raum.“ Das könne letztlich zu Problemen wie in den USA führen – und das Image der E-Scooter weiter beschädigen.

Auch dass der Entwurf für die Verordnung ein Mindestalter von 15 Jahren vorsieht, begrüßt Diepenhorst im Sinne der Sicherheit: „Das engt zwar die Zielgruppe ein. Aber es bringt auch nichts, wenn ich sehr junge Scooter-Fahrer auf der Straße habe, die vielleicht die Verkehrsregeln nicht beachten.“

In welchen deutschen Städten Hive starten könnte, will Diepenhorst noch nicht verraten: „Wir werden erst sehen müssen, welche Auflagen es gibt und wie wir sie umsetzen können.“

Die Konkurrenz aus den USA ist da schon einen Schritt weiter: Lime hat auf seiner Homepage bereits Stellenanzeigen für freie Mitarbeiter in sieben deutschen Städten geschaltet.

Kommentare (1)

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Frau Nicole Bartels

27.11.2018, 12:14 Uhr

"Der Service richte sich eher an diejenigen, die ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel für Kurzstrecken suchen, etwa für den Weg von der Bahn ins Büro." Dieser umweltfreundliche Trend, die unkomplizierte Möglichkeit mit Electro Scootern oder Kleinfahrzeugen als Move & Go zu nutzen wird sich zukünftig weiter Durchsetzen. Man muss nicht mehr mit dem eigenen SUV Protzen, wenn man allerorts unkompliziert und kostengünstig ElektroMobilität nutzen kann. Eine innovative Technologie zur Nutzung von Neutrino-Energy in Antriebsenergie wird dabei zukünftig eine entscheidende Rolle spielen. Diese revolutionärste Entdeckung für die Menschheit des 21.Jahrhunderts bietet unendliche Ressourcen - Billionen von Neutrinos strömen mit der Solaren Strahlung weltweit und können allerorts in emissionsfreie Energie gewandelt werden mittels Haushaltsgeneratoren/ PowerCubes. Dazu liegen spannende, internationale Forschungsergebnisse und Patente der Berliner Neutrino Energy Group bereit. Mit einem ersten Kleinfahrzeug PI, das mit unendlicher Reichweite fahren kann, quasi aus der Luft Tanken würde, angetrieben von Tag und Nacht milliardenfach strömenden Neutrinos, welche emissionsfreie Energie abgeben, kann ein Meilenstein gesetzt werden. Hier sollte die Deutsche Autoindustrie Andocken und neu Starten! Pi - Kleinfahrzeuge werden zukünftige City-Hopper im Car2go Bereich nutzbar sein. Chinesische Investoren sind bereits in Vorverhandlungen. http://motorzeitung.de/news.php?newsid=455551

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